Magdeburg l Sachsen-Anhalts Pflegebranche leidet weiter unter akutem Fachkräftemangel. Das geht aus gestern veröffentlichten Zahlen einer Studie der Norddeutschen Landesbank (Nord LB) hervor. Demnach nahm die Zahl der behandelten Fälle in Kliniken sowie ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen des Landes zwischen 2005 und 2017 um 7,3 Prozent auf fast 605.000 zu.

Die Zahl der Beschäftigten im Pflegedienst nahm in derselben Zeit aber um mehr als zwei Prozent ab. Unterm Strich melden die Analysten trotz des Trends leichte Entspannung: So führe der Beschäftigtenrückgang nicht zu einer schlechteren Versorgung.

Mehr Stellen als Fachkräfte

Ein Grund: Die Zahl der Ärzte im Land sei im genannten Zeitraum um gut 30 Prozent gestiegen. Auch die Belastung der Pflegekräfte ist demnach leicht gesunken. Konkret nahm die Zahl der Patienten pro Vollzeitkraft von 6,3 auf 5,9 Patienten ab.

Die Daten gäben die tatsächliche Belastung aber nur unzureichend wider, so die Verfasser. So werde gestiegener Dokumentationsaufwand ebenso wenig berücksichtigt wie Veränderungen beim Pflegeaufwand. Als ein Indiz für die wirkliche Belastung kann der Krankenstand herangezogen werden. Er liegt mit bundesweit 7,2 Prozent deutlich über dem der Gesamtwirtschaft (5,3 Prozent).

Deutschlandweit kamen nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit im Mai auf 15.700 offene Stellen in der Krankenhaus-Pflege nur 11.000 arbeitslose Fachkräfte. „Das vorhandene Potenzial reicht nicht zur Deckung des Bedarfs“, schreiben die Studienautoren der Nord LB.

Als Maßnahmen schlagen sie etwa die Weiterbildung von Helfern zu Fachkräften vor. Außerdem raten sie zur Digitalisierung, um Personal zu entlasten. Laut Bertelsmann-Stiftung ist der Nachholbedarf Deutschlands gerade auf diesem Gebiet im Gesundheitssektor hoch. Bei einer Vergleichsstudie unter 17 Ländern landete Deutschland auf dem vorletzten Platz. Erleichterungen wären etwa durch elektronische Akten denkbar.

Das größte Potenzial für Abhilfe sieht die Studie aber in der Anwerbung von Fachkräften. 2018 kamen bundesweit elf Prozent der Altenpfleger aus dem Ausland. Laut Sozialministerium werden in Sachsen-Anhalt mit dem Projekt „Beruf schafft Zukunft“ schon jetzt Migranten gezielt über den Pflegeberuf informiert. Mitte 2018 arbeiteten zudem bereits 600 Mitarbeiter aus dem Ausland in der Kranken- und Altenpflege im Land. Laut Nord-LB-Studie wird sich der Fachkräftemangel ohne Gegenmaßnahmen bis 2030 noch verschärfen. Bundesweit könnten bis 2030 1,3 Millionen Vollzeitkräfte fehlen.

Wegen des Personalmangels boomen Leiharbeitsfirmen, die mit überdurchschnittlichen Löhnen und Mitspracherechten bei Arbeitszeiten locken. Bundesweit ist die Zahl der Kräfte allein in der Krankenpflege von 12.000 im Jahr 2014 auf 22.000 im Jahr 2018 angestiegen.