Tim (2) getötet

Angeklagter wird als Sadist bezeichnet

Mord, Kindesmissbrauch und Misshandlung eines Schutzbefohlenen wird einem Paar aus Querfurt vorgworfen. Nun sagen Zeugen aus.

Von Bernd Kaufholz

Halle l Am zweiten Tag des Prozesses vor der Schwurgerichtskammer am Landgericht Halle gegen ein Paar aus Querfurt (Saalekreis), dem Mord, Kindesmissbrauch und Misshandlung eines Schutzbefohlenen vorgeworfen wird, wurden fünf Zeugen gehört. Darunter auch der Ex-Lebensgfährte von Uta F. (36), der Mutter des getöteten Tim (2).

Der 45-Jährige, mit dem die Angeklagte eine gemeinsame Tochter (11) hat, schilderte, dass F. während der vier Jahre des Zusammenlebens täglich Drogen genommen habe - Cannabis und Crystal Meth.

Der Zeuge, der aufgrund der Schläge gegen seine damaligen Partnerin verurteilt worden war, sagte aus, dass der kleine Tim, den er immer, wenn er die gemeinsame Tochter abholte, zu Gesicht bekam, mit zwei Jahren kaum sprechen, nur Mama und Papa sagen, konnte und keine Kindereinrichtung besucht hat. Staatsanwalt Hendrik Weber ergänzte, dass Tim seitdem er fünft Monate alt war, keinem Kinderarzt vorgestellt und nicht geimpft wurde. "Dasselbe Muster wie bei ihrer gemeinsamen Tochter Sophia", stellte Weber fest. "Das Kind konnte mit zwei Jahren auch nur zwei Worte sagen. Sie wurde keinem Arzt vorgestellt, hatte beim Bewegen Koordinierungsprobleme und schielte."

Eine 32 Jahre alte Zeugin, die mit Dennis K. zwei Jahre eng befreundet war und mit ihm zusammengelebt hatte, sprach mit Blick auf den Angeklagten von einer "deutlichen Wesensveränderung in den letzten Jahren". Die Frau, die eine erfolgreiche Drogentherapie hinter sich gebracht hat, bestätigte den "Crystal-Meth-Konsum unter einem Gramm täglich". Als er bei ihr gewohnt habe, sei K. kontaktfreudig und lebensfroh gewesen. "In letzter Zeit hatte er keinen Plan mehr, war emotionslos und kalt." Als sie von der Tat gehört habe, habe sie gedacht: Dieser Mensch hat mit dem Dennis von früher nichts mehr zu tun, so die Halberstädterin.

Die Zwillingsschwester der Angeklagten Uta F. tat sich zuerst schwer mit ihrer Rolle als Zeugin, die ein Aussageverweigeungsrecht hat. "Ja, nein, nur zur Person meiner Schwester." Erst nach der Erläuterung ihres Rechts durch den Kammervorsitzenden Jan Stengel, entschloss sich die 36-Jährige auf alle Fragen zu Antworten.

Sie sagte, dass der kleine Tim "ganz normal" entwickelt war. Ihre Schwester habe sich liebevoll um die beiden Kinder gekümmert, habe sie nie geschlagen. Das Verhältnis zwischen den beiden Angeklagten sei problematisch gewesen. So habe sie ein Gespräch mitbekommen bei dem ihr Zwilling Dennis K. als "Schmarotzer" bezeichnet habe und er sich "verpissen" solle. Die blauen Flecken, die sie bei Tim gesehen habe, habe sie auf die "stürmische Art" des "lebhaften, fröhlichen Jungen" zurückgeführt.

Zum Drogenkonsum der Angeklagten warf der Staatsanwalt ein, dass Tim bei seiner Geburt mit Drogen "zu war und nach einem Tag bereits schwere Entzugserscheinungen aufwies". Eine 31-Jährige, bei der der "Wohnungsnomade" K. ebenfalls hin und wieder übernachtet hatte, sagte, dass der 30-Jährige "lieb" mit ihren beiden Söhne umgegangen sei. Sie habe aber nie erlebt, dass Dennis K. von sich aus Kontakt zu Kindern gesucht hat.

Laut Anklage soll K. den zwei Jahre alten Tim zwischen dem 23. Juni und 11. Juli 2020 in der Wohnung seiner Lebensgefährtin Uta F., in der er zeitweise gewohnt hat, mehrfach sexuell missbraucht, geschlagen, getreten und zumeist dabei mit dem Handy gefilmt haben, "um sich später daran sexuell zu erregen", wie der Ankläger sagte. Von Mal zu Mal habe sich die Brutalität des Angeklagten, den Staatsanwalt Weber als einen Menschen mit "sadistischer Grundeinstellung" bezeichnete, gesteigert. Bis zum 10. Juli. An diesem Tag habe sich K. entschlossen noch bestialischer vorzugehen. "Er hat dem Kind Betäubungsmittel verabreicht. Bei der Menge hat er da schon billigend den Tod Tims in Kauf genommen." Erneut habe der Angeklagte das Kind missbraucht und es dann mit Schlägen und Tritten maltretiert, "bis es kein Lebenszeichen mehr von sich gab." Weber nennt die Tat einen "Mord, um den Missbrauch zu verdecken".

Tims Mutter, Uta F., habe spätestens am 29. Juni 2020 Verletzungen am Körper des Kindes festgestellt. Weil sie die Partnerschaft mit K. nicht aufs Spiel setzen wollte, sei sie jedoch nicht eingeschritten oder habe Hilfe geholt. "Dadurch konnte K. seine Taten fortführen, die zum Tode Tims geführt haben", so Weber. "Die Mutter ist ihrer Pflicht, das Kind zu schützen, nicht nachgekommen."

Beide Angeklagten haben sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert.