Magdeburg l Mehrere Kliniken in Sachsen-Anhalt haben Patienten davor gewarnt, medizinisch notwendige und bereits geplante Eingriffe wegen der Corona-Krise einfach abzusagen. „Solche Eingriffe lassen sich nicht beliebig verschieben, man nimmt so eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes bis hin zum medizinischen Notfall in Kauf", sagte Frank-Ulrich Wiener, Geschäftsführer von Ameos Ost.  Wiener ist verantwortlich für die Ameos-Klinikstandorte in Aschersleben, Bernburg, Calbe, Halberstadt, Haldensleben, Oschersleben, Schönebeck, Staßfurt, Thale und Wernigerode. Seit Mitte März hätten fast 500 Patienten ihre Termine in den Kliniken des privaten Betreibers Ameos selbst abgesagt. „Einige wenige davon mussten bereits als Notfall aufgenommen werden", so Wiener.

„Absagen seitens unserer Klinika gab es nicht, lediglich Verschiebungen auf Anfrage und nach ärztlichem Rat, das ist immer wieder einmal üblich", so Wiener. Die Bevölkerung sollte keinesfalls Entscheidungen zur Absage geplanter medizinischer Versorgung ohne ärztlichen Rat treffen. Die Risiken seien erheblich, nicht ohne Grund habe man ja einen Termin im Krankenhaus bekommen. Die Klinika der Region Ameos Ost verfügen aktuell über 84 Betten zur intensivmedizinischen Versorgung, von denen deutlich mehr als die Hälfte frei sind.   

Im Klinikum Magdeburg hat man dagegen die Zahl der planbaren Operationen seit dem 23. März zurückgefahren. Nur wirklich medizinisch notwendige Eingriffe würden aktuell durchgeführt, sagte eine Sprecherin. Die Zahl der aktiven OP-Säle sei reduziert worden, damit das Personal beispielsweise an Beatmungsgeräten geschult werden könne. Aktuell gebe es am Klinikum Magdeburg 49 Intensiv-Betten, weniger als die Hälfte von ihnen sei derzeit belegt.

Das Harzklinikum mit seinen Standorten Quedlinburg, Wernigerode und Blankenburg habe seit geraumer Zeit die Zahl der geplanten und dabei nicht zwingend medizinisch-notwendigen Operationen abgesagt, so Kliniksprecher Tom Koch. Auf diese Weise sei die Zahl der derzeit nicht belegten Betten und ebenso von personellen Ressourcen  im erheblichen Maß gestiegen. „Das hat uns die Möglichkeit eröffnet, Stationsbereiche zu definieren, wo erforderlich diese technisch aufzurüsten und umzubauen, so dass sie  geeignet sind, Covid 19-Patienten aufzunehmen. Zusätzlich wurde das Personal geschult, beispielsweise OP-Schwestern für den Einsatz auf Intensivstationen." Gleichzeitig gelte es, nicht nur diese Patienten und das Klinik-Personal zu schützen, auch die „Nicht-Quarantäne"-Bereich mit weiteren Patienten sowie Mitarbeitern des Harzklinikums. „In diesem Zusammenhang sind auch die Beatmungskapazitäten im Harzklinikum vergrößert worden, beispielsweise mit Hilfe von Medizintechnik aus den jetzt stillgelegten Operationssälen."

500 Corona-Betten im Land

Derzeit gibt es in Sachsen-Anhalt mehr als 500 Betten mit der Möglichkeit zur maschinellen Beatmung, teilte das zuständige Sozialministerium in Magdeburg mit. Davon könnten nach Einschätzung der Krankenhäuser fast zwei Drittel für Beatmung mit Corona-Patienten freigehalten werden. Technik und Personal stehe für weitere 300 Betten zur Verfügung.