Magdeburg l Der Finanzausschuss des Landtags hat am Mittwoch für die Jahre 2021 und 2022 Landesmittel in Höhe von insgesamt 2,8 Millionen Euro für den Neubau einer Synagoge in Magdeburg freigegeben.

Bereits Anfang November hatte die Stadt Magdeburg der Synagogen-Gemeinde zu Magdeburg ein Grundstück im Wert von 600.000 Euro geschenkt. Auf diesem Gelände soll nach gegenwärtiger Planung bis zum Ende des Jahres 2022 die neue Synagoge fertiggestellt sein. Die alte Magdeburger Synagoge war in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 zerstört worden. In der Vorlage von Finanzminister Michael Richter (CDU) für den Finanzausschuss heißt es, der Bau einer Synagoge in Magdeburg sei von „erheblichem Landesinteresse“.

Deutliches und sichtbares Zeichen gesetzt

Nach der Zerstörung der Synagoge und der Vernichtung der jüdischen Gemeinden durch die nationalsozialistische Gewaltherrschaft habe das jüdische Leben in Magdeburg nach dem Zweiten Weltkrieg und insbesondere durch verstärkte jüdische Zuwanderung nach der Wiedervereinigung einen „hoffnungsvollen Neubeginn“ erlebt.

Mit dem Synagogen-Neubau werde ein „deutliches, sichtbares und angemessenes Zeichen für die Unterstützung jüdischen Lebens gesetzt“.

Der Anschlag am 9. Oktober gegen die Synagoge in Halle habe die „dringliche Notwendigkeit nochmals überdeutlich unterstrichen“, den Neubau in Magdeburg zu unterstützen: „Ein Synagogen-Neubau in der Landeshauptstadt spricht deutlich und bewusst gegen Hass und Extremismus und ist ein besonderes Bekenntnis für Leben, Freiheit und das Bewusstsein der eigenen Geschichte in allen ihren Aspekten in Sachsen-Anhalt.“

Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hatte nach dem Anschlag in Halle gesagt: „Deutschland hat ein Antisemitismus- und Rechtsextremismus-Problem.“ Der Neubau von Synagogen sei „unsere Botschaft, die wir nach dem feigen Anschlag vom 9. Oktober von Sachsen-Anhalt aus in alle Welt aussenden wollen“.

Gesamtkosten liegen bei 3,4 Millionen Euro

Für die neue Synagoge in Magdeