Magdeburg l In Sachsen-Anhalt gibt es weder einen internationalen Flughafen noch eine Außengrenze: Dennoch beschlagnahmt der Zoll regelmäßig nicht nur Plagiate, sondern auch verbotene Arzneimittel oder andere illegale Waren. Jährlich werden in rund 600 Fällen allein Arzneimittel und Körperpflegeprodukte im Wert von mehreren Tausend Euro im Zollbereich Sachsen-Anhalt sichergestellt.

Annica Wieblitz vom Magdeburger Hauptzollamt: „Immer häufiger müssen wir dabei auch Salben und angebliche Wundermittel aus besonders geschützten Arten sicherstellen. Die Produkte wurden oft völlig gedankenlos im Internet bei Ebay oder Amazon bestellt.

Rund 30.000 Pakete im Jahr kontrolliert

So hat 2018 ein Dessauer die Benachrichtigung von seinem Zollamt erhalten, dass ein Paket für ihn im Postverteilzentrum Radefeld bei Leipzig gestoppt wurde. Die Zöllner ließen das Paket mit den kleinen Glasbehältern durch den Mann öffnen und stellten fest, dass sich Kobra-Balsam darin befand. Dieser soll zwar gut gegen Arthritis sein, enthält aber Bestandteile einer besonders geschützten Art. Damit ist die Einfuhr nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen verboten.

Die Gläser wurden schließlich beschlagnahmt. Der Mann gab an, die Lieferung für nur 5,95 Euro auf der Internetplattform Ebay von einem Thailänder gekauft zu haben. Das Paket hatten die Beamten im Postverteilzentrum Radefeld bei Leipzig „angehalten“, wie es heißt. Dort werden alle Postsendungen aus Drittländern vom Drehkreuz des Flughafen Halle/Leipzig untersucht. „Von hier kommen die meisten Pakete, die wir untersuchen“, sagt Wieblitz.

Die Empfänger werden benachrichtigt und müssen an einem der fünf Zollämter in Halle, Dessau, Stendal, Aschersleben und Magdeburg ihre bestellte Ware in Empfang nehmen und im Beisein der Zollmitarbeiter öffnen. „Das machen wir, wenn beim Röntgen der Ware ein Verdacht auf eine verbotene Ware besteht oder die Zollinhaltserklärung fehlt und somit der Inhalt unklar bleibt“, erklärt sie. Allein in den Großstädten Magdeburg und Halle werden monatlich zwischen 500 und 700 Pakete untersucht. Jährlich dürften es landesweit etwa 30.000 sein.

Pillen vom afrikanischen Stinkholz

Aufgefallen ist in Halle auch eine Postsendung mit Pillen des afrikanischen Stinkholzes (Prunus africana). Die seltene Baum­art und somit auch Teile davon sind streng nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen geschützt. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz drohen bei Einfuhrverstößen hohe Geldstrafen.

Viele der Empfänger in Deutschland wüssten oft gar nicht, wo und was sie da im Internet bestellen. „Sie schicken die Post entweder gleich zurück oder lassen sie vernichten“, sagt Wieblitz. Deshalb empfiehlt sie, die Finger davon zu lassen, wenn nicht klar ersichtlich ist, woher die gekaufte Ware kommt. Rund 75 Prozent der beschlagnahmten Güter stammen aus Asien.

Reine Artenschutzverstöße werden beim Zoll für Sachsen-Anhalt statistisch nicht separat erfasst. Bundesweit waren es im Jahr 2017 mehr als 45.000 Sicherstellungen von Tieren, Pflanzen und anderen Objekten. Mehr als die Hälfte der Aufgriffe erfolgte dabei an Flughäfen. Weitere 30 Prozent wurden in Postsendungen entdeckt. Die Zahlen für das vergangene Jahr werden erst im April durch den Bundesfinanzminister veröffentlicht.

Russe schickt Braunbärfell als Geschenk

Einen besonders drastischen Fall gab es im Dezember 2018 im Zollamt Aschersleben. Ein Russe schickte seinem Bruder in Halberstadt ein Paket, das dieser abholen und öffnen sollte. Als die Zollbeamten das Paket öffneten, staunten sie nicht schlecht. Zum Vorschein kam ein komplettes Braunbärenfell mit präpariertem Kopf. Da dieses Tier unter das Washingtoner Artenschutzabkommen unter besonderen Schutz fällt, stellten die Zollbeamten das Fell sicher. Nun müsse das Bundesamt für Naturschutz entscheiden, ob es Ermittlungen gegen den Halberstädter gibt.