Magdeburg l Der Vorstand der Uniklinik lässt keinen Zweifel daran, dass er die rasche Umsetzung seiner Bauliste für alternativlos hält: „Es kann festgestellt werden, dass die Maßnahmen dringend durchgeführt werden müssen, um das Universitätsklinikum weiter zu betreiben“, heißt es in der Übersicht vom 15. Mai. Es handelt sich um eine Neugewichtung eines „Masterplans Bau“, den die Klinik erstmals im März 2018 den zuständigen Ministerien vorgelegt hatte.

Der Aufwand indes wäre immens. Mindestens 157 Millionen Euro kämen bei vollständiger Umsetzung bis 2025 auf das Land zu. Mehrere Häuser auf der Liste waren bereits im Sanierungsplan von 2018 mit einem roten Feld markiert. Heißt: Für das jeweilige Haus bestehen bereits Auflagen. Eine Nutzung ist damit laut Klinik schon jetzt nicht oder nur stark eingeschränkt möglich. Hier die Projekte im Überblick:

Hämatologie/Onkologie

Zustand: Blutkrebsstation und Infektiologie sind – getrennt nur durch zwei Etagen – in einem Gebäude aus DDR-Zeiten untergebracht. Bereits Anfang 2018 hatten Ärzte unhaltbare hygienische Zustände beklagt. Ein Gutachten im Sommer 2018 belegte Mängel Schwarz auf Weiß: Krebs-Patienten mit stark geschwächtem Immunsystem könnten etwa in Fahrstühlen Patienten der Infektionsstation begegnen. Es fehlen Isolierzimmer und Duschräume. Der Brandschutz ist mangelhaft. Eine Expertise des Prüfunternehmens Ernst & Young vom April 2019 konstatierte höchste Patientengefährdung.

Lösung: Einziger Ausweg ist laut Klinik die räumliche Trennung von Infektions- und Krebsstation. Planungsbeginn soll noch 2019 sein. Der Bauplan sieht in einem ersten Schritt den Neubau der Infektionsstation und die Sanierung der Blutkrebsstation bis 2023 vor. Die Infektiologie soll als Übergangslösung in Container ziehen. Da das Haus 40 baulich kaum verändert werden kann, soll bis 2025 ein Neubau auch für die Blutkrebsstation folgen.

Kosten: Noch 2019 sind Planungsmittel von 300.000 Euro nötig. Der Neubau der Infektionsstation würde mindestens 15 Millionen Euro kosten, die Sanierung der Hämatologie 7 Millionen. Für den Neubau der Hämatologie bis 2025 sind noch einmal 28 Millionen Euro veranschlagt. Gesamtsumme: 50 Millionen Euro.

Zentrale Sterilgutversorgung

Zustand: Der Gerätepark der Einrichtung befand sich schon im März 2018 laut damaligem Bauplan teils in „verschlissenem Zustand“. Zugleich stößt die Einrichtung räumlich an ihre Grenzen. Laut Gutachten von Ernst & Young sind reiner und unreiner Bereich nicht sauber voneinander zu trennen, zuletzt gab es gar Rost an Sterilisatoren. Problematisch ist das, weil die Einrichtung das gesamte Klinikum mit sterilisierten Instrumenten versorgt. Ernst & Young konstatiert das Risiko einer Einstellung der Versorgung. Die Expertise spricht auch hier von höchster Patientengefährdung.

Lösung: Die Prüfer raten dringend zu Umbau und Sanierung. Das Klinikum setzt auf einen Neubau, wohl auch wegen begrenzter Kapazitäten im aktuellen Gebäude. Nach Planungsbeginn 2019 sollen die Arbeiten Ende 2023 abgeschlossen sein.

Kosten: Laut Klinik wird der Neubau 8,45 Millionen Euro kosten. Wie bei der Hämatologie sind Preissteigerungen durch insgesamt steigende Baukosten noch möglich. Bei Einhaltung des Zeitplans wären 2019 Planungsmittel von 110.000 Euro nötig.

