Wulfen l Ein Bild des Grauens: Vor der zerborstenen Frontscheibe der roten IC-Lok, der aus den Gleisen gesprungen ist, undefinierbarer Schrott – das Wrack eines MAN mit Sattelaufleger. Am Donnerstag (23. August 2018) gegen 20.35 Uhr war der Zug, aus Richtung Köthen kommend, mit hoher Geschwindigkeit auf dem Bahnübergang (Kreisstraße 2097) gegen den Lkw geprallt und hatte ihn funkensprühend mehrere 100 Meter mitgeschleift. Der 27-jährige Fahrer des Lastkraftwagens aus Berlin war auf der Stelle tot. Die beiden Triebfahrzeugführer (41 und 58) wurden leicht verletzt. Die 50 Zugreisenden kamen mit dem Schrecken davon.

Die Ermittlungen zur Unfallursache durch die Polizeidirektion Ost (Dessau) bewegten sich zu Beginn in zwei Richtungen: ein Defekt an der Halbschrankenanlage oder Verschulden des Lkw-Fahrers? Für den ersten Ansatz sprach die Tatsache, dass am 14. August – also neun Tage vor dem Horrorunfall – ein Feuerwehrmann eine hochkritische Situation an dem Bahnübergang per Handyfoto festhielt. Zwei IC fuhren vorbei. Die Schranken waren nicht geschlossen. Gegen die erste Hypothese spricht allerdings, dass Donnerstagabend beim Eintreffen der Polizei die Halbschranken geschlossen waren. Nach Volkstimme-Informationen war die Sperreinrichtung nach dem Vorfall am 14. August repariert worden.

Die zweite Ermittlungsrichtung geht von der Annahme aus, dass der Lkw-Fahrer die geschlossenen Halbschranken umfahren hat. Wie die Volksstimme am Freitag aus Ermittlerkreisen erfuhr, deutet mehr auf diese Unfallursache hin. Die Bahn wollte sich nicht zur möglichen Ursache äußern. „An Spekulationen beteiligen wir uns nicht“, so eine Sprecherin.

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Aus Ermittlerkreisen war zu erfahren, dass die Daten des Bahnübergangs „von Spezialisten der Bundespolizei ausgelesen werden“. Allerdings sei derjenige am Wochenende nicht greifbar, so dass eine eindeutige Antwort zur Schrankenanlage nicht vor Montag gegeben werden könne.

Im Laufe des Samstages soll die Bahnstrecke zumindest wieder eingleisig befahrbar sein.