Magdeburg l Die Antworten aus den Rathäusern auf die Frage nach Weihnachtmärkten sind größtenteils ebenso kurz wie ernüchternd. So schreibt der Burger Rathaussprecher Bernhard Ruthe: „In der Stadt Burg und in deren Ortsteilen finden (wegen der Pandemie) keine Weihnachtmärkte statt.“

Seine Kollegin Ariane Hofmann in Wernigerode fasst die Situation in der Harzstadt in einem Satz zusammen: „Der Wernigeröder Weihnachtsmarkt 2020 ist abgesagt.“ Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) wird deutlicher. Er bedauere den Schritt: „Die Entscheidung wurde in Abstimmung mit der Tourismus GmbH (WTG) gefällt.“ Nach Walpurgis, Rathausfest und Schokoladenfestival falle damit nun auch die letzte große Veranstaltung des Jahres wegen der Pandemie ins Wasser.

Die nötigen Hygieneregeln würden „wirtschaftlich tragbares und verantwortungsvolles Betreiben des Marktes um das historische Rathaus der bunten Stadt nicht zulassen“, ergänzt WTG-Chef Andreas Meling.

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In Quedlinburg kam das Aus nach langem Ringen am vergangenen Mittwoch bei einer Sitzung der Fraktionsvorsitzenden und der Tourismus-Marketing-GmbH (QTM). Und das, obwohl „die Adventstadt Quedlinburg von enormer Bedeutung für die Welterbestadt und die Region ist“, sagt Doren Walter, Geschäftsführerin der QTM-GmbH. Von „Strahlkraft des Weihnachtsmarkts, des Advents in den Höfen und den Veranstaltungen in Bad Suderode und Gernrode“ ist die Rede. Mehr als 100.000 Besucher an den ersten drei Adventswochenenden 2019 seien Beweis dafür.

Weihnachtsbaum am Markt

Fest stehe allerdings, dass unter den aktuellen Rahmenbedingungen eine Planungssicherheit für die Weihnachtsmarkt-Akteure nicht möglich sei. „Ein späterer Beginn als der zuvor geplante 25. November, würde das wirtschaftliche Risiko für Händler und Veranstalter weiter erhöhen.“

Trotzdem werde sich Quedlinburg „in weihnachtlichem Glanz zeigen“, so Stadtsprecherin Sabine Bahß. „Denn auf Lichterketten und den Weihnachtsbaum auf dem Markt, eventuell mit Märchenhütten darumherum, wird nicht verzichtet.“

Vorausgesetzt, die Lage entspanne sich, werde es ab 1. Dezember weihnachtliche Veranstaltungen geben, wie den lebenden Adventskalender, Weihnachtskonzerte und vielleicht auch weihnachtliche Höfe. Eine Stadtratssitzung am 3. Dezember werde sich mit der aktuellen Situation beschäftigen.

Die Landeshauptstadt Magdeburg hat aufgrund der steigenden Infektionszahlen und der neuen Corona-Eindämmungsverordnung ihr geplantes Weihnachtsmarktkonzept geändert. Das heißt: Nachdem die Herbstmesse schon zum „Funpark“ wurde, wird der Weihnachtsmarkt bis zum 29. Dezember zur „Weihnachtswelt“. Stand jetzt: ab Anfang Dezember.

Dabei stehen die Buden auf Abstand entlang der Lichterwelt, die vorweihnachtliche Atmosphäre verbreitet. Wer sich allerdings auf Glühwein und Punsch freut, wird enttäuscht: kein Alkoholausschank!

Der Geschäftsführer der Magdeburger Weihnachtsmarkt GmbH, Paul-Gerhard Stieger, sagt, dass der Fokus der Weihnachtswelt auf der Familie liegt. Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) will auf mögliche Lockerungen zum Monatsende hin vorbereitet sein. „Mit diesem Angebot wollen wir eine Phase der Depression bei vielen Menschen verhindern. Lichterwelt und Weihnachtszauber sollen in schweren Zeiten Mut und neue Hoffnung geben.“

Der „Sternmarkt“ in Haldensleben, so benannt, weil Innenstadt und Markt zur Weihnachtszeit mit 300 mehr-zackigen Herrnhuter Sternen geschmückt werden, findet vor dem Rathaus statt.

Aufgrund der Pandemie wurden in Absprache mit dem Gesundheitsamt des Bördekreises die Öffnungszeiten der Situation angepasst: Sonntag bis Donnerstag 15 bis 20 Uhr, Freitag und Sonnabend 15 bis 21 Uhr.

Wie Stadtsprecher Andreas Radeck mitteilt, empfängt der Weihnachtsmann Familien in einem speziellen Wagen. Wunschzettel und Briefe an den Weihnachtsmann können in einen übergroßen Briefkasten eingeworfen werden und werden natürlich beantwortet. An Fenstern der Häuser am Marktplatz werden traditionelle Weihnachtsmotive als Kalenderfenster angebracht und mit Hilfe einer historischen Feuerwehr geöffnet.

300 Herrnhuter Sterne

In Wolmirstedt wurde von Anfang an auf den traditionellen Adventsmarkt auf der Schlossdomäne verzichtet. „Stattdessen waren Einzelaktionen gemeinsam mit Händlern, Gewerbetreibenden und Vereinen vorgesehen“, sagt Büroleiterin Christiane Pazdyka. Aber weil hinter der Veranstaltungsplanung im Dezember viele Fragezeichen stünden, habe die Stadt letztlich auch von dieser abgespeckten Form Abstand genommen.

„Unabhängig davon wird die Stadt wie in jedem Jahr weihnachtlich hergerichtet. Den Kitas wurde die Möglichkeit eingeräumt, dass die Kinder auf dem Boulevard die Weihnachtsbäume schmücken können.“

„In Halberstadt wird es 2020 keinen Weihnachtsmarkt geben“, teilt Jens Ganso, Geschäftsführer der COM-GmbH, Ausrichter des Marktes, mit. „Wir sehen dennoch die Möglichkeit, im Dezember mit weihnachtlichen Momenten etwas Besinnlichkeit in unser Stadtzentrum zu bringen.“

Allerdings warte man auf die künftigen Bundes- und Landesentscheidungen, um zu sehen, „in welcher Form wir unsere Ideen umsetzen können“.

Stendal hat noch nicht entschieden, ob und in welcher Form ein Weihnachtsmarkt stattfinden wird. Philipp Krüger vom Büro des Oberbürgermeisters schreibt: „Entschieden wird wahrscheinlich erst, wenn die neuen Verordnungen für den Zeitraum nach November bekannt sind.“

Auch in Salzwedel ist die Frage eines Weihnachtsmarktes bisher noch völlig offen.