Küche/Mensa

Zustand: Das Gebäude vom DDR-Typenbau „Mensa Dresden“ stammt aus dem Jahr 1987. Aktuell werden hier täglich bis zu 4000 Patientenessen produziert. Böden und Ablaufrinnen sind teilweise defekt, Kühlräume teils nur halbhoch gefliest. In einem ist laut Bauplan die Decke durchgefroren und beginnt zu zerfallen. Die Technik stammt teils aus dem Jahr 1985. Es gibt Schimmelbildung. Ernst & Young stellte Hygienerisiken und Brandschutzmängel fest. Es bestehe das Risiko der Einstellung der Patientenversorgung.

Lösung: Die Klinik hält den Neubau für dringend notwendig. Die Planungen sollen 2019 beginnen. Nach Baubeginn Ende 2021 soll die neue Küche Anfang 2023 fertig sein.

Kosten: Die Gesamkosten hat die Uni-Klinik mit 10,3 Millionen Euro veranschlagt. Um im Zeitplan zu bleiben, braucht das Haus 2019 150.000 Euro Planungsgeld. Kabinett und Finanzausschuss haben der Klinik bereits zugesagt, im Rahmen eines Pilotprojekts einen Kredit für den Neubau aufnehmen zu können. Normalerweise dürfen Uni-Kliniken das bisher nicht.

Universitätsfrauenklinik

Zustand: Der Komplex befindet sich fünf Kilometer nördlich des Haupt-Campus’. Im Gebäude bestehen erhebliche bauliche Mängel. So gibt es im Neugeborenenzentrum neben Sechs- und Vierbettzimmern lediglich zwei Zweibettzimmer. Dadurch könne es zu einer raschen Ausbreitung von Erregern kommen, schreibt die Klinikleitung.

Im Februar hatten sich 16 Säuglinge mit einem seltenen Keim aus gespendeter Muttermilch in der Klinik infiziert. Ein Kind erkrankte so schwer, dass es starb. Die Kinder-ITS verhängte daraufhin über Wochen einen Aufnahmestopp. Ein Zusammenhang mit den baulichen Bedingungen schlossen Experten später aus, Ursache war demnach allein die Milch. Das Ernst-&-Young-Gutachten kritisierte dennoch fehlende Isolierzimmer, fehlende Klimatisierung und räumliche Enge. Durch unzureichende Hygienestandards sei jederzeit Keimverschleppung möglich. Es bestehe höchste Patientengefährdung.

Lösung: Die Ernst-&-Young-Expertise hält den Umbau von Frauenklinik und Neonatologie für zwingend notwendig. Die Klinik folgt der Einschätzung. Die Planung für das Projekt soll möglichst 2019 beginnen. Nach Baubeginn 2022 sollen die Arbeiten 2024 abgeschlossen sein.

Kosten: Laut Bauplan sind für den Umbau mindestens 9,2 Millionen Euro nötig. Planungsmittel in Höhe von 120.000 Euro werden noch 2019 benötigt.

Radionuklidlabor

Zustand: In der Einrichtung im Haus der Hämatologie werden Arzneimittel mit radioaktiven Substanzen für Diagnostik und Behandlung hergestellt. Laut Klinik werden gesetzliche Anforderungen für die Herstellung schon jetzt nicht erfüllt. Die Kapazitätsgrenzen seien erreicht. Das Ernst-&-Young-Gutachten spricht vom Risiko der Einstellung der Patientenversorgung.

Lösung: Einziger Ausweg ist laut Gutachten der Neubau. Die Klinikleitung sieht das genauso. Nach Planungsbeginn 2019 soll das neue Labor Ende 2024 öffnen.

Kosten: Insgesamt geht der Bauplan von mindestens 6,2 Millionen Euro Kosten aus. Soll der Zeitplan gehalten werden, sind noch in diesem Jahr 100.000 Euro Planungsmittel nötig.

