Magdeburg l So hatten die Magdeburger Sket-Werker ihren Chef noch nie gehört: Bei einem Forum am 9. November 1989 zog Claus Oberländer richtig vom Leder: Er wohne in einer Dreiraum KWV-Wohnung und sein einziges Privileg seien ein Auto und 14- bis 15stündige Arbeitstage, ereiferte sich der Generaldirektor. Überhaupt: Warum erhielten Mitarbeiter im Staatsapparat Renten von 90 % des Gehalts und Arbeiter nicht? Es müsse endlich Schluss sein mit der Abwanderung in unproduktive Bereiche und politischer Arbeit im Betrieb  ... Am Abend des selben Tages fiel die Mauer.

Originale Tondokumente wie dieser Mitschnitt machen die Wendezeit für Besucher der Ausstellung „Revolution! 1989/90 in Magdeburg und im Bezirk“ im Landesarchiv Sachsen-Anhalt auf einzigartige Weise plastisch. Zu verdanken sind sie dem stattlichen Reservoir an Tonträgern aus DDR-Beständen, die das Landesarchiv seit 2004 erfasst hat, berichtet Archivarin Christine Buchholz. In Zahlen sind das 4233 Tonbänder, 197 Kassetten und 170 Schallplatten. Darunter ist das Archiv des Sket-Betriebsfunkes, der die tausenden Werktätigen einst mit Propaganda und Pop beschallt hat.

Die für die Audio-Station der Exposition getroffene Auswahl ist passend. 24 Mitschnitte garantieren heiße Ohren.

Die Ausstellung ist noch bis zum 30. Juni 2020 montags und donnerstags von 9 bis 17 Uhr und dienstags und mittwochs von 9 bis 19 Uhr kostenlos im Landesarchiv in der Brückstraße 2, 39114 Magdeburg zu besichtigen. 

Magazin-Neubau: Schätze in Sachsen-Anhalts Landesarchiv in Magdeburg.