Magdeburg l Fast dreißig Jahre nach der Wende erholt sich Sachsen-Anhalt zunehmend von den Massenpleiten der DDR-Großbetriebe Anfang der 90er Jahre: Die Zahl der Industrie-Beschäftigten in größeren Unternehmen (ab 50 Mitarbeiter) ist seit 2007 von 90 700 auf 105.400 gestiegen. Das geht aus neuen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit hervor. Der Anstieg entspricht einem Zuwachs von gut 16 Prozent. Der Aufwuchs liegt deutlich über dem Bundesschnitt (9 Prozent).

Insgesamt arbeiten 2017 damit 13,3 Prozent der Beschäftigten im Land in einem Industriebetrieb. Das sind noch deutlich weniger als im Bundessschnitt (knapp 17 Prozent). Im Ostvergleich landet das Land dafür im Mittelfeld, vor Brandenburg (10 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (8,2 Prozent), aber hinter Thüringen (17,8 Prozent) und Sachsen (14,4 Prozent). Vom Zuwachs im Land profitieren nicht alle Regionen. Prozentual am stärksten legte Dessau-Roßlau zu, allerdings von relativ niedrigem Niveau aus: Die Zahl der Industriebeschäftigten nahm etwa durch Pharma-Ansiedlungen von 3130 auf 4847 zu. Zum Vergleich: Im Bördekreis waren bereits 2007 fast 11.000 Menschen in der Industrie tätig, 2017 mehr als 13.000. Im Altmarkkreis Salzwedel und im Saalekreis nahm die Zahl der Industrie-Beschäftigten dagegen ab. Die Gründe sind verschieden: Im Altmarkkreis schloss der Backwarenhersteller Fricopan, Automobil-Zulieferer bauten Arbeitsplätze ab.

Im Saalekreis dagegen geht das Minus vor allem aufs Konto fortschreitender Automatisierung. Als industrielle Kernzonen haben sich laut Bundesagentur und IHK neben dem Bördekreis (Metall- und Maschinenbau) auch Anhalt-Bitterfeld (Pharmazie), der Harz (Metallbau) oder der Burgenlandkreis (Nahrungsmittelindustrie) etabliert. Mit einem Industriebeschäftigtenanteil von fast 22 Prozent liegt der Primus Bördekreis zugleich fast auf Augenhöhe mit dem Mittelstands-Boomland Baden-Württemberg (24 Prozent).

Wie das Wirtschaftsministerium bewertet auch der Landes-Arbeitgeberverband den Gesamttrend „positiv“. Aufgabe der Politik sei es jetzt, aus den kleinen Firmen im Land große zu machen, sagte Verbandssprecher Jan Pasemann. Dazu gehöre neben gezielter Förderpolitik und Bürokratieabbau der Ausbau der Bildungsmöglichkeiten. „Die Frage der Fachkräfte ist eine der Schlüsselfragen für die Zukunft des Standorts.“

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