Halberstadt l Die Volksstimme fragt Betroffene, wie sich die Corona-Krise auf ihre Arbeit auswirkt. Heute: Bestatterin Sandra Gustus aus Halberstadt.

Volksstimme: Wie geht es Ihnen?
Sandra Gustus: Soweit ganz gut. Die Krise wirkt sich auf unsere Branche wirtschaftlich nicht aus. Wir durften immer arbeiten.

Für welche Einschränkungen sorgt Corona bei Ihrer Arbeit?
Die Beziehung zu den Hinterbliebenen ist jetzt gezwungenermaßen distanzierter. Wissen Sie, Bestatter ist ein sehr emotionaler Beruf. Da herzt man sich und drückt auch mal auf dem Friedhof die Familie eines Verstorbenen zum Trost. Das geht jetzt gar nicht.

Wie belastend empfinden Sie Ihren Beruf?
Überhaupt nicht. Ich mag es, den Hinterbliebenen nahe sein zu können. Einfach auch mal nur zuzuhören. Ich liebe meine Arbeit. Natürlich nehme ich auch mal Einzelschicksale mit nach Hause und frage nach dem Warum, gerade bei Kindern oder jüngeren Menschen.

Wie gehen Sie persönlich mit dieser Krise um?
Ich habe keine Angst vor Corona. Ich kann es ja ohnehin nicht ändern.

Welche besonderen Maßnahmen müssen Sie als Bestatter in dieser Zeit treffen?
Keine. Es sei denn, ein Verstorbener wäre infektiös. Dann müsste der Tote sofort in einen Leichensack eingehüllt werden. Dieser wird mit einem Reißverschluss geschlossen und dann vollständig desinfiziert. Bislang hatten wir jedoch noch keinen solchen Fall.

Was berührt Sie in dieser außergewöhnlichen Zeit persönlich?
Was mich traurig macht, sind die vielen Verschwörungstheoretiker, die alles besser zu wissen glauben. Ich bin dankbar, dass ich hier in Deutschland wohne und nicht in Spanien, Italien oder Frankreich. Den Menschen dort geht es viel schlimmer. Ich sage auch ganz deutlich, dass ich die Eindämmungs-Maßnahmen richtig finde. Der Tod war schon vor Corona Teil unseres Lebens. Und das wird auch nach Corona so bleiben.