Magdeburg l Martin Müller ist Vorsitzender des Vereins Magdeburg eSports, Vizepräsident des eSport-Bundes Deutschland und Projektleiter beim E-Sport Hub Sachsen-Anhalt. Im Interview mit Massimo Rogacki spricht er über die Ziele des Projekts.

Herr Müller, wie steht Sachsen-Anhalt beim E-Sport da?

Martin Müller: Wir haben als eines von zwei Ländern eine Förderung und ein Landesprojekt, das Synergien fördern soll. Szenetechnisch sind wir mit Vereinen und Stakeholdern nicht schlecht aufgestellt. Ein Land wie NRW hat natürlich andere Möglichkeiten, etwa bei der Ausrichtung von Events. Aber die Entwicklung ist gut. Bei der Trainerausbildung machen wir Fortschritte, wir hatten die ESL-Meisterschaft 2019 hier. Wir merken: Es gibt ein breitgestreutes Interesse: Das geht von Unternehmen über Jugendclubs bis hin zu Bibliotheken und Sportvereinen, die sich bei uns melden.

Mit dem E-Sport Hub wollen Sie Unternehmen begleiten. Wer kann sich an Sie wenden?

Das prototypische Unternehmen gibt es nicht, E-Sport ist für viele interessant. Stichwort: Betriebssport. Etwa bei größeren Unternehmen mit vielen digital-affinen Mitarbeitern. Da könnte man ein E-Sport-Team aufbauen. Firmen können uns anfragen, um sich beim Imagetransfer beraten zu lassen. Es können auch Firmen sein, die sich über E-Sport-Angebote als attraktiver Arbeitgeber positionieren möchte, um potenzielle Fachkräfte zu erreichen. Ein Beispiel ist enviaM am Standort in Halle, wo Mitarbeiter an mehreren Bildschirmen spielen können, um einen Ausgleich zu haben oder das Teambuilding zu befördern. Es muss kein IT-Unternehmen sein. Es kann auch ein Möbelhaus sein, das ein Vereinsheim ausstatten möchte, um damit junge Zielgruppen zu erreichen.

Offizieller Startschuss war im April. Bis Ende 2021 fördert Sachsen-Anhalt das Projekt. Es ist auch angedacht, ein Landeszentrum E-Sport nach Vorbild von Schleswig-Holstein zu etablieren.

Genau. Wir sind seit April aktiv und führen eine Reihe von spannenden Gesprächen mit Akteuren in Sachsen-Anhalt. Der Hub ist ohne physische Räume aktiv. Er stellt eine Art Know-how-Zentrum dar. Hier liegt auch der zentrale Unterschied zum Landeszentrum in Schleswig-Holstein. Das ist als physische Anlaufstelle geplant und bringt deshalb ganz andere Herausforderungen mit sich als bei einem nicht-physischen Projekt. Mit unserem E-Sport Hub können wir uns auf vorhandene Strukturen wie den Verein Magdeburg eSports stützen. Wir werden dort einen Trainingsraum für kleinere Showtrainings, Workshops oder Events einrichten.

Was entgegnen Sie Skeptikern, die in E-Sport keinen Sport sehen oder kritisieren, dass Ego-Shooter gewaltverherrlichend sind?

Ich würde jedem, der sich auf Vorurteile stützt, empfehlen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Sich bei Spielen anzuschauen, woher die Faszination rührt. Die Teams trainieren unter professionellen Bedingungen. Mit den ehrenamtlichen Strukturen, die wir in den Vereinen aufbauen, können wir Positives bewirken. Als Videospieler wusste man lange Zeit nicht, wo man hingehen kann. Jetzt gibt es Vereine. Auch bei Magdeburg eSports halten wir zwingend Altersfreigaben ein. Wir haben ausgebildete Trainer. Es gibt eine Trainingssteuerung. Ich würde mir wünschen, dass viele Jahrzehnte lang gepflegte Vorurteile hinterfragt und E-Sport endlich objektiv beurteilt wird.

Ist Jugendgefährdung Thema?

Wir werden auch daran arbeiten, zum Schutz von Kindern und Jugendlichen beizutragen. Beim E-Sport Hub sind auch Fragen des Konsums von Videospielen Thema. Gaming ist ein weit verbreitetes Hobby, es gibt aber zu wenige Anlaufstellen. Im schlimmsten Fall würde ohne Kontrolle zu Hause gespielt. Ich denke, es ist besser, die Spieler in Vereinen mitzunehmen.