Handball

Club-Weltmeister SC Magdeburg nutzt „Jahrhundertchance“

Mit dem Gewinn der Vereins-Weltmeisterschaft unterstreicht Handball-Bundesligist SC Magdeburg seine Ambitionen, zu den Top-Teams der Liga aus Kiel und Flensburg aufzuschließen.

Von Malte Zander, dpa 10.10.2021, 13:52 • Aktualisiert: 10.10.2021, 15:49
Die Mannschaft des SC Magdeburg jubelt in ihrer Kabine.
Die Mannschaft des SC Magdeburg jubelt in ihrer Kabine. -/SC Magdeburg/dpa/Archivbild

Magdeburg - Als die Club-Weltmeister des SC Magdeburg den Flieger in Richtung Heimat bestiegen, kümmerte sich Nationalspieler Philipp Weber höchstpersönlich um die Trophäe. „Wir bringen dich gut nach Hause, Liebling“, schrieb der Rückraum-Star in einer Instagram-Story und verschloss den goldenen Pokal in einem Koffer. Mit dem unerwartet deutlichen 33:28 gegen die Stars des FC Barcelona hatte sich der SCM als erst drittes deutsches Team nach dem THW Kiel (2011) und den Füchsen Berlin (2015, 2016) die Trophäe gesichert.

„Für uns war die Teilnahme, das Turnier und letztendlich auch noch der Sieg ein unbeschreibliches Gefühl. Ich bin unglaublich stolz auf mein Team. Barcelona so zu dominieren, ist wirklich nicht alltäglich“, sagte Trainer Bennet Wiegert. „Ob wir es am Ende mehr wollten als der Gegner, wage ich nicht zu beurteilen. Ich weiß nur, dass wir es auf jeden Fall wollten.“

Entsprechend ausgelassen feierten die SCM-Profis den Triumph im fernen Saudi-Arabien. Christian O'Sullivan, Weber und Co. reckten immer wieder die augenscheinlich schwere Trophäe in die Höhe, in der Kabine wurde das „Magdeburger Lied“ angestimmt. So entstand zumindest ein wenig Heimatgefühl. „Glücklicher kann man nicht sein“, schrieb Weber, der in der ersten Halbzeit umgeknickt war und nicht weiterspielen konnte. Beim Feiern war der Schmerz vergessen und am Sonntag ging es direkt aus der Wüste nach Magdeburg, wo die Mannschaft am Nachmittag an der Getec-Arena empfangen werden sollte.

Trainer Wiegert hielt sich in der Stunde des Sieges etwas abseits. Genug Glückwunschnachrichten aus der Heimat bekam er trotzdem. Und der Coach erkundigte sich im Gegenzug, wie denn der WM-Boxkampf zwischen Dominic Bösel und Robin Krasniqi in der SCM-Heimstätte Getec-Arena ausgegangen sei.

Schon vor dem Finale hatte Wiegert die Tragweite des Spiels aufgezeigt. „Weil es bestimmte Voraussetzungen braucht, einen Wettbewerb zu gewinnen, um diesen Wettbewerb zu spielen, ist das Finale gegen Barcelona vielleicht sogar eine Jahrhundertchance“, hatte der Coach dem MDR gesagt. Nun ist die Wiederholung möglich - als Titelverteidiger ist der SCM für die nächste Ausgabe gesetzt.

Über die Stationen Sydney University (32:20), Al Duhail aus Katar (35:23) und Aalborg Håndbold aus Dänemark (32:30) waren die Magdeburger ins Finale des Wettbewerbs eingezogen. Dort gewann man gegen die spanische Über-Mannschaft nicht nur knapp, sondern dominierte sie bisweilen in der zweiten Halbzeit. Zwischenzeitlich hatte der SCM mit acht Toren geführt.

Letztlich ist Magdeburg mit dem Gewinn der Club-WM auch dort angekommen, wo man dauerhaft sein möchte. Ganz oben. In der Bundesliga ist die Mannschaft nach sechs Spielen noch ohne Punktverlust und will vor allem national ein ernsthafter Meisterkandidat sein. Der Kampf um den Titel soll kein Zweikampf zwischen Kiel und Flensburg mehr sein.

Legt man Wiegerts Maßstäbe aus dem Fazit der vergangenen Saison an, müssen die Elbestädter genau diese Form nun auch weiter bestätigen. Kurzfristige Überraschungen seien immer möglich, aber „Konstanz ist für mich das wichtigste Gut im Leistungssport“. Schon am kommenden Sonntag (14.00 Uhr/Sky) gibt es die erste Gelegenheit nachzulegen. Dann empfangen die Magdeburger in der Liga die SG Flensburg-Handewitt und wollen den elften Sieg im elften Pflichtspiel holen.