Wittenberg l Sachsen-Anhalts Liberale bereiten sich an diesem Wochenende auf die Bundestagswahl im September vor. Beim Parteitag am Sonnabend in Wittenberg wählen sie zunächst einen neuen Landesvorstand. Am Sonntag wollen sie dann die Liste für die Bundestagswahl verabschieden.

Als sicher gilt, dass FDP-Landeschef Frank Sitta im Amt bestätigt wird. Der 38-jährige Unternehmer aus Halle steht seit 2015 an der Spitze des Landesverbands. Unter seiner Führung verfehlte die FDP bei der Landtagswahl 2016 nur knapp den Wiedereinzug ins Parlament, sie kam auf 4,8 Prozent der Stimmen. Sitta gilt als Erneuerer und Hoffnungsträger, es ist daher auch sehr wahrscheinlich, dass er am Sonntag von den Delegierten zum Spitzenkandidaten bei der Bundestagswahl gekürt wird.

Kampf um Platz zwei

Offen hingegen ist, wer auf Listenplatz zwei in den Wahlkampf ziehen darf. Um den Platz bewerben sich der Stendaler Politikwissenschaftler Marcus Faber und der Magdeburger Volkswirt Karl-Heinz Paqué – es wird ein Duell zweier grundverschiedener Persönlichkeiten. Der 60-jährige Paqué will sich noch einmal richtig in die Politik einmischen, er bringt viel Erfahrung mit: Von 2002 bis 2006 war er Finanzminister in Sachsen-Anhalt, anschließend FDP-Fraktionschef im Landtag. 2008 zog er sich jedoch aus der Landespolitik zurück, lediglich auf Bundesebene mischte er weiter mit. Weil er viel Sympathie für den FDP-Bundesvorsitzenden Christian Lindner hegt, wirft er nun noch einmal den Hut in den Ring.

Marcus Faber hingegen wird als Nachwuchshoffnung gehandelt, sitzt inzwischen wie Paqué im Bundesvorstand der FDP. Der promovierte Politikwissenschaftler, der gegenwärtig für einen Immobilienverband arbeitet, gilt als hochintelligent. Manchmal sei er aber auch Opfer dieser Intelligenz, sagen Parteifreunde, ab und an wirke er arrogant.

Partei soll entscheiden

Frank Sitta sieht dem Wettkampf gelassen entgegen. „Die Partei soll entscheiden, beide Kandidaten haben ihre Qualitäten“, sagt er auf Volksstimme-Anfrage.

Ob die FDP in den Bundestag einzieht, ist unklar. Sollten die Liberalen wie in Umfragen bei sechs Prozent landen, würde es der Zweitplatzierte auf der Liste schon nicht mehr ins Parlament schaffen. Sitta betont aber, dass er vor allem mit seiner Partei wieder in den Magdeburger Landtag einziehen will. Sollte das bei der nächsten Landtagswahl gelingen, würde er sein Bundestagsmandat wieder abgeben und der Zweitplatzierte könnte für ihn nachrücken.