Magdeburg l Vor dem Spiel erstreckt sich ein blau-weißes Fahnenmeer über das Stadion. Rhythmisches Klatschen und Trommeln erfüllen die Ränge, während die Hymnen des 1. FC Magdeburg durch die Lautsprecher dröhnen. Gänsehautstimmung.

Unweit dieser fesselnden Atmosphäre steht Mario Henke, der gerade im Spielertunnel die Kinder der Volksstimme-Einlauf-Eskorte auf ihren großen Auftritt vorbereitet. Der 49-Jährige, kräftige Statur, grauer Bart, breites Lächeln, schlüpft das eine oder andere Mal in die Rolle des Ersatz-Papas. Wenn die Aufregung zu groß wird oder auch mal eine Träne fließt.

Ehrenamtliche Mitarbeiter

Der gebürtige Magdeburger ist ehrenamtlicher Mitarbeiter im Nachwuchsleistungszentrum (NLZ). Hier werden seit 2007 junge Spieler in den Altersklassen von der U 12 bis zur U 19 ausgebildet. Betreuer kümmern sich um 130 Kinder und Jugendliche. Viele von ihnen träumen davon, eines Tages wie ihre erwachsenen Idole in der MDCC-Arena aufzulaufen.

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Doch mit dem Wunsch sind viel Arbeit und Energie verbunden. Mario Henke will helfen, diesen Traum zu erfüllen. Gefühlt sei er immer eng mit dem Verein verbunden gewesen, sagt er. „Ich bin einfach blau-weiß“, sagt er und schmunzelt.

Organisatorische Angelegenheiten

Mit der Gründung des NLZ vor rund zehn Jahren beginnt auch Henkes ehrenamtliches Engagement. Der Bedarf einiger Trainer nach einem Mannschaftsleiter, der sich um die organisatorischen Angelegenheiten kümmert, ruft den engagierten Magdeburger auf den Plan. „Ich bin immer im Stadion gewesen und dann kam irgendwann die Anfrage so nach dem Motto ‚Du bist doch immer da, du kannst doch nebenbei noch was anderes machen‘. Und dann hat sich das so entwickelt.“ Angefangen in der U 16, in der damals auch sein Sohn trainiert, betreute Mario Henke schon verschiedene Mannschaften im Alter zwischen U 15 und U 17.

Seit vier Jahren ist er nun für die U 19 zuständig. Zu seinen Aufgaben gehört es, die Trikots für die Fußballer bereitzulegen sowie Verpflegung für die Spieler und Schiedsrichter vorzubereiten. Henke brennt für seine Aufgabe. Und: Als hauptberuflicher Vermessungstechniker im Innendienst ist es für ihn eine willkommene Abwechslung zu seinem Acht-Stunden-Tag vor dem Computer.

Begeisterung und Idealismus

So wie Mario Henke geht es auch vielen Studenten und berufstätigen Vereinsinteressierten, die als Trainer, Co-Trainer oder Betreuer ehrenamtlich beim FCM arbeiten. „Ehrenamt ist, und das kann Mario Henke sicher bestätigen, schon eine Leidenschaft und das kriegt man in Geld nicht ausgezahlt, was man an Arbeit hier reinsteckt. Man braucht schon ein gewisses Maß an Begeisterung und Idealismus …“, sagt Nick Struy, Organisatorischer Leiter des NLZ. Am Ende profitierten sowohl die Spieler als auch der Verein von den ehrenamtlichen Mitarbeitern, die fast die Hälfte der gesamten Belegschaft mit 39 Beschäftigten ausmachen. Unterstützt durch viel kleine und größere Sponsoren kümmern sie sich darum, dass Gebäude, Plätze und Trainingsgeräte in Schuss gehalten werden.

Dass Mario Henkes Engagement im NLZ sich schon zum zehnten Mal jährt, hat mit seiner Leidenschaft für den Verein zu tun. Besonders inbrünstig feuert er seine Jungs von der U 19 an. „Beim Spiel bin ich immer am Platz, manchmal bin ich auch vielleicht ein bisschen zu laut für unseren Trainer.“

Sorgen der Nachwuchstalente

Als Betreuer der Mannschaft gehört es auch dazu, sich die Sorgen der Nachwuchstalente anzuhören und Ratschläge zu geben. Auch mal zu Dingen abseits des Fußballs. „Das kommt bei der U 19 häufig vor, dass wir alle zusammensitzen. Wenn Jungs Probleme haben, wird das besprochen. Es kommt jemand und bittet mich um einen Rat.“

So etwa Maximilian Heidel. Der Torwart der U 19 spielte mit dem Gedanken, in die USA zu wechseln. Mario Henke vermittelte gar einen Kontakt, freut sich aber, dass das Talent dem Verein letztendlich doch erhalten geblieben ist. „Mario Henkes Verhältnis zu den Spielern ist in jedem Fall sehr freundschaftlich“, hat NLZ-Leiter Nick Struy beobachtet. Für die Strenge sei dann doch eher das Trainerteam zuständig, sagt er mit einem Augenzwickern. U-19-Keeper Maximilian Heidel findet seinen Betreuer klasse: „Mit Henki kann man immer reden, der ist für einen da.“ Ein kleiner Lohn für die Mühen: Mario Henke wurde kürzlich als langjähriger ehrenamtlicher Unterstützer bei der vereinsinternen Aktion „Danke an das Ehrenamt“ ausgezeichnet. Wichtiger als solche Auszeichnungen sind für den Magdeburger jedoch die sportlichen Erfolge seiner Jungs.

In seiner Funktion als ehrenamtlicher Betreuer erinnert er sich an ein Ereignis besonders gern: Den Aufstieg mit der U-17-Mannschaft in die Bundesliga 2014, „weil es auch eine Sache war, die für mich und den Verein wichtig war. Und darum haben wir dieses Jahr auch das Ziel, dass wir das mit der U19 schaffen.“ Darüber wäre Mario Henke überglücklich. Denn blau-weiß, das ist sein Leben.

*Die Autorinnen sind Studentinnen der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Der Text entstand im Rahmen eines Seminars in Kooperation mit der Volksstimme.