Magdeburg l Das Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) München hat hochgerechnet, welche Folgen eine monatelange Stilllegung des wirtschaftlichen Lebens hat. Ihr Fazit: „Die Kosten werden voraussichtlich alles übersteigen, was aus Wirtschaftskrisen oder Naturkatastrophen der letzten Jahrzehnte in Deutschland bekannt ist“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Das betrifft auch den Arbeitsmarkt. Sollte der sogenannte Shutdown drei Monate dauern, würden bis zu 1,8 Millionen Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verlieren.

Derzeit gibt es in der Bundesrepublik 33,7 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Sachsen-Anhalt hat daran einen Anteil von 2,4 Prozent. Für Sachsen-Anhalt würde das rechnerisch bedeuten, dass im ärgsten Fall 43.000 Menschen wegen der Coronakrise arbeitslos würden. Die Zahl der Joblosen stiege dann von 84.000 auf 127.000 und mithin um mehr als 50 Prozent.

Ifo hat mehrere Szenarien berechnet für den Fall, dass die Wirtschaft einen Monat, zwei Monate oder drei Monate stillliegt.

Erheblich zurückgehen würde auch die Wertschöpfung. „Dabei erreichen die Produktionsausfälle bei einer Dauer des Shutdown von mehr als einem Monat schnell Dimensionen, die deutlich jenseits der Wachstumseinbrüche liegen, die aus früheren Rezessionen zumindest in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland bekannt sind“, schreiben die Forscher. Bei einmonatiger Schließung lägen die Verluste bei bis zu 265 Milliarden Euro, bei dreimonatiger Zwangspause bei bis zu 729 Milliarden Euro. Die Wirtschaft würde im mildesten Fall um vier Prozent schrumpfen, im schlimmsten Fall um 20 Prozent.

Jedes Prozent Minus bedeuten für Sachsen-Anhalts Landeskasse 90 Millionen Euro weniger Einnahmen. Das heißt: Von den 7 Milliarden Euro geplanter Steuereinnahmen würden im schlimmsten Fall 1,8 Milliarden Euro wegbrechen. Außerdem werden staatliche Ausgaben wegen der Wirtschaftshilfen und steigender Hartz-IV-Ausgaben massiv steigen. Legt man die Ifo-Zahlen zugrunde, muss allein Sachsen-Anhalt mit Mehrbelastungen von 1,5 bis 5,5 Milliarden Euro allein in diesem Jahr rechnen. Der Gesamtetat umfasst derzeit 12 Milliarden Euro.

Eines ist schon klar: Der vorige Woche beschlossene Haushalt ist Makulatur. „Es wird einen Nachtragshaushalt geben“, sagte Wolfgang Borchert, Sprecher des Finanzministeriums. Heute wird das Kabinett dazu beraten.

Ifo mahnte: „Aus der astronomischen Höhe der Kosten des Shutdown folgt, dass es dringend zu empfehlen ist, praktisch jeden denkbaren Betrag im Bereich gesundheitspolitischer Maßnahmen einzusetzen, der die Dauer des Shutdown verkürzt, ohne die notwendige Bekämpfung der Epidemie zu beeinträchtigen.“ Dazu gehören umfangreiche Tests, der besondere Schutz gefährdeter Menschen, die flächendeckende Verwendung der Atemmasken und die Desinfizierung.

Bis 15.000 Euro für jede kleine Firma

Die Bundesregierung hat jetzt Wirtschaftshilfen in Höhe von 750 Milliarden Euro beschlossen. Dazu zählen unter anderem:

  • Kleine Firmen und Solo-Selbstständige wie Künstler und Pfleger erhalten über drei Monate direkte Zuschüsse von bis zu 15.000 Euro.
  • Vermieter dürfen Mietern nicht kündigen, wenn sie wegen der Krise nicht zahlen können.
  • Hartz-IV-Zahlungen und Kinderzuschläge ohne Vermögensprüfung.
  • Drei Milliarden Euro zusätzlich für Kliniken.