Covid-19

Ein Jahr Corona-Pandemie in Sachsen-Anhalt

Im März 2020 ging alles los: Erster Fall, erster Lockdown, erste Wirtschaftshilfen.

Magdeburg (dpa) l Am 10. März meldete Sachsen-Anhalt als letztes aller Bundesländer den ersten Nachweis des damals noch neuartig genannten Coronavirus. Das ist jetzt ein Jahr her. Das Virus ist immer noch da, aber es hat viel verändert. Ein Blick auf ein Jahr Pandemie in Sachsen-Anhalt in Zahlen:

520,09 – Höchste Corona-Inzidenz: 520,09 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen verkündete der Saalekreis am 13. Januar 2021. In einem Jahr Pandemie wurde nach Angaben des Sozialministeriums in keinem der 14 Landkreise und kreisfreien Städte ein höherer Wert erreicht. Im Landesschnitt lag die Inzidenz damals bei 260,94. Inzwischen hat sich die Lage deutlich entspannt: Der Saalekreis meldete zuletzt Werte um 130 – und damit ein Viertel seines Höchstwerts. Sachsen-Anhalt pendelt seit Wochen um die 90.

44 Prozent – Höchste Übersterblichkeit: Ebenfalls im Januar gab es 44 Prozent mehr Todesfälle in Sachsen-Anhalt als im Durchschnitt der Januar-Monate 2017 bis 2020. Damit erreichte die sogenannte Übersterblichkeit nach Zahlen des Statistischen Landesamtes in diesem Monat seit Beginn der Pandemie ihren bisherigen Höchststand. Insgesamt starben etwa 4330 Menschen in den ersten 31 Tagen des Jahres. Ein Großteil wird dem Erreger Sars-CoV-2 zugerechnet, nämlich 1077 Todesfälle. Das entspricht mehr als 40 Prozent aller gut 2500 Corona-Toten, die seit Beginn der Pandemie gemeldet wurden.

21 Wochen – Lockdown an den Schulen: Wenige Tage nach dem allerersten Corona-Nachweis in Sachsen-Anhalt beschließt die Landesregierung, Schulen und Kitas zu schließen. Zwischen dem 16. März und 1. Juni gibt es für die meisten Kinder und Jugendlichen keinen Präsenzunterricht und nur Kita-Notbetreuung. Kurz vor Weihnachten wiederholt sich das: Ab Mitte Dezember geht es in die verlängerten Jahreswechsel-Ferien – und bis 1. März gibt es mit Ausnahme der Abschlussjahrgänge wieder nur Fernunterricht und Notbetreuung. Damit galt zwischen März 2020 und März 2021 gut 21 Wochen lang, dass Schülerinnen und Schüler vor allem von zuhause lernen mussten.

3300 – Selbstständige in Hartz IV: Von April 2020 bis Februar dieses Jahres haben in Sachsen-Anhalt 3300 Selbstständige Grundsicherung (Hartz IV) beantragt und bekommen. Das waren nach Angaben der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit im Schnitt 300 pro Monat. Der bisherige Spitzenwert in der Corona-Krise war der April 2020 – mit 1470 bewilligten Anträgen.

Die meisten kamen aus dem Bereich körpernaher Dienstleistungen wie Körperpflege, Wellness und Medizintechnik (400 Anträge), gefolgt von Selbstständigen aus dem Gastgewerbe (250), Handel (230) und den sozialen wie kulturellen Dienstleistungen (180), etwa aus der Unterhaltungsbranche. Dieses Bild wandelte sich im Laufe der Krisen-Monate kaum: Die Gesundheitsberufe führten auch im Februar 2021 die Rangfolge der Betroffenheit an, gefolgt vom Gastgewerbe.

128,7 Millionen Euro – November- und Dezemberhilfen: Sachsen-anhaltische Unternehmer, die wegen der staatlich verordneten Maßnahmen in den vergangenen Monaten schließen mussten, haben bisher 128,7 Millionen Euro an November- und Dezemberhilfen ausgezahlt bekommen. Bis Ende Februar hatten gut 5500 Betriebe die Novemberhilfe beantragt, wie das Wirtschaftsministerium mitteilte. Bei 5,42 der beantragten 67,05 Millionen Euro steht die Entscheidung noch aus.

Für den Dezembertopf meldeten 5700 Unternehmerinnen und Unternehmer Bedarf an. Von den beantragten 80,6 Millionen Euro stehen 11 Millionen Euro (13,7 Prozent) noch zur Bewilligung an. Die Entschädigungstöpfe können bis zum 30. April beansprucht werden, laut Wirtschaftsministerium kommen daher weiter Anträge hinzu.

1300 – Mal Betrugsverdacht bei Corona-Soforthilfen: Zu Beginn der Pandemie legten Bund und Land zunächst ein Soforthilfe-Programm für Betriebe auf, die unter den negativen Folgen der Corona-Pandemie litten. In Sachsen-Anhalt wurden rund 36.000 Anträge im Gesamvolumen von 277 Millionen Euro auf diesen Zuschuss bewilligt. Seither wird stichprobenartig geprüft, ob die Mittel korrekt verwendet wurden, wie das Wirtschaftsministerium mitteilte.

Gut 12 Millionen Euro wurden zurückgezahlt – zum Teil freiwillig, in 290 Fällen auf Aufforderung. Parallel dazu kam der landeseigenen Investitionsbank in 1300 Fällen der Verdacht, es könnten Betrüger am Werk sein. Bisher gibt es bei 825 dieser Fälle konkrete Anhaltspunkte für diesen Verdacht. In gut 150 Stellen ist er so erhärtet, dass die Bank Anzeige erstattete.

800 – Strafverfahren wegen Corona-Verstößen: Immer wieder wurde gemahnt: Wer besonders renitent und schwerwiegend gegen die seit Beginn der Pandemie verhängten Corona-Regeln verstößt, muss nicht nur mit Bußgeldern, sondern einem Strafverfahren rechnen. Die können laut Bundesinfektionsschutzgesetz im schlimmsten Fall sogar mit Haftstrafen geahndet werden. Laut einer Statistik der Generalstaatsanwaltschaft sind zwischen 1. April und 31. Dezember 2020 genau 801 solcher schwerwiegenden Verstöße gemeldet worden. Wie viele der Verfahren bisher entschieden sind, geht aus der Statistik ebenso wenig hervor wie die Zahl der einfachen Bußgeldverfahren.