Magdeburg l Freitag, der 13., ist im Volksglauben ein Tag, an dem Unglücke passieren. Doch Studien zeigen, dass die Deutschen sich kaum noch von diesem Aberglauben beeinflussen lassen.

Joe Aust aus Genthin verbindet ganz besondere Erinnerungen mit diesem Tag. "Meine Frau und ich haben am 13. November 1987 geheiratet, ein Freitag, der 13.", erinnert er sich. Das "Unglücksdatum" sei ihnen zwar bewusst gewesen, aber auch damals hatte das keinen Einfluss auf ihre Entscheidung. Die Ehe hält bis heute.

Auch Freitag, der 13. September, ist für Joe Aust ein Tag wie jeder andere. "Ich bin da nicht anders und auch nicht vorsichtiger als sonst", erzählt er. Als abergläubisch würde er sich auch nicht bezeichnen.

Drittel der Deutschen ist abergläubisch

Wie Joe Aust geht es vielen Deutschen. Laut einer Umfrage der Gothaer Versicherung und der Forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen ist nur circa ein Drittel der Deutschen abergläubisch. Frauen sind dabei tendenziell etwas abergläubischer als Männer. Bezogen auf Freitag, den 13., kennen zwar 82 Prozent der Befragten den Aberglauben, die Zahl 13 generell zu meiden, an den besagten Freitagen verhalten sich aber nur sechs Prozent vorsichtiger als sonst.

Eine Studie der Zurich Versicherung bestätigt, dass Freitag, der 13., alles andere als ein Unglückstag ist. So seien an den "schwarzen Freitagen" 10 Prozent weniger Schäden gemeldet worden als an übrigen Freitagen.

Besonders anfällig für Aberglauben seien laut Umfrage der Gothaer Versicherung jüngere Menschen, von 18 bis 29 Jahren. Der Grund: Aberglauben erzeugt in Menschen die Illusion bestimmte Situtationen kontrollieren zu können, sagt Psychologin Dr. Annegret Wolf von der Martin-Luther-Universität in Halle. "Vor allem junge Leute müssen sich im Leben häufig noch finden und suchen deshalb nach Mustern im Alltag, die ihnen Halt geben", erklärt sie. Man erhoffe sich auf diese Weise ein Stück weit die Kontrolle wiederzugewinnen und die Dinge eben doch beeinflussen zu können.

Freitag, der 13., als Glückstag

So können sich Menschen auch positiv auf Freitag, den 13., konditionieren. Einige empfinden ihn sogar als Glückstag. Ob Termine, ärztliche Befunde oder Entscheidungen zur ihren Gunsten auf finanzieller Ebene – für Sandra Neumann hat sich alles stets zum Guten gewendet, wenn es an einem Freitag, den 13., stattgefunden hat. "Ich kann es nicht erklären, aber wann immer Freitag, der 13., war, hat immer alles geklappt, was an diesem Tag anlag", berichtet die Loburgerin.

Wer abergläubisch ist, wird auch in eine Situtation geraten, die seine Vorahnung bestätigt. Dr. Annegret Wolf nennt das "selbsterfüllende Prophezeiung". Wenn man darauf warte, dass etwas Positives oder Negatives passiert, würde man auch etwas finden. Wenn die Vorahnung  dann bestätigt wird, verstärkt sich der Aberglaube.

Sandra Neumann ist nach eigenen Angaben nur in manchen Situationen abergläubisch und möchte das Schicksal ungern herausfordern. "Abergläubisch bin ich tatsächlich in einigen Dingen, zum Beispiel den Geburtstag vorfeiern, oder gratulieren, ehe er stattgefunden hat. Weihnachtslieder vor Weihnachten singen, würde mir nicht im Traum einfallen", erzählt sie.

Kausalitäten herstellen

"Wir versuchen durch Aberglauben Kausalitäten herzustellen und Gründe für unseren Erfolg beziehungsweise Misserfolg zu finden. Das gibt unserem Leben eine gewisse Vorhersehbarkeit", so die Psychologin aus Halle. Hier gäbe der Aberglauben Rückhalt und bestätige die Entscheidungen der Menschen.

Auch Skeptiker werden hin und wieder vom Aberglauben beeinflusst, meint Dr. Wolf. "Jeder hat einem anderen schon mal die Daumen gedrückt und somit Glück gewünscht", so die Hallenser Psychologin. Auch das zählt unter Aberglauben und geschieht oft unbewusst, statt dass man rational darüber nachdenkt.