Magdeburg l Für den FCM ist der Moment, als klar war, dass die Mannschaft in der zweiten Runde des DFB-Pokals gegen Titelverteidiger und Bundesliga-Spitzenreiter Borussia Dortmund spielt, besonders gewesen. „Jeder in der Mannschaft freut sich auf die Partie. Dortmund ist neben dem FC Bayern München das schönste Los, das wir hätten ziehen können“, sagt Kapitän Marius Sowislo. In der Mannschaft gibt es mit Torjäger Christian Beck und Abwehrspieler André Hainault zudem Spieler, die für Dortmund durchaus Sympathien hegen. „Wir können uns mit den besten Spielern der Bundesliga messen und sie in diesem einen Spiel vielleicht auch richtig ärgern. Dafür werden wir an unsere Leistungsgrenze gehen“, betont Sowislo.

Der Kartenverkauf für den Pokalhit war auch für die Magdeburger Verantwortlichen eine neue Dimension. 50.000 Tickets hätte der FCM absetzen können, Fans übernachteten vor dem Volksstimme Service Center, um möglichst früh an die begehrten Karten zu kommen. Einen freien Verkauf gab es deshalb gar nicht, nur Dauerkarteninhaber und Mitglieder konnten sich über den Zuschlag freuen. „Eine solche Partie ist für die ganze Stadt, die Region und Sachsen-Anhalt sehr wichtig. Die Leute fiebern mit uns mit“, sagt Sowislo.

Schwarz-Gelb in Sachsen-Anhalt

Aber schlagen alle Fan-Herzen in Sachsen-Anhalt blau-weiß? Nein! Gleich in mehreren Orten gibt es BVB-Fanclubs, unter anderem in Calbe (Saale), Stendal und auch in Etingen, einem Ortsteil von Oebisfelde-Weferlingen (Landkreis Börde).

Bilder

Mitgründer des Etinger Fanclubs, Lutz Barnieck, ist seit 1966 BVB-Fan. In diesem Jahr traf Borussia Dortmund im Europapokal-Finale im Hampden Park in Glasgow auf Liverpool. Barnieck sitzt als Siebenjähriger vor dem Fernseher, schaut gemeinsam mit seinem Vater das Spiel, sieht, wie Dortmunds Rechtsaußen Reinhard Libuda in der 106. Minute das 2:1 erzielt. „Die Namen der Spieler sind mir einfach in Erinnerung geblieben, danach waren einige auch bei der Fußball-Weltmeisterschaft in der Nationalmannschaft dabei, die haben sich mir eingebrannt“, sagt Lutz Barnieck 51 Jahre später, als er zu beschreiben versucht, wie er Fan des BVB wurde. Zu Zeiten der DDR habe jeder Fan im Osten auch die Bundesliga verfolgt – und hatte im Westen seinen Favoriten. Bei Barnieck war das die Borussia.

„Meine Schwester hat mir zum Geburtstag – das muss 1980 gewesen sein – als Geschenk einen langen, schwarz-gelben Schal gestrickt, der war 3,50 Meter lang“, sagt Barnieck und lacht.

Als der BVB 1989 den DFB-Pokal gewinnt, hängt er seine Borussia-Bettwäsche an die Antenne auf dem Hausdach. Dann fällt die Mauer und der Sachsen-Anhalter fährt gleich am ersten Wochenende nach Dortmund, Jahr für Jahr schließen sich ihm mehr an. „Die Gruppe wurde immer größer, 1994 sind wir schon mit Bussen gefahren, 1997 hat sich dann der Fanclub gegründet“, sagt Barnieck.

Der Fanclub „Drömlingsborussen“ ist allerdings nicht nur seine Leidenschaft, mittlerweile ist die gesamte Familie involviert. Die Töchter Nina (30) und Inga (23) sind von klein auf mit dabei, saßen bereits als Fünfjährige auf der Südtribüne. Wegen seiner Mutter, 85 Jahre alt, erzählt Lutz Barnieck, habe er übrigens Sky abonnieren müssen, weil sie alle Spiele des BVB sehen wollte.

Und seine Frau? „Sie teilt das. Und kennt unseren Spleen“, sagt Barnieck und lacht. Denn dass das Grundstück von einem schwarz-gelben Zaun gesäumt wird, die Hausnummer und der Fahnenmast, an dem nach einem Sieg die geweihte BVB-Fanclub-Flagge gehisst wird, ebenfalls schwarz-gelb sind – sagen wir mal so: es erfordert durchaus einen gewissen Grad an Einverständnis.

Erinnerungen zuhauf

Mittlerweile hat Lutz Barnieck mehrere Fotoalben hervorgeholt, fein säuberlich sind hier alle Erinnerungen an gemeinsame Fußballerlebnisse einsortiert. „Da ist zum Beispiel der Kevin Großkreutz, den haben wir bei einem Fanclub-Turnier getroffen“, sagt Barnieck und zeigt mit dem Finger auf einen schmächtigen Jungen. „Da war der vielleicht so 14 Jahre alt und hat für seinen Fanclub gekickt.“ Generell sei es Wahnsinn, wie viele Leute man schon über den Fanclub und bei den Spielen kennengelernt hat, fügt Tochter Nina Barnieck an. Bestes Beispiel sei Schwester Inga, die so ihren Freund getroffen hat und vor Kurzem erst nach Dortmund gezogen ist. „Und sie wohnt gar nicht so weit weg vom Stadion“, sagt Lutz Barnieck und lacht. Wenn es nach einem Heimspiel mal spät wird, wisse man jetzt, wo man unterkommen kann.

Über den Verein hat der Fanclub für das heutige Pokalspiel übrigens zwölf Eintrittskarten bekommen – bei 102 Mitgliedern kann es da schon mal heiß her gehen. „Bei einem Spiel in der Region wollen alle hin. Schlussendlich haben wir die Karten verlost“, sagt Nina Barnieck. Einige Mitglieder hätten auch über den FCM Karten bekommen. Ja, richtig gelesen. „Es gibt mehrere, die zweigleisig fahren, auch wenn manch einer das sicher nicht verstehen kann“, erklärt der Vorsitzende. „Der FCM ist eben der Heimatverein. Auch ich gehe mit einem kleinen weinenden Auge davon aus, dass der BVB gewinnt.“

Hier geht es zum Live-Ticker für das Pokalspiel 1. FC Magdeburg gegen Borussia Dortmund.

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