Halle/Magdeburg (dpa) l Frauen, die ihr Baby nicht behalten wollen, können ihr Kind in eine Babyklappe ablegen oder es vertraulich zur Welt bringen. Die vertrauliche Geburt wird in Sachsen-Anhalt aber wenig in Anspruch genommen. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei Krankenhäusern und Beratungsstellen.

Im Mai 2014 wurde die Rechtsgrundlage geschaffen – seither gab es laut Landesverwaltungsamt zwölf vertrauliche Geburten in Sachsen-Anhalt. Sieben dieser Kinder kamen 2016 zur Welt. Nach Angaben des Bundesfamilienministeriums wurden seit dem 1. Mai 2014 deutschlandweit 320 vertrauliche Geburten gezählt – darunter waren vier Zwillingsgeburten.

Die vertrauliche Geburt ist ein Kompromiss zwischen der Schutzbedürftigkeit der Mutter und dem Recht des Kindes, seine Herkunft zu erfahren. Schwangere in großer seelischer Not haben so die Möglichkeit, ihr Baby in einem Krankenhaus oder bei einer Hebamme zur Welt zu bringen und trotzdem vorerst anonym zu bleiben. Die Personendaten der Mutter werden zwar gespeichert, bleiben aber mindestens bis zum 16. Geburtstag des Kindes unter Verschluss.

Vier Babyklappen in Sachsen-Anhalt

Zuvor konnten Mütter ihre Kinder anonym zur Welt bringen und im Krankenhaus in die Obhut des Jugendamts geben – ohne ihren Namen zu nennen. "Wir hatten in der Beratung bisher keine einzige Anfrage zur vertraulichen Geburt", sagte Yvette Veckenstedt von der Schwangerschaftsberatung der AWO Magdeburg.

Eine Alternative für Mütter, die ihr Kind in großer Not zur Welt bringen, ist die Babyklappe. In Sachsen-Anhalt gibt es vier Babyklappen: in Halle, Magdeburg, Bitterfeld und Dessau. In den vergangenen drei Jahren wurden dort vier Neugeborene abgelegt. Seit der Einführung der vertraulichen Geburt sehe er keine Veränderung bei der Nachfrage der ohnehin sehr wenig genutzten Babyklappe, sagte Johannes Brumm, Pflegedirektor vom St. Marienstift in Magdeburg.

Die Babyklappe am Klinikum in Dessau wurde seit ihrer Einrichtung 2002 lediglich fünfmal genutzt. "Wir sind hier doch eher auf dem Land", sagte Sprecherin Grit Hachmeister. In Städten sei die Anonymität größer, eine Schwangerschaft könne dort unbemerkter stattfinden. Die Babys, die in Babyklappen gelegt werden, kommen zunächst zur Versorgung in Krankenhäuser. Ab diesem Zeitpunkt ist das Jugendamt für sie zuständig.