Halle l Der Asylbewerber Oury Jalloh ist 2005 in einer Dessauer Polizeistelle verbrannt. Hinter dem Tod des Mannes aus Sierra Leone könnte wohl doch Mord stecken. Das geht aus Ermittlungsakten hervor, die dem ARD-Magazin Monitor vorliegen. Dennoch will die Staatsanwaltschaft Halle die Ermittlungen im Fall Jalloh einstellen.

Bislang gingen die Ermittler davon aus, dass sich Jalloh selbst angezündet hatte. Nun kommen laut der Unterlagen Brandschutz-, Medizin- und Chemie-Experten zum Schluss, dass ein Tod durch Fremdeinwirkung wahrscheinlicher sei.  Selbst der langjährige Ermittler der Staatsanwaltschaft Dessau Folker Bittmann geht inzwischen von einem begründeten Mordverdacht aus. Der Oberstaatsanwalt halte es laut eines Briefs vom April 2017 für möglich, dass Oury Jalloh bereist vor Ausbruch des Feuers in der Dessauer Polizeizelle handlungsunfähig oder sogar schon tot war. Der Asylbewerber könne dann mit Brandbeschleuniger besprüht und angezündet worden sein. Bittmann benenne im Brief sogar Verdächtige Verdächtige unter den Dessauer Polizisten.

Staatsanwalt stellte Ermittlungen ein

„Angesichts der neuen Erkenntnisse ist die drohende Einstellung des Verfahrens ein Skandal“, so die Anwältin der Familie Jalloh, Gabriele Heinecke, gegenüber Monitor. Das hatte die Staatsanwaltschaft Halle im Oktober angekündigt. Es gebe keine ausreichenden tatsächlichen Anhaltspunkte für eine Beteiligung Dritter an dem Ausbruch des Brandes in der Polizeizelle. Die Staatsanwaltschaft Halle hatte den Fall im August 2017 nach zwölf Jahren von der Staatsanwaltschaft Dessau übernommen.

Jalloh war am 7. Januar 2005 bei einem Brand ums Leben gekommen. Was genau in der Zelle in Dessau-Roßlau geschah, konnte bislang trotz zwei langer Gerichtsprozesse nicht aufgeklärt werden.