Magdeburg l Dieser Stachel sitzt bei Klaus Wechselberger aus Lübars im Jerichower Land noch immer tief: Im Juni vergangenen Jahres haben Unbekannte einen seiner beiden Bienenwagen aus einem Wald auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes Altengrabow im Jerichower Land geplündert. 54 Völker mit insgesamt 3,2 Millionen Bienen samt Honig waren auf einen Schlag weg. „Das bedeutet für uns einen riesigen Schaden, weil der Ertrag auch für das Folgejahr ausfällt“, sagt der 56-Jährige. Mit allen Geräten, Bienen und Honig schätzt er ihn auf rund 26.000 Euro.

Wechselberger ist überzeugt, dass es sich bei den Dieben um Profis gehandelt hat. „Die wussten genau, was sie tun“, sagt er. Die Täter kamen offensichtlich mit einem größeren Transporter, zogen den Anhänger einige Kilometer weiter, um ihn dann dort umzuladen. Dazu benötige man schon die entsprechende Ausrüstung.

Polizei oft machtlos gegen Bienendiebe

Der Imker will angesichts der zunehmenden Diebstähle künftig seine Beuten, so nennen Imker die Bienenkästen, mit GPS sichern und sich einen verschließbaren Lkw anschaffen. „Anders wird man der Sache nicht mehr Herr“, sagt er. Denn die Polizei sei oft machtlos. Eine Identifizierung der Bienen ist unmöglich. Doch wer geht auf Beutezug nach Bienenvölkern? Klaus Wechselberger glaubt vor allem an andere Imker oder professionelle Banden.

Das sieht auch der Vorsitzende des Imkervereins Burg, Karl-Heinz Sperfeldt, so: „Ich denke, dass Imker ihre Verluste damit ausgleichen oder die Völker weiterverkaufen wollen. Das sind Leute, die Ahnung haben. Ein Laie würde da erst gar nicht ran gehen.“

Imker Stefan Köppe aus Samswegen kennt das Problem und stellt seine Beuten erst gar nicht mehr auf unbewachtem Gebiet auf. „Passiert ist mir zum Glück noch nichts“, sagt der Imker. Er pachtet sich lieber auf bewachtem Gebiet eine Fläche.

Seinem Kollegen Wechselberger sei das zum Beispiel aber gar nicht möglich. Er sagt: „Ich biete acht Sorten Honig an. Wenn ich zum Beispiel Lindenhonig verkaufe, müssen die Beuten auch mitten in einem großen Lindenwald stehen, um Vermischungen zu vermeiden.“

Nach Angaben des Landeskriminalamtes gibt es jährlich etwa zehn bis zwölf angezeigte Diebstähle von Bienenvölkern. In diesem Jahr waren es bis Ende Juli vier. „Da solche Fälle nicht in der Kriminalstatistik erfasst werden, könnte es durchaus auch mehr gegeben haben“, erklärt LKA-Sprecher Andreas von Koß. Die meisten Diebstähle wurden in den vergangenen vier Jahren im Harz, im Jerichower Land und im Landkreis Stendal registriert.

250 bis 350 Diebstählen bundesweit

Die Schäden beliefen sich in den vergangenen fünf Jahren auf 70.000 Euro. Claudia Leiß von der Imkerversicherung Gaede & Glauert in Hamburg spricht von etwa 250 bis 350 gemeldeten Diebstählen bundesweit unter den etwa 110.000 über die 16 Landesverbände versicherten Imkern. Je nachdem wie die Population eines Volkes sei und ertragreich die Honigernte ist, desto größer sind die Schäden.

Auch Petra Friedrich vom Deutschen Imkerbund hat eigene Kollegen in Verdacht. „Was will ein Laie denn auch sonst mit Bienen anfangen?“ Nach ihrer Erfahrung gebe es die meisten Diebstähle im Frühjahr, wenn Imker ihre Verluste ausgleichen wollen.