Magdeburg l 540.000 Euro musste Dortmunds Fußballstar Marco Reus 2014 hinblättern, weil er mehrfach ohne Führerschein gefahren war. Wie sollte das auch gehen: Er hatte nie einen besessen, gab er reumütig zu, nachdem er in ein Polizeikontrolle geraten war.

Allerdings muss man gar nicht so weit schauen. Gleich um die Ecke – in der Altmark – schütteln die Menschen über den Klötzer Ordnungs- und Bauamtsleiter den Kopf gegen den zwei Staatsanwaltschaften ermitteln. in einem Fall war er bei einer Promillefahrt ohne Führerschein erwischt worden. In einem anderen war er an einem Verkehrsunfall beteiligt, bei dem ein 19-Jähriger schwer verletzt wurde. Seit mehr als einem Jahrzehnt soll Ulf D. ohne Papiere unterwegs gewesen sein.

Magdeburg und Halle lagen im vergangenen Jahr mit 41 beziehungsweise 42 erwischten Schwarzfahrern an der Spitze der Statistik. Der Bördekreis folgt mit 37.

Insgesamt stieg die Zahl in den vergangenen fünf Jahren von 260 auf 328 Fahrern, die keinen Führerschein oder keine Fahrerlaubnis vorweisen konnten. Das sind rund 26 Prozent.

Häufigste Verkehrsstraftat

Allerdings geht die Polizeiinspektion Zentrale Dienste, die für die statistische Erhebung zuständig ist, davon aus, dass die Zahlen für 2018 noch ansteigen könnten, da einige Ermittlungen noch andauern.

Verkehrsexperten sehen eine Ursache darin, dass immer mehr ohne Fahrerlaubnis ins Auto steigen und dass diese Straftat zu den häufigsten im Verkehr gehört, darin, dass die Gesetzeslage in Deutschland vergleichsweise milde ist und Schwarzfahrer wenig zu befürchten haben. Denn die Höchststrafe für Fahren ohne Fahrerlaubnis liegt bei einem Jahr Haft, in der Regel zur Bewährung ausgesetzt.

Die ersten vier, fünf Taten ahnden Gerichte meistens mit Geldstrafen. Die Geldbuße beträgt mindestens fünf, höchstens 360 Tagessätze. Wobei sich ein Tagessatz aus einem Dreißigstel des persönlichen monatlichen Nettoeinkommens des Verurteilten errechnet.

Erst, wenn der Schwarzfahrer einen Unfall verursacht hat kann es teurer werden, weil fahrlässige Körperverletzung hinzukommt.

So in Thale (Harzkreis), wo ein 40-Jähriger im Oktober 2018 an der Kreuzung Roßtrappen-/Brückenstraße ein Kind angefahren hatte. Das Mädchen hatte noch versucht, auszuweichen, wurde aber trotzdem vom Skoda erfasst.

Der Fahrer hatte Gas gegeben und war geflüchtet. Allerdings hatte sein Auto beim Crash das vordere Kennzeichen verloren. Was wohl auch der Grund dafür war, dass sich der Blankenburger der Polizei stellte. Die Ermittlungen ergaben, dass der Mann keine Fahrerlaubnis hatte und zudem unter Drogen stand.

Führerschein gekauft

Mehr als 1,2 Millionen junge Männer und Frauen machen jedes Jahr in Deutschland die Führerscheinprüfung. Einige können es nicht abwarten und setzen sich ohne Papiere bereits vorher hinters Lenkrad, meinen Verkehrsexperten.

Besonders auf dem flachen Lande herrsche immer noch die Meinung vor: Ich habe doch schon geübt und kann fahren. Es kontrolliert mich ja doch niemand.

Ein weiterer Grund sei, dass sich mancher die Kosten für die Fahrschule sparen will und der Meinung ist: Kontrolliert werde ich ja doch nicht. Andere mussten den Führerschein aufgrund einer Drogen- oder Alkoholfahrt abgeben, setzen sich aber dennoch hinters Steuer.

In Salzwedel wurde kürzlich ein Mann verurteilt, der einen Auto-Führerschein für 300 Euro gekauft hatte. Der Maurer hatte lediglich eine Motorrad-Fahrerlaubnis.