Magdeburg l Bislang hat Sachsen-Anhalt als einziges Bundesland keine Geldstrafen für Maskenverweigerer vorgesehen. Das wird sich ab nächstem Mittwoch jedoch ändern. Die kreisfreien Städte Magdeburg, Halle und Dessau sowie jeder Landkreis können je nach Lage vor Ort entscheiden, ob sie Verwarn- oder Bußgelder erheben. Dies will das Kabinett am Dienstag beschließen. „Wir wollen einen Instrumentenkoffer vorhalten und zugleich die große Unterschiedlichkeit im Land berücksichtigen“, sagte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) Donnerstag der Volksstimme. Ob die Verschärfung bereits ab 30 oder erst ab 50 Infektionen je 100.000 Einwohnern pro Woche greift, wird noch geklärt.

Noch im September hatte Haseloff Strafgelder abgelehnt, allerdings eine Verschärfung bei steigenden Infektionszahlen nicht ausgeschlossen. In den Kommunen ist die Meinungslage gespalten. Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) will Strafgelder verhängen, Magdeburgs Stadtoberhaupt Lutz Trümper (SPD) lehnte dies auch Donnerstag ab.

Angesichts massiv steigender Zahlen von Corona-Neuinfektionen in einigen Kommunen drohen nach den Herbstferien derweil wieder Schulschließungen. „Das wird passieren“, sagte Torsten Klieme (SPD), Referatsleiter für Sekundar- und Gemeinschaftsschulen im Schulamt. Das Problem liege bei den Kollegien. „Anders als Schüler arbeiten Lehrer mit allen Kindern und haben auch untereinander Kontakt“, sagte Klieme. „Wenn ein, zwei Kollegen infiziert sind, ist eine Schule schnell zu.“ Die Ministeriumsspitze hält das allerdings noch für spekulativ. „Die geltenden Hygienepläne mit Vorgaben wie regelmäßiger Lüftung sollen Schulschließungen verhindern“, sagte Sprecher Michael Schulz.

Landesweit stieg die Zahl der Corona-Neuinfektionen gestern im Vergleich zum Vortag um 149. Vier Regionen überschritten die kritische Marke von 30 Corona-Fällen je 100.000 Einwohner: darunter das Jerichower Land (64,74), der Burgenlandkreis (37,46), Halle (36,02; am Vortag 44,07) und Magdeburg (36,62).

● Halle hat Konsequenzen gezogen: Seit gestern gilt eine verschärfte Maskenpflicht, vor allem in der Altstadt.

● In Magdeburg hat der 1. FCM nach einem Gespräch mit dem Gesundheitsamt den Vorverkauf für das Heimspiel gegen Wehen Wiesbaden am Sonnabend gestoppt. Bisher waren 7500 Zuschauer zugelassen. Verkauft wurden bis zum Stopp etwa 3000 Tickets. Die Zuschauer sollen kommen dürfen. „Allerdings haben wir dem FCM dringend zu einer Maskenpflicht auch im Stadion geraten“, sagte Oberbürgermeister Trümper. Für Spiele des SCM solle demnach künftig ebenfalls eine Maskenpflicht gelten.

● Das Universitätsklinikum Magdeburg hat wegen der steigenden Infektionszahlen ab heute einen Besucherstopp verhängt. Ausnahmen sind Angehörige von Kindern und Schwerstkranken.