Magdeburg l Blaue Säule in Sicht - Tritt auf die Bremse. Viele Autofahrer fürchten Tempoblitzer, wenn sie die neuen, vier Meter hohen Türme am Straßenrand sehen. Betreiber Toll Collect versichert hoch und heilig: Mit den Säulen werden einzig und allein die Lkw-Maut und keine Temposünder erfasst. So sagt das auch das Innenministerium. „Sie wurden und werden nicht für Geschwindigkeitsmessungen genutzt“, versichert Sprecher Stefan Brodtrück. So kennt das auch der ADAC und warnt vor hektischem Bremsen.

Ab 1. Juli müssen Lkw auch auf allen Bundesstraßen Maut zahlen. Bisher war die Abgabe allein auf Autobahnen und einigen vierspurigen Bundesstraßen fällig. Der Bund bittet alle Laster ab 7,5 Tonnen zur Kasse. Die normalen Umzugslaster fallen also nicht darunter.

An 48 Stellen stehen die blauen Säulen in Sachsen-Anhalt. So an der B 71 in Gardelegen, Born und Groß Ammensleben; an der B 184 in Wahlitz, Gommern und Zerbst oder an der B 246a in Möckern, Sülzetal und Schönebeck. In Magdeburg wird an der B 1 und an der B 81 gemessen. In ganz Deutschland stehen 621 Säulen.

Kameras messen Größe

Wenn auch nicht geblitzt wird - fotgrafiert wird erstmal jeder, egal ob Pkw, Bus oder Laster. Die Kameras messen aber die Größe der Fahrzeige. „Die Software erkennt sofort, ob es sich um große oder kleine Fahrzeuge handelt - die Daten der kleinen werden sofort gelöscht“, sagt Claudia Steen, Sprecherin von Toll Collect. Überwacht wird das auch von der Bundestatenschutzbeauftragten.

Die Säule erkennt zudem blitzschnell, ob für einen Laster Maut bezahlt wurde. „Das ist Hochleistungstechnik“, sagt Steen. Die meisten Lkw haben mittlerweile Rechner an Bord, die die Daten an die Säule funken. Auch manuell gebuchte Maut wird sofort von der Recherntechnik erkannt. Nur die Daten von Mautprellern würden gespeichert und ans Kontrollzentrum nach Berlin gesendet, versichert Toll Collect. Dann bekommem die Betroffenen Chance auf Stellungnahme. Wird nicht gezahlt, wird die Maut nacherhoben. Obendrein bekommt das Unternehmen einen Bußgeldbescheid vom Bundesamt für Güterverkehr. Fällig werden Strafen zwischen 200 und 400 Euro.

Der Lkw-Mautsatz beträgt im Schnitt 14 Cent je Kilometer. Die Branche rechnet mit einer Kostensteigerung von etwa 16 Prozent. Betroffen sind gut 140.000 Laster aus 30.000 in- und ausländischen Speditionen. Der Bund rechnet mit Einnahmen von 6,6 Milliarden Euro. 88 Prozent gehen in die Staatskasse (für den Straßenbau), 12 Prozent an Betreiber Toll Collect.

Laster auf kostenlosen Landstraßen

Einige Spediteure rechnen damit, dass Laster auf kostenlose Landstraßen ausweichen. In Sachsen-Anhalt kann das etwa die gut ausgebaute L 63 von der A 14 über Calbe nach Dessau betreffen. Das Verkehrsministerium will Verlagerungen untersuchen und 2019 Ergebnisse vorlegen.

Beschlossen ist auch eine Pkw-Maut für Autobahnen. Es läuft das Vergabeverfahren. Doch ehe die elektronische Erfassung startet, wird es wohl noch zwei Jahre dauern.