Magdeburg/Irxleben (dpa) l Seit Weihnachten wird Corona-Impfstoff nach Sachsen-Anhalt geliefert – und zusammen mit Zubehör wie Spritzen und Tupfer in Millionenstückzahl zentral in Irxleben bei Magdeburg gelagert. Doch wie kommt das temperaturempfindliche Vakzin in die Regionen, wie kommen die Mediziner mit dem Impfen voran – und wie kommen die Sachsen-Anhalter an einen Termin?

Wer wird derzeit geimpft?

Zum Start liegt der Fokus bei den Schutzimpfungen gegen das Coronavirus bei Pflegeheimbewohnern, ihren Pflegern sowie medizinischem Personal in den Krankenhäusern. Bis zum Neujahrstag bekamen im Land fast 11.150 Männer und Frauen die erste von zwei nötigen Dosen des Impfstoffs verabreicht, wie das Gesundheitsministerium am Freitag mitteilte. Das selbst gesteckte Ziel wurde vorher schon erfüllt: Bis zum Jahresende sollte die erste Impfstoff-Lieferung von 9750 Dosen komplett verabreicht werden. Das wurde – auch dank des am Mittwoch gelieferten Nachschubs – übertroffen. Laut Robert Koch-Institut verteilten sich die Impfungen in Sachsen-Anhalt bisher zu etwa gleichen Teilen auf Pflegeheimbewohner sowie Ärzte und Pflegekräfte.

Wann wird außerhalb der Heime geimpft?

Sachsen-Anhalt peilt an, ab dem 11. Januar Termine für Impfungen von Einzelpersonen zu vergeben. Das kündigte Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) an. Die Termine sollen über die landesweit einheitliche Telefonnummer 116 117 vergeben werden – und zwar auch direkt für Impfungen ab 11. Januar. Zunächst soll wochenweise geplant werden. Damit startet der Betrieb in den Impfzentren, aber noch nicht im Vollbetrieb, da parallel die Arbeit der mobilen Teams in den Pflegeheimen weiterläuft.

Wo kann man geimpft werden?

Verabreicht werden die Dosen in den Impfzentren, die eigens zu diesem Zweck in Magdeburg, Halle, Dessau-Roßlau sowie allen elf Landkreisen eingerichtet wurden. In großen Kreisen bedeutet das für manche Menschen lange Anreisewege. Ob jeder Impfwillige in das Zentrum seines Kreises kommen muss, oder ob es auch möglich ist, gerade weniger mobile Senioren auch zu Hause zu versorgen, muss laut Gesundheitsministerium noch geklärt werden. Klar ist, dass die Prioritäten zunächst unverändert bleiben: Menschen über 80 Jahre sowie Beschäftigte im Pflege- und Gesundheitswesen dürfen kommen. Später soll die Berechtigung auf weitere Gruppen ausgeweitet werden.

Termin verschafft, aber keine Berechtigung?

Bei der Terminvergabe über die zentrale Telefonnummer wird zunächst nur mündlich abgefragt, welche Voraussetzungen der Anrufer mitbringt und ob er impfberechtigt ist. Es sei nicht auszuschließen, dass dabei falsche Angaben gemacht würden, sagte Grimm-Benne. Aber mit dieser Methode werde sich niemand eine Impfung sichern können, der noch nicht berechtigt sei. Vor Ort müssen die Chipkarte der Krankenversicherung und der Personalausweis vorgelegt werden. Wenn dann auffällt, dass jemand nicht die Kriterien erfüllt, wird er wieder nach Hause geschickt, hieß es – ohne Impfung.

Wie viel Impfstoff gibt es überhaupt?

In Deutschland und Europa ist bisher nur der Wirkstoff des Mainzer Unternehmens Biontech zugelassen. Der Bund kümmert sich um die Bestellung für alle, in Sachsen-Anhalt sind bisher fast 40.000 Impfdosen angekommen. Inzwischen stehe der Lieferplan bis Mitte Februar, sagte Sozial-Staatssekretärin Beate Bröcker. Die nächste Lieferung wird nach bisherigen Angaben des Landes am 11. Januar erwartet, der Bund kündigte sie bereits für den 8. Januar an. Sicher ist: Sie soll eine Größenordnung von weiteren 20.000 Impfdosen umfassen. Ob künftig größere Mengen zur Verfügung stehen, hängt unter anderem davon ab, ob in Europa die Vakzine weiterer Hersteller zugelassen werden und wie es mit dem Nachschub von Biontech klappt.

Wieso wird der Impfstoff zentral gelagert?

Der Corona-Impfstoff ist empfindlich und muss bei Temperaturen um die minus 70 Grad Celsius gelagert werden, wie der Magdeburger Apotheker Boris Osmann sagt. Seine Apotheke hat in Irxleben seit 2010 ein Warenlager für das Großkundengeschäft, das für die kommenden Monate als zentrale Aufbewahrung für Corona-Impfstoff und Zubehör dienen wird. Das Land schaffte spezielle Tiefkühlgeräte an und stellte sie im Lager auf. Die Pharma-Experten von Osmann überwachen, dass der Kühlprozess nicht unterbrochen wird und liefern den Impfstoff mit engem Zeitplan und viel Trockeneis aus.

Wie funktioniert die Verteillogistik?

An Liefertagen kommen die Biontech-Pakete pünktlich 8 Uhr in Irxleben an, wie Apotheker Osmann erzählt. Es sind unscheinbare, schmucklose Schachteln von der Größe einer kleineren Pralinenschachtel mit jeweils 195 Ampullen, die wiederum je fünf Impfdosen enthalten. Bei der Ankunft werde zunächst kontrolliert, ob die Temperatur stimme, dann wandere alles in die Spezialkühlschränke.

Für jedes Impfzentrum im Land gibt es eine spezielle Transportbox, die hauptsächlich mit kühlendem Trockeneis gefüllt sind – 20 Kilo pro Kiste umhüllen wenige Schachteln mit Impf-Ampullen. Der Impfstoff wird in alle Regionen verteilt – anteilig nach Einwohnerzahl. Den Stoff liefert die Stern-Apotheke mit fünf Fahrzeugen selbst aus.

Für die Auslieferung der unzähligen Kartons mit Spritzen, Kanülen, Tupfern und weiterem Zubehör wurde das Technische Hilfswerk an Bord geholt. Die ehrenamtlichen Katastrophenhelfer aus dem ganzen Land packen Lieferungen aus, sortieren die jeweils zugeteilten Mengen für jeden Landkreis auf Paletten – und fahren sie aus. Das sei eine wichtige Aufgabe, die das THW gern übernehme, sagte der zuständige Landesbeauftragte Sebastian Gold. "Auch kurz nach Weihnachten und auch für die kommenden Wochen. Helfen liegt in unserer DNA."