Magdeburg (dpa) l Kleine und mittlere Unternehmen bei der Digitalisierung unterstützen – dieses Ziel hat sich ein neues Netzwerk aus Forschungseinrichtungen in Magdeburg gesetzt. 3,6 Millionen Euro Fördergeld vom Bund fließen für das Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0. "Wir geben Unternehmen ein Werkzeug an die Hand, digitale Strategien zusammen mit der Wissenschaft zu entwickeln", sagte die Mittelstandsbeauftragte der Bundesregierung, Iris Gleicke, bei der offiziellen Eröffnung am Dienstag in Magdeburg.

Adressaten des Zentrums: Erreicht werden sollen laut Leiter Thomas Leich vor allem Unternehmen, die sich bislang nur wenig Gedanken zum Thema Digitalisierung gemacht haben. "Wir gehen deshalb in die Unternehmen hinein", sagte Leich. Acht bis neun Unternehmen habe man schon identifiziert, an die man herantreten möchte. Sie sollten repräsentativ für eine Branche stehen, damit auch andere Betriebe von dem Beispiel lernen können. "Unternehmer lernen sehr gern von anderen Unternehmern", sagte Leich dazu. Wichtig sei deshalb, nicht von oben herab Lösungen zu propagieren.

Angebote des Zentrums: Kern ist die Arbeit in und mit den Unternehmen. Gemeinsam mit den Betrieben wollen die Wissenschaftler Projekte und Strategien im digitalen Bereich entwickeln. Neben dem Einsparen von Kosten solle es vor allem darum gehen, mit digitalen Angeboten auch Geld zu verdienen, sagte Leich. "Viele Mittelständler scheuen Investitionen in diesem Bereich, weil sie sich einen Fehlschlag nicht leisten können."

Neben der Arbeit in den Unternehmen wollen Leich und sein Team aber auch viele Vorträge halten, um für die Notwendigkeit der Digitalisierung zu sensibilisieren. Auf einer Webseite soll umfangreiches Material wie Leitfäden und Hilfestellungen präsentiert werden.

Mitglieder des Zentrums: Fünf Partner haben sich zu dem Kompetenzzentrum zusammengeschlossen: das Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF Magdeburg, das Zentrum für Produkt-, Verfahrens- und Prozessinnovation Magdeburg, die Fakultät für Informatik der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, das Institut für Automation und Kommunikation Ifak Magdeburg und das Zentrum für Sozialforschung Halle. Sie betreuen jeweils verschiedene Themenbereiche wie digitale Geschäftsmodelle, Datensicherheit oder Nutzung und Akzeptanz der Produkte und Dienstleistungen. Ähnliche Zentren gibt es bereits in mehreren deutschen Städten. Bis Ende des Jahres sollen es laut Gleicke 24 sein.

Ein Beispiel: Bereits zur Eröffnung präsentierte das Zentrum einige Beispiele, was durch den Austausch von Wissenschaft und Wirtschaft herauskommen kann. So entwickelte ein Netzwerk unter Beteiligung der Uni Magdeburg und des Fraunhofer-Instituts mit einem Ingenieurbetrieb aus Magdeburg eine Drohne mit Kameratechnik, die bei der Wartung von Windkraftanlagen eingesetzt werden kann. Statt gleich einen Arbeiter zu den Rotorblättern hinaufzuschicken, fliegt die Drohne computergesteuert an den Blättern entlang und macht Aufnahmen, die später ausgewertet werden. Danach kann ein Mitarbeiter gezielt für die nötigen Wartungsarbeiten auf die Anlage steigen.