Teuchern l Patienten müssen Deutsch sprechen können oder in Begleitung eines Dolmetschers erscheinen, um im Facharztzentrum Teuchern medizinische Betreuung zu erhalten. Das geht aus einem Aushang des Ärztehauses hervor, den ein Twitter-User fotografiert und geteilt hatte. Schnell deklarierten User das Schreiben als „Fälschung“ - weit gefehlt.

Zwar wurde der Aushang mittlerweile wieder entfernt. Daniel Frommann, technischer Leiter des Facharztzentrums, bestätigte jedoch die Echtheit. Seine Begründung: „Wir können keine Patienten behandeln, die wir nicht verstehen.“ Der Landkreis hätte nach 2016 keine finanziellen Mittel mehr für Dolmetscherkosten bereitgestellt. „Das stimmt nicht“, sagte Landrat Götz Ulrich gegenüber der Volksstimme. 2017 und 2018 hätte der Landkreis für Dolmetschertätigkeiten jeweils rund 23.000 Euro ausgegeben. „Es gibt aber seit 2017 keinen Automatismus mehr, dass Dolmetscherleistungen erbracht werden. Für Asylbewerber besteht auf Antrag die Möglichkeit, einen Dolmetscher hinzuzuziehen, wenn der Facharzt das für zwingend erforderlich hält“, so Ulrich, „wir sind mit der Migrationsagentur vorbildlich aufgestellt, an die hätte man sich wenden können bei Problemen“.

„Im ersten Kontakt mit dem Facharztzentrum konnte uns bestätigt werden, dass nach der Einstellung des Dolmetscherangebots eine Verunsicherung bestand“, sagte Tobias Brehme, Pressesprecher der Ärztekammer Sachsen-Anhalt. Die wolle den Fall nun prüfen. Positiv zu bewerten sei, dass es zu keiner Behandlungsablehnung gekommen ist. „Bedenken haben wir hinsichtlich der Formulierung, da diese missverstanden werden könnte. Dies gilt insbesondere für die Formulierung des Umgangs mit Notfällen“, so Brehme. So stand in dem Schreiben: „In dringenden Notfällen wenden sich die Patienten bitte an das Gesundheitsamt des Burgenlandkreises.“

Deutliche Worte fand Barmer-Landesgeschäftsführer Axel Wiedemann: „So geht man nicht mit Menschen um. Niedergelassene Ärzte sind zugelassene Ärzte – sie sind fester Bestandteil der Versorgung in der Region und haben dieser gesetzlichen Pflicht uneingeschränkt nachzukommen.“

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