Magdeburg l Schnittig kommt er daher, fast wie ein kleiner Katamaran. Die wahren Qualitäten des Geräts namens „Waver“ aber liegen unter seiner orange-blauen Verkleidung: Dem Industriedesigner Martin Deutscher und Forschern der Hochschule Magdeburg-Stendal ist es gelungen, eine Maschine zu entwickeln, die aus schmutzigen Flüssen Trinkwasser gewinnen kann. „Waver“ sieht damit nicht nur schick aus, er könnte bald auf der ganzen Welt zum Einsatz kommen, doch der Reihe nach.

Das Gerät steht heute im Fokus: Denn an der Hochschule Magdeburg-Stendal startet am Mittag die vierte Runde des Landeswettbewerbs „Bestform 2019“. Er findet seit 2013 alle zwei Jahre statt. Aus Sicht der Ideengeber ist „Waver“ dabei ein perfektes Beispiel für Kooperationen zwischen Kreativen und Forschung. Wie bei vielen Innovationen beginnt seine Geschichte mit einer eher zufälligen Eingebung: Es war vor sieben Jahren, als Wissenschaftler Christian Weber mit seinem Team auf die Idee kam, auf Flüssen Strom zu produzieren.

Pumpe ohne Strom

Ein Wasserrad auf einer schwimmenden Station sollte dazu die Strömung anzapfen, erzählt der Professor für Stahl- und Leichtbaukonstruktionen in der Magdeburger Hochschule. Die Ergebnisse allerdings waren ernüchternd. Berechnungen zeigten: Die Energie aus der Strömung reichte gerade zum Aufladen von Handys, für mehr war sie zu schwach. Nach dieser Erkenntnis hätte das Team den Ansatz fast schon begraben. Doch dann erkannten Weber und seine Kollegen eine geniale Alternative: Warum nicht mit der Kraft des Wassers eine Pumpe betreiben, die Flusswasser durch ein System von Filtern drückt? Auf diese Weise ließe sich möglicherweise rein mechanisch – ohne Strom – aus schmutzigen Fließgewässern Trinkwasser gewinnen.

Weber gab dem damaligen Industriedesign-Studenten Martin Deutscher den Auftrag, in seiner Masterarbeit ein passendes Design-Konzept zu entwickeln. Die technischen Komponenten wie Wasserrad, Schwimmkörper und Filter lieferten Weber und Maschinenbauer-Kollege Martin Drewes zu. Der Student sollte dafür sorgen, dass das Gerät nicht nur funktioniert, sondern auch gut aussieht und dabei möglichst einfach aufgebaut ist. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Das Hochschul-Team, das inzwischen unter dem Titel „Inflotec“ arbeitet, und der Designer haben ein völlig neues Produkt entwickelt.

Die funktional gestaltete Konstruktion soll künftig aus Flüssen in aller Welt Trinkwasser für bis zu 2000 Menschen täglich gewinnen können, sagt Martin Deutscher. Entfernt werden dabei sowohl Schmutz als auch Pestizide oder Krankheits-Erreger. Gleichzeitig wird das Wasser noch in der Maschine mineralisiert. Da „Waver“ ohne Strom funktioniert, einfach aufgebaut ist und kaum Verschleißteile hat, lässt er sich unkompliziert auch in Entwicklungsländern nutzen. Damit könnte er in Notstandsgebieten die Bevölkerung versorgen, etwa nach Erdbeben, ergänzt Professor Weber.

Das Gesamtkonzept des inzwischen selbständigen Designers Martin Deutscher und des Inflotec-Teams begeisterte nicht nur seine Erschaffer, sondern auch die Jury des Bestform-Kreativwettbewerbs.

Mit der Bewerbung vor gut einem Jahr räumten Inflotec und Deutscher gleich den ersten Preis ab, der Lohn: 10 000 Euro Siegerprämie. Ein Teil des Geldes ist inzwischen in ein Projekt in Kenia geflossen, erzählt Christian Weber. Ein filterloses Brudergerät pumpt dort schon jetzt Fluss-Wasser auf Felder nahe dem Viktoria-See. Einheimische Frauen, die bislang täglich Hunderte Liter Wasser kilometerweit zu ihren Äckern schleppen mussten, würden so massiv entlastet. Die Anwendungsmöglichkeiten gehen aber auch in andere Richtungen: „Wir überlegen, ähnliche Geräte auch in Segelboote zu integrieren“, erzählt Maschinenbauer Drewes. Damit könnten sich Weltumsegler künftig lästige Stopps zum Wassertanken in Häfen sparen. Die Idee ist aus Sicht ihrer Erschaffer so erfolgversprechend, dass sie im Mai das Startup-Unternehmen „Inflotec“ gründen wollen.

Die Ideengeber des Bestform-Wettbewerbs hören das gern: Ein Hauptziel des Wettbewerbs sei es, kreative Entwicklungen auch an den Markt zu bringen, sagt Ministeriumssprecher Matthias Stoffregen. Unternehmer und Teams, die neugierig geworden sind, können sich noch bis 18. April 2019 bewerben. Es locken Preisgelder in Höhe von 35 000 Euro. Wer Inspiration braucht, dem seien die Entwickler von „Waver“ empohlen. Beim Startschuss von „Bestform“ werden sie ihr Gerät heute an der Hochschule vorführen - Trinkwasserkostprobe inklusive.

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