Wasserpegel steigen erheblich / Drohte Kreis-Kat-Stabschef Klage gegen Jung an?

Arbeiten am Notdeich laufen auf Hochtouren

Von Jan-Thomas Goetze

Breitenhagen. Nach dem Hochwasser ist vor dem Hochwasser. So sieht es jedenfalls an der Elbe und insbesondere in Breitenhagen aus. Dachten die vielen freiwilligen und hauptamtlichen Helfer, dass die Flut vorbei ist, rollt nun bereits eine neue Flutwelle aus Tschechien und Sachsen heran.

Und die Pegel steigen spürbar. Zeigte der Pegel Barby am Mittwoch um 8 Uhr noch einen Stand von 3,58 Meter an, sollen es laut ungesicherter Prognose am Sonntag bereits 5,30 Meter sein. Christian Jung: "Der tatsächliche Wert kann aber anders aussehen. Ab einem Pegel in Barby von 5,92 Metern müssen wir das Pretziener Wehr erneut ziehen. Im Moment sieht es aber nicht danach aus."

Gleichwohl kämpfen die Einsatzkräfte in Breitenhagen nun wieder gegen die Zeit. Der Deich an der Saalemündung war dort am 9. Juni gebrochen. Damit das Wasser aus der Niederung des Elbe-Saale-Winkels besser abfließen konnte, ist der Deich aufgesprengt worden. Auf einer Länge von insgesamt 200 Metern.

Diese Bresche muss nun eilig geschlossen werden, weil das Elbewasser in die Saale zurückstaut. Glück im Unglück: Die Bernburger Spezialbaufirma, die die Deichrückverlegung in Lödderitz übernommen hat, ist mit ihrer Baustelle in den Fluten untergegangen. Dieses Unternehmen hat nun den Bau des Notdeiches in Breitenhagen in Angriff genommen. Jung: "Diese Firma hat das Wissen, das Material und die notwendigen Maschinen, um hier kurzfristig die Gefahrenstelle zu beseitigen." Er zeigte sich optimistisch, dass dies auch gelingen werde.

Auch die freiwilligen Feuerwehren der Region und Kräfte wie die Breitenhagener Wasserwehr sind erneut im pausenlosen Einsatz, um erneuten Schaden vom Elbe-Saale Winkel abzuwenden. Nun montieren sie am abgesoffenen Schöpfwerk in Breitenhagen die holländischen Ersatzpumpen. Die Schleuse am Schöpfwerk sollte Mittwochabend geschlossen werden. Dadurch kann dann das Flutwasser, dass sich auf bis zu 83 Quadratkilometer in den Elbe-Saale-Winkel ergossen hatte, nicht mehr abfließen.

Aber auch die Ersatzhochleistungspumpen, sie haben eine stärkere Leistungskraft als das eigentliche Schöpfwerk, werden aber nur 20 Prozent der Wassermassen in den Fluss pumpen können. Jung: "Der Rest wird sich in Richtung Breitenhagen und Groß Rosenburg stauen. Breitenhagen wird aber durch den dann reparierten Ringdeich geschützt sein."

Die erste Pumpe sollte Mittwochabend den Betrieb aufnehmen. Betroffen war Christian Jung von einem Anruf von Thomas Michling vom Katastrophenschutzstab des Salzlandkreises. Jung hatte sich in der Volksstimme kritisch zum Einsatz des Katastrophenschutzstabes des Salzlandkreises geäußert und stärkeres Engagement und Einsatz im Elbe-Saale-Winkel gefordert. Jung: "Er hat mir gedroht, dass er mich verklagt, wenn ich mich weiterhin so äußern würde," ist der Flussbereichsleiter empört. Er meint: "Kritik muss ja wohl gesagt werden dürfen!"

Die Volksstimme hat zu den Vorwürfen trotz Anfragen bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme vom Katastrophenschutzstab des Salzlandkreises erhalten.

Jung kritisiert darüber hinaus, dass der Rückbau der nicht mehr benötigten Sandsackbarrieren im Elbe-Saale-Winkel nicht richtig organisiert sei. "Im Landkreis Anhalt-Bitterfeld hat das viel besser geklappt. Dort sind die meisten Sandsäcke nach meiner Kenntnis schon beseitigt. Hier tut sich nichts. Und meine Leute vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz sind damit alleine hoffnungslos überfordert", versichert der Flussbereichsleiter.