Falschgeldfälle im Land:

2017: 1647

2016: 1758

2015: 2141

2014: 3853

Falschgeldfälle im nördlichen Sachsen-Anhalt:

2017: 990

2016: 1125

2015: 1183

2014: 2293

Häufigste gefälschte Banknoten:

50 Euro (71 Prozent)

20 Euro

100 Euro

Magdeburg l Der junge Mann auf dem Bild einer Überwachungskamera einer Magdeburger Tankstelle kam Oberkommissar Ralf Ammann gleich sehr bekannt vor. Er tauchte schon in der Vergangenheit in anderen Verkaufseinrichtungen nach Falschgeld-Fällen immer wieder auf den Videos auf. Dabei brachte der Mann jeweils gefälschte 50-Euro-Scheine und Zwanziger in Umlauf. Insgesamt sollen es später mehr als 250 gefälschte Geldscheine gewesen sein, bis die Beamten seine Studentenwohnung in Magdeburg auf den Kopf stellten. Auf der Festplatte des Computers fanden die Ermittler schließlich die Antwort darauf, woher der Mann seine Blüten bezog.

Der Leiter des Sachgebietes bei der Polizeidirektion Nord, Kriminalrat Jürgen Oswald, über den Fall, der inzwischen etwa zwei Jahre zurückliegt: „Mit Bitcoins (einer Internetwährung) kaufte er im Darknet sehr günstig das Falschgeld ein.“ Das Darknet ist mit einem sogenannten Tor-Browser zu erreichen, in dem die Nutzer ihre Verbindungen manuell herstellen. Gehandelt wird dann oft nicht nur mit Falschgeld sondern auch mit Drogen oder Waffen. Die Geschäfte, die dort laufen, sind für die Ermittlungsbehörden in der Regel nicht einsehbar.

Wie sich herausstellte, war der Student nicht der einzige Falschgeld-Käufer an der Magdeburger Uni, der das Darknet zum Blüteneinkauf nutzte und in Magdeburg und Umgebung damit einkaufte. Es sollen etwa ein Dutzend Studenten im Alter zwischen 20 und 23 Jahren gewesen sein, die sich unabhängig voneinander so ihr Konto aufbessern wollten. Immerhin erhielten sie für 100 Euro 500 Blüten. Oswald: „Die Durchsuchungen sprachen sich herum, so dass die Serie vor zwei Jahren abbrach.“ Später gab es immer wieder auch Einzeltäter aus dem Landkreis Harz.

„Inzwischen konnten wir die Falschgeldkriminalität im Bereich der Polizeidirektion Nord erfolgreich zurückdrängen“, erklärt Oswald. Die Zahlen haben sich in seinem Bereich, zu dem die Börde, der Harz, Magdeburg, die Altmark und der Salzlandkreis gehören, von 2000 auf 1000 Vorfälle in den vergangenen vier Jahren halbiert.

Kaum Möglichkeiten, an Hintermänner zu kommen

„Nachdem wir die Ermittlungen aus den Revieren zentral zusammengeführt haben, konnten wir die meisten aufgetauchten Blüten bestimmten Personen zuordnen“, sagt er. Bei Geldscheinen, die erst an den Zählmaschinen ausgeworfen werden, sei eine Zuordnung und Aufklärung der Straftat aber weiter aussichtslos. Laut Oberkommissar Amann kommen die meisten Fälschungen auch weiterhin aus Bulgarien und Italien. In der Vergangenheit kamen die Euroblüten aus Holland auf den deutschen Markt. Dort war offensichtlich eine größere Charge aus den einschlägigen Fälscherwerkstätten eingetroffen. „An die Hintermänner zu kommen, ist für uns sehr schwierig“, sagt Oswald. In anderen Bundesländern habe es auch schon erfolgreich Scheinkäufe gegeben.

Nach Angaben des Landeskriminalamtes kommen auf 10.000 Einwohner vier Falschgeldnoten. Im Bundesdurchschnitt sind es neun. Im vergangenen Jahr kamen 950 falsche Euro-Banknoten mit einem Wert von 44.000 Euro in den Umlauf. Hinzu kamen 700 falsche Euromünzen. „Im 1. Halbjahr dieses Jahres sind 400 Euro-Blüten mit einem Gesamtwert von knapp 20.000 Euro sichergestellt worden. Die Zahlen sind zum vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres nahezu identisch geblieben“, erklärt LKA-Sprecher Andreas von Koß. Im vergangenen Jahr konnten 271 Verdächtige ermittelt werden.

Das sichergestellte Falschgeld wird spätestens nach dem Ablauf von 20 Jahren nach Rechtskraft des Urteils vernichtet. Es droht eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren. Wer Geld fälscht, muss mit einer Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr rechnen.