Gardelegen l Die „Altstadt“ der künstlichen Übungsstadt Schnöggersburg ist fertiggestellt. Sie ist am Donnerstag feierlich von der Bauverwaltung an die Bundeswehr übergeben  worden. Insgesamt stehen schon mehr als 200 Häuser.

„Ab nächstes Jahr werden wir hier bereits erste Ausbildungslehrgänge haben“, zeigt sich der Leiter des Gefechtsübungszentrums, Oberst Uwe Becker, zufrieden. Mit moderner Simulationstechnik sollen die Soldaten den Auslandsein­satz in Großstädten üben. Scharf geschossen wird aber nicht.

Einzige Übungsstadt Europas

Während der erste Teil mit der „Altstadt“ übergeben wurde, ist zeitgleich für den zweiten Bauabschnitt der „Neustadt“ Richtfest gefeiert worden. Die Arbeiten dort sollen nach Bundeswehrangaben noch bis März 2020 andauern.

Die Bundeswehr-Übungsstadt Schnöggersburg

Gardelegen (mg) l Dir Bundeswehr-Übungsstadt Schnöggersburg bei Gardelegen in der Altmark ist europaweit einzigartig.

  • Die Bundeswehr-Übungsstadt Schnöggersburg in Sachsen-Anhalt ist europaweit einzigartig. Foto: Matthias Fricke

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  • Die Neustadt der Bundeswehr-Übungsstadt Schnöggersburg ist in etwa so groß wie Halle-Neustadt. Foto: Matthias Fricke

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  • In der Bundeswehr-Übungsstadt Schnögggersburg gibt es einen eigenen U-Bahn-Einstieg. Foto: Matthias Fricke

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  • Ein U-Bahn-Tunnel in der Bundeswehr-Übungsstadt Schnöggersburg in der Altmark. Foto: Matthias Fricke

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  • So sieht das Gefängnis in der Bundeswehr-Übungsstadt Schnöggersburg aus. Foto: Matthias Fricke

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  • Ende Oktober 2017 wird Richtfest in der Bundeswehr-Übungsstadt Schnöggersburg gefeiert. Foto: Matthias Fricke

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  • Die Bundeswehr-Übungsstadt Schnöggersburg bei Gardelegen (Sachsen-Anhalt) hat ein eigenes Botschaftsviertel - hier mit einem Wiesel-Panzer. Foto: Matthias Fricke

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  • Der Sakralbau in der Schnöggersburg. Foto: Matthias Fricke

    Der Sakralbau in der Schnöggersburg. Foto: Matthias Fricke

  • Blick über die Altstadt von Schnöggersburg in der Altmark. Foto: Matthias Fricke

    Blick über die Altstadt von Schnöggersburg in der Altmark. Foto: Matthias Fricke

  • Durch die Bundeswehr-Übungsstadt Schnöggersburg fließt sogar ein Fluss - die Eiser. Foto: Matthias Fricke

    Durch die Bundeswehr-Übungsstadt Schnöggersburg fließt sogar ein Fluss - die Eiser...

Dann ist die neue „Geisterstadt“ mit ihren 500 Gebäuden, 16,5 Kilometer Straßen, einer Autobahn, einem Flugplatz und Sachsen-Anhalts erster U-Bahn komplett fertig. Ein Zug wird von dort allerdings nie abfahren, ebenso wird Schnöggersburg auch nie Bewohner haben.

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Personaloffizier Oberstleutnant Alexander Helle: „Wir haben etwa 550 Soldaten an unserem Standort, die in mehrere Rollen schlüpfen können. Vom einheimischen Polizisten bis zum Aufständischen sollen sie später die Stadt mit Leben erfüllen.“ Das Ziel: Die Übungstruppen trainieren für die Auslandseinsätze den Umgang in verschiedenen Situationen. Falls es zu einem „Beschuss“ kommt, der durch eine Art Lasertechnik simuliert wird, müssen sich die Soldaten auf unterschiedliche  Szenarien einstellen. „Das war so bisher in der Bundeswehr in Deutschland, aber auch in Europa nicht möglich“, erklärt Bundeswehrsprecher Oberstleutnant Thomas Poloczek. Ähnliche Einrichtungen soll es bisher nur in Israel, den Vereinigten Emiraten und den USA geben.

3D-Überwachung ab 2019

In zwei Jahren werde neben der bisherigen Simulationstechnik auch in die Häuser noch zusätzliche Elektronik eingebaut. Poloczek: „Damit sind wir dann auch 3D-fähig.“ Das bedeutet, dass alle Soldaten jederzeit auch in den Häusern, der Kanalisation, der U-Bahn oder auf der Straße von der Computertechnik überwacht werden können. „Das hat den Vorteil, dass jedes Training noch besser ausgewertet und dann auch verbessert werden kann“, so Poloczek.

In Schnöggersburg gibt es alles, was eine Großstadt ausmacht. Selbst ein Gefängnis mit sechs Wachtürmen, ein Supermarkt und fünf Brücken  stehen dort zur Verfügung. Letztere können sich wahlweise selbst „zerstören“ und wieder „aufbauen“. Spezielle Technik kann die Brückenfelder verschieben.

Die Kosten der etwa 2,5 mal 2,5 Kilometer großen Stadt sind von ursprünglich 100 auf 140 Millionen Euro gestiegen. Die Bundeswehr begründete das mit höheren Materialkosten. Im Durchschnitt kamen 80 Prozent der Baufirmen aus Sachsen-Anhalt.