Hautklinik

Zustand: Das denkmalgeschützte Gebäude aus dem Jahr 1900 zählt zu den ältesten des Campus’. Teile der Decken sind laut Klinik aus Holzbalken – ein Problem für den Brandschutz. Das Gebäude sei für den Klinik-Betrieb ungeeignet. Das Ernst-&-Young-Gutachten stellt systematische Mängel bei Brandschutz und Hygiene, eine geringe Traglast der Decken sowie einen desolaten OP-Bereich fest. Die Expertise konstatiert auch hier höchste Patientengefährdung.

Lösung: Die Gutachter raten zum Neubau. Der Klinikvorstand verfolgt das Ziel bereits seit Längerem. Planungsmittel wurden demnach bereits beantragt. Der Wunsch: Nach Baubeginn 2022 soll die neue Hautklinik möglichst Anfang 2024 öffnen.

Kosten: Der Vorstand rechnet mit Gesamtkosten von mindestens 28 Millionen Euro. Bei Einhaltung des Zeitplans sind noch 2019 rund 350.000 Euro Planungmittel notwendig.

Rechenzentrum

Zustand: Die IT-Zentrale befindet sich in zwei modernen Bettenhäusern. Die Prüfer von Ernst & Young warnen dennoch vor unzureichendem Einbruchschutz. Bei Starkregen bestehe die Gefahr von Wasserschäden. Die Räumlichkeiten ließen die angestrebte Betriebs- und Daten-Absicherung durch das Vorhalten doppelter Systeme kaum zu. Kapazitätserweiterungen sind nur sehr eingeschränkt möglich.

Lösung: Ernst & Young rät dringend zum Umbau. Die Klinikleitung will die Einrichtung im Rahmen eines Pilotprojekts sanieren. Noch in diesem Jahr sollen die Planungen beginnen. Ende 2023 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Kosten: Laut aktuellem Bauplan sind wenigstens fünf Millionen Euro für die Sanierung anzusetzen. Soll der Zeitplan gehalten werden, werden noch 2019 70.000 Euro Planungsgeld gebraucht.

Apotheke/Zentrallabor

Zustand: Im aktuellen Gebäude können gesetzliche Auflagen laut Bauplan nur schwer erfüllt werden. Die Kühlung von Medikamenten ist vor allem im Sommer gefährdet. Durch in die Jahre gekommene Leitungen drohen Havarien, die Technik ist veraltet. Der Brandschutz ist unzureichend. Die Prüfer von Ernst & Young sprechen wegen der Mängel auch hier von höchstem Patientenrisiko.

Lösung: Die Gutachter von Ernst & Young raten dringend zum Neubau. Die Klinikleitung schließt sich dem an. Nach Planungsbeginn 2019 sollen 2023 die Bauarbeiten beginnen. 2025 sollen neue Apotheke und Labore stehen.

Kosten: Der Bauplan veranschlagt Gesamtkosten von 40 Millionen Euro. Planungsmittel von 350.000 Euro werden laut aktuellem Zeitplan erst 2020 benötigt.

Stand der Dinge

Anlass für die Wunschliste ist ein immenser Investitionsstau in der Uni-Klinik, auch durch jahrelange Sparpolitik des Landes. Der Vorstand machte zuletzt einen Finanzbedarf von 800 Millionen Euro bis 2030 geltend. Nach dem Kabinett hat der Finanzausschuss am Mittwoch 1,2 Millionen Euro Planungsgeld für dringliche Projekte in Aussicht gestellt.

Laut Bauplan der Uni-Klinik würde die Summe für den Anschub der genannten Vorhaben reichen. Ob die Klinik das Geld tatsächlich für alle Projekte einsetzen darf, blieb zunächst offen. Vorerst nicht bestätigt haben sich indes Berichte, die Landesregierung wolle der Klinik darüber hinaus zehn Millionen Euro für Sofortmaßnahmen zur Verfügung stellen.

Kommentar 'Bau-Liste mit brauchbarer Grundlage' zum Thema