Braten statt Geschenke: Gefangene feiern Heiligabend

Weihnachtliches basteln, Braten kochen und Schokolade naschen: Auch in den Gefängnissen des Landes ist es an Weihnachten besinnlich. Jedoch müssen die Gefangenen auch auf vieles verzichten.

Jan Woitas
Jan Woitas dpa-Zentralbild

Magdeburg (dpa/sa) - Die Gefangenen in Sachsen-Anhalt feiern Weihnachten ohne Gaben von ihren Liebsten. "Geschenke gibt es für Gefangene nicht", sagte der Sprecher des Justizministeriums, Detlef Thiel, in Magdeburg. Allein aus Sicherheitsgründen dürften keine Pakete an die Insassen in den Justizvollzugsanstalten (JVA) geschickt werden. Ganz leer müssten die Gefangenen in der Weihnachtszeit aber nicht ausgehen.

"Gelegentlich erreichen die Anstalten oder das Ministerium Anfragen ausländischer Botschaften, die "ihre" Gefangenen mit besonderen Gaben während der Weihnachtszeit beglücken möchten", sagte Thiel. So habe die italienische Botschaft einst nach der Anzahl der italienischen Inhaftierten in Sachsen-Anhalt gefragt, um "Pandoro di natale" - italienische Weihnachtskuchen - zu schicken. Zudem gebe es für manche Gefangene Lebensmittelpäckchen zur Weihnachtszeit.

An Heiligabend gebe es zudem ein Festmahl. Abends gebe es in den Gefängnissen in Burg, Halle und Volkstedt den Klassiker Kartoffelsalat mit Bockwurst. In der Jugendanstalt Raßnitz stehe das ebenfalls auf dem Speiseplan. Dazu würden in einigen JVA auch Stollen, Apfelsinen und Schoko-Weihnachtsmänner für die passende Stimmung sorgen. An den Weihnachtsfeiertagen gehe es deftig zu. Entenkeule, Kassler, Wildgulasch und Wildschweinbraten würden gekocht. "Nach den Feiertagen ist dann eher wieder Schmalhans Küchenmeister", sagte Thiel.

Wegen der Corona-Pandemie fielen in diesem Jahr allerdings viele Veranstaltungen in der Vorweihnachtszeit aus oder müssten im kleineren Kreis stattfinden. In der JVA Burg seien "die traditionelle Ehrung der Ehrenamtlichen und des Anstaltsbeirates im Rahmen eines Adventskaffees, die beliebte Kinderweihnachtsfeier und das Weihnachtskonzert dem Virus zum Opfer gefallen sind", sagte der Justizsprecher weiter. Andachten und Gottesdienste an Heiligabend könne es hingegen voraussichtlich geben.

Im Frauenvollzug in Halle könnten darüber hinaus die Insassinnen einen Vormittag zusammenkommen, um Alltagsmasken zu gestalten. Unter dem Motto "Maskenweihnacht" werde der schönste Mund-Nasen-Schutz mit einem Schoko-Weihnachtsmann ausgezeichnet, hieß es.

Dennoch müssten die Gefangenen auch auf vieles verzichten. Die Gefangenen könnten ihre Liebsten zwar sehen, aber nur hinter Plexiglas-Trennscheiben und mit Mundschutz, erklärte Thiel. Die Pandemie belaste die Gefangenen in der Regel sehr, "so dass sie in der bevorstehenden Zeit durch die Einschränkungen sicher zusätzlich aufgewühlt sein werden."

Für Gefangene, die ihre Sorgen und Ängste teilen wollten, gebe es einen psychologischen Dienst. Die Fachleute spürten, dass die Weihnachtszeit besonders für Gefangene im Erstvollzug, für neu Inhaftierte und Väter schwierig sei. Bis zum 23. Dezember könnten alle Gefangene Besuche von ihren Liebsten empfangen. Danach könnten sie nur am Telefon mit ihren Familien und Freunden sprechen.

In Sachsen-Anhalt waren Anfang Dezember 1632 Menschen in Haft. Im Land gibt es den Angaben zufolge drei JVA - in Burg bei Magdeburg, Halle und Volkstedt im Landkreis Mansfeld-Südharz sowie eine Jugendanstalt in Raßnitz im Saalekreis. Anfang Dezember kümmerten sich 1057 Bedienstete um die Belange der Inhaftierten.

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