Magdeburg l Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) inspizierte den Bauabschnitt zwischen Colbitz und Tangerhütte. Die Bauleiter vor Ort hatten zunächst gute Nachrichten für ihren Chef: Die Schotter-Tragschicht liegt, ab Juni kommt der Asphalt und dann im September obendrauf der Beton für die gut acht Kilometer lange Fahrbahn. „Wir liegen gut in der Zeit“, sagt Rudolf Maier von der Projektleitung. Im nächsten Jahr folgen Schutzplanken, Schilder, Böschungen: Ab November 2020 haben Sachsen-Anhalts Autofahrer wieder ein Stück mehr Autobahn.

Auch auf dem nächsten Streckenabschitt bis kurz vor Stendal ist der Verlauf der Piste schon erkennbar: Die Bäume sind gerodet, Archäologen graben die Erde um. In gut zwei Jahren soll die Fahrbahn fertig sein.

Kosten galoppieren

Weniger gut läuft es mit den Kosten. Die galoppieren davon. Allein für das Stück von Colbitz bis Lüderitz bei Stendal klettern sie von 148 Millionen Euro auf 197 Millionen Euro.

Für Sachsen-Anhalts knapp 100 Kilometer lange Gesamtstrecke zwischen Magdeburg und der Landesgrenze bei Wittenberge liegt die Kostenschätzung mittlerweile bei fast einer Milliarde Euro. 2004, bei der ersten Hochrechnung, waren es noch 400 Millionen Euro. 2008, kurz vor Planstart, waren es 850 Millionen Euro. „Jedes Jahr klettern die Baupreise“, sagt Minister Webel. „Und es wird immer schwieriger in Deutschland, Baurecht zu erlangen.“ Zeit ist Geld. Die meisten Abschnitte sind seit nunmehr acht Jahren im Planverfahren. Doch Klagen, Gerichtsurteile und verschärfte Vorschriften verzögern den Baustart. Kommen neue Richtlinien - wie zum Wasserschutz - hinzu, müssen diese im laufenden Verfahren eingearbeitet werden.

Die gesamte A-14-Nord von Magdeburg bis Schwerin soll bis Mitte der 20er Jahre fertig sein. Die Gesamtkosten kletterten von 775 Millionen Euro auf zunächst 1,3 Milliarden Euro. Die aktuelle Prognose liegt bei 1,566 Milliarden Euro - teilte das Bundesverkehrsministerium gestern der Volksstimme auf Nachfrage mit. Viel Geld fließt auch in den erhöhten Naturschutz. So werden zwischen Colbitz und Lüderitz fünf Brücken und ein Tunnel allein für Tiere gebaut - damit diese gefahrlos die Reviere wechseln und die Autobahn queren können. Die Brücken werden zudem bepflanzt, damit Fledermäuse sich an Büschen und Bäumen orientieren können.

Kröten tragen

Ein fast 40 Kilometer langer Amphibienzaun wurde gezogen. Alle paar Meter stehen Eimer bereit: Helfer müssen die Tiere während ihrer Wanderzeit einsammeln und zurück in den Wald bringen, damit sie nicht von Bau-Lastern überrollt werden. Wenn die Autobahn mal fertig ist, weden die Tiere dann zudem über „Krötentunnel“ auf die andere Seite gelenkt. Funktioniert das? „Zum Glück nehmen das die Tiere wirklich an“, sagt Uwe Langkammer, Chef der Straßenbaubehörde. An Sachsen-Anhalts erster „Fledermausbrücke“ an der A 14 bei Colbitz wurden bereits Tausende der Flugsäuger gezählt.

Aufwändiger sind auch die archäologischen Grabungen. Da es in diesem Areal jahrhundertelang keine großen Industrieansiedlungen gab und der Boden in Ruhe gelassen wurde, finden die Archäologen viel. Darunter Reste alter Siedlungen. Mit mehr als einer Million Fundstücke rechnen die Experten. Ob der Parkplatz an der künftigen Raststätte bei Dolle 2020 fertig wird, bleibt fraglich. Auch der Bau des Abschnitts Tangerhütte bis Lüderitz verzögert sich derzeit wegen der Grabungen. Eigentlich könnte diese Etappe 2021 befahrbar sein. Doch das wollte Webel gestern lieber nicht versprechen.

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