Magdeburg l Nun also doch. Das Verhältnis von AfD-Fraktionschef André Poggenburg und Daniel Roi, dem ehemaligen parlamentarischen Geschäftsführer, ist endgültig zerrüttet. Nichts geht mehr. Gerade einmal sieben Monate haben sie es noch miteinander ausgehalten.

Bis zum Landtagswahlkampf im März 2016 war vieles gut. Poggenburg war das Sprachrohr. Roi sein enger Vertrauter, der den Wahlkampf managte. Doch im Juni kam es zum Bruch. Es ging um den Kurs der AfD. Ein Wutbrief der Basis, der „Ruf der Vernunft“, erreichte die Parteispitze. 54 Mitglieder unterzeichneten das Papier und warnten vor einer Radikalisierung. „Wir wollen keine Verschmelzung mit Organisationen, die als Auffangbecken für Extremisten fungieren“, hieß es darin. Roi hat das Schreiben mit initiiert. „Wir dürfen unsere Parteigrenzen nicht nach rechts aufweichen“, sagte er. „Herr Poggenburg muss eine klare Linie ziehen.“

Dieser Appell hat dem Parteichef gar nicht gefallen. Zum einen, weil er für punktuelle Überschneidungen mit Rechtsaußen offen ist. Zum anderen hat Poggenburg den „Ruf der Vernunft“ vor dessen Veröffentlichung nicht gekannt. In einer Phase, in der er auch in der gespaltenen Landtagsfraktion unter Druck stand, war der Brief Wasser auf die Mühlen seiner Kritiker.

Poggenburg rächte sich

Doch der Parteichef konnte sich retten. Er schloss sich dem Schreiben an und räumte Fehler ein – doch nicht, ohne sich zu rächen. Anfang August sorgte er im Landesvorstand dafür, dass Roi eine Rüge erteilt wurde. Durch den Gang an die Öffentlichkeit sei der Eindruck entstanden, dass die AfD „ein ungeordneter Haufen wäre“. Dies sei ein „Affront gegen den gesamten Vorstand“ gewesen. Sein Vertrauen zu Roi bezeichnete er als „angeschlagen“.

Im November gelang Poggenburg und seinen Unterstützern der nächste Erfolg. Roi wurde entmachtet. Bei der Neuwahl des Fraktionsvorstands verlor dieser eine Kampfabstimmung 12 zu 13. Doch für Ruhe sorgte auch das nicht. Poggenburgs Kritiker sammelten sich weiter hinter Roi. Hinter vorgehaltener Hand wird der Führungsstil des Fraktionschefs seit Monaten gerügt. Manche sprechen von einem „Poggenburg-Programm“. Sie unterstellen ihm Egoismus.

Nun sorgt die Entlassung einer Referentin seit vier Wochen für Zoff. Das Poggenburg-Lager und Rois Leute streiten erbittert. Wie sehr die Fronten verhärtet sind, zeigen inzwischen auch Interneteinträge zu privaten Themen. Bei Twitter kommentierte der geschasste Parlamentsgeschäftsführer eine Beziehung des AfD-Chefs süffisant. Poggenburg ist seit kurzer Zeit mit Lisa Lehmann liiert, die ebenfalls im Landesvorstand sitzt. Auf die Frage, welchen Einfluss diese Beziehung auf die politische Arbeit hat, teilte Poggenburg dem MDR mit, dass solche Beziehungen in der AfD nicht unüblich seien. Es ist ein Verweis auf Roi und seine Partnerin Sarah Sauermann, die ebenfalls für die AfD im Landtag sitzt. Roi konterte auf Twitter: „Glaube kaum, dass die angeführten Beziehungen auch nur ansatzweise mit dieser Art von Beziehung(en) vergleichbar sind ...“