Magdeburg l Jörg Kudwin aus Domersleben in der Börde gehört zu den ersten Feuerwehrmännern, die dank einer Landesförderung in diesem Jahr (250.000 Euro) erstmalig einen mitfinanzierten Lkw-Führerschein machen. Im Gegenzug verpflichtete er sich, fünf Jahre bei der Feuerwehr aktiven Dienst zu leisten.

Löschfahrzeug samt Anhänger

Der 32-jährige Landwirt hat seine Ausbildung vor vier Wochen begonnen und soll ab Spätherbst das Löschfahrzeug samt Anhänger fahren können. In seiner Wehr gibt es nur noch drei Kameraden mit einem Lkw-Führerschein. Einer ist krank, einer im Urlaub und der dritte hat glücklicherweise gerade seinen von der Kommune finanzierten Lkw-Führerschein erhalten.

„Wir brauchen deshalb dringend einen weiteren Maschinisten. Der Lkw-Führerschein ist dafür aber Voraussetzung“, sagt sein stellvertretender Wehrleiter Benjamin Zeugner. Seine Ortsfeuerwehr ist eine von 13 in der Gemeinde Stadt Wanzleben-Börde. Von der Sonderförderung des Innenministeriums haben in dieser Gemeinde aber nur zwei eine Bewilligung über eine Förderung von jeweils 1000 Euro erhalten. Die restlichen 800 Euro bzw. 1800 Euro (je nach Variante mit oder ohne Anhänger) zahlt die Gemeinde. Kai Pluntke, Ordnungsamtsleiter der Börde-Gemeinde und Kreisbrandmeister: „Wir finanzieren ohnehin jedes Jahr zwei bis drei Lkw-Führerscheine.“ Verteilt auf die 13 Ortswehren wäre damit rein rechnerisch allerdings nur alle vier bis sechs Jahre jeder einmal an der Reihe. „Aus diesem Grund gibt es bei uns auch eine Prioritätenliste“, so Pluntke.

250.000 Euro Förderung

Die 250.000-Euro-Förderung ist auch nach Ansicht von Kai-Uwe Lohse, Chef des Landesfeuerwehrverbandes nur ein Tropfen auf den heißen Stein: „Der Bedarf ist enorm, weil immer weniger Menschen einen Lkw-Führerschein haben und diesen im Alltag oft auch gar benötigen. Nur müssen die großen Löschfahrzeuge ja von jemandem bedient werden.“ Er kritisiert allerdings auch, dass viele Kommunen ihrer eigentlichen Verantwortung für die Feuerwehren nicht nachkommen und zu wenig investieren.

Hinzu komme: Durch die Fluktuation in den Feuerwehren würden immer mehr Maschinisten fehlen. „Ich kenne Fälle, da konnten Feuerwehren nicht rechtzeitig ausrücken, weil ein Fahrer fehlte oder zu weit entfernt war“, sagt Lohse. Die Förderung von 250 000 Euro für die rund 1550 Ortsfeuerwehren hatte Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) Ende Dezember vergangenen Jahres angekündigt. Bis 30. April sollten die Anträge gestellt werden. Es waren am Ende 365, genehmigt werden konnten aber nur 250. Die meisten Anträge kamen aus dem Bördekreis (51) und den Salzlandkreis (45), die wenigsten aus den kreisfreien Städten.

Ministerium will Zuschuss fortsetzen

Auf Nachfrage erklärt Stefan Brodtrück vom Innenministerium: „Wir beabsichtigen diese Förderung fortzusetzen.“ Die bisherige Erfahrung spreche dafür, dass auch in den nächsten Jahren weiter Bedarf bestehe. Allerdings könne eine abschließende Aussage „erst nach Aufstellung des Haushaltes“ getroffen werden.

SPD-Innenexperte Rüdiger Erben geht dies nicht weit genug. „Es würde helfen, wenn wir wie in den meisten anderen Bundesländern einen Feuerwehrführerschein einführen.“ Der Aufwand sei viel geringer, weil es nur eine Ergänzung zum Pkw-Führerschein ist.

Landesfeuerwehrverbandschef Lohse hält diese Variante hingegen für wenig sinnvoll: „Wir brauchen einen richtigen und keinen Hilfsführerschein. Sie würden doch auch nicht in einen Urlaubsflieger steigen, wenn der Pilot sagt, ich fliege normalerweise nur Agrarflugzeuge.“