Burg/Magdeburg l Katharina Kunze hat gerade einer tschechischen Familie den Abschiedsgruß hinterhergewinkt. Die Platzwartin am Parchauer See am Rande von Burg ist internationales Publikum gewöhnt, auch wenn nach den Tschechen nun vorübergehend Ebbe bei ausländischen Besuchern auf dem Campingplatz herrscht. „Die meisten kommen aus Holland, Österreich, der Schweiz, auch die USA waren schon vertreten“, sagt Kunze.

Große Unterschiede zwischen deutschen und ausländischen Campern kann sie nicht ausmachen: „Wir sind hier alle wie eine große Familie.“

Transit-Camping zwischen Polen und Niederland

Locker-familiäre Atmosphäre herrscht auf dem Campingplatz Barleber See im äußersten Norden von Magdeburg. Das Areal ist seit Jahrzehnten ein Fixpunkt auf europäischen Touristikkarten in Ost und West. Gail und Thomas Graham aus dem englischen Somerset sind das erste Mal auf einem deutschen Campingplatz und überhaupt in der Bundesrepublik.

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Die Senioren waren mit ihrem Wohnmobil in Polen und fahren nun etappenweise via Deutschland und Niederlande auf die heimatliche Insel zurück. „Sehr schön“ finden die britischen Rentner ihr Transit-Camping am Barleber See, das herrschende Badeverbot wegen gefährlicher Blaualgen kann sie weitestgehend kalt lassen: Sie verbringen den Vormittag bei Kaffee und E-Book-Lektüre. Eine Stadtbesichtigung in Magdeburg werden sie wohl bei der Wärme auslassen, aber drüben auf dem Mittellandkanal wollen sie noch eine Schiffstour machen, dann Good bye and Good luck.

Nebenan geht es fröhlich zu. Hier campen Belgier: Die Familien Geeraets-Deweerdt aus Leuven (Löwen) und Van Wallendael-Adriaenssens aus Antwerpen haben für einige Tage mit ihren beiden Campingmobilen Quartier genommen.

Auf das schöne Wetter wird sich erstmal ein belgisches Jupiler-Bier genehmigt – gebraut selbstverständlich in Leuwen. Die muntere flämische Truppe hat noch einiges vor: Sie ist auf dem Weg zum internationalen Campingtreffen im brandenburgischen Paaren im Glien, wo es Ende Juli/Anfang August hoch hergehen wird. Von Deutschland haben sie bei vielen Reisen schon jede Menge gesehen, waren in Berlin, Dresden oder an der Mosel.

Australier unterwegs auf dem Elberadweg

Am Niegripper See, ebenfalls nicht weit von der Autobahn 2 entfernt, hätten die Belgier und Briten nicht nächtigen können. Der Campingplatz, den Andreas Passlack hier seit sechs Jahren betreibt, ist bis Ende Juli komplett ausgebucht.

Passlack verbucht am Platz übers Jahr ein ähnliches Ausländer-Interesse wie die Kollegen am Parchauer See und es die offiziellen Zahlen ausweisen: Etwa zehn Prozent der rund 6000 Übernachtungen in Niegripp entfallen auf Touristen aus aller Welt, 100 Plätze für Dauercamper gibt es am Niegripper See, 40 weitere für Touristen.

Werden diese von Ausländern belegt, sind es zumeist Niederländer, berichtet Passlack. Er hatte aber schon eine australische Familie zu Gast, die eingeflogen und auf dem Elberadweg unterwegs nach Hamburg war. Dann war da noch ein Taiwanese auf Weltreise. Ein wahrer Exot: Er hatte die Strecke aus Asien mit dem Rad zurückgelegt.

Mit den Touristen aus der Fremde hat Passlack „durchweg positive Erfahrungen“ gemacht. Kleine Einschränkung: „Genau wie bei den Deutschen gibt es bei diesen Gästen auch solche und solche.“

In seiner kleinen Bibliothek in der Reception des Campinggeländes am Niegripper See hat Passlack – sympathischer Extra-Service – auch einige niederländische Bücher. Er selbst beherrscht die Sprache trotz der vielen holländischen Gäste noch nicht: Es reicht nur zur Begrüßung. Den häufig nötigen Hinweis „Kartenzahlung Pin“ verstehen die Holländer aber auch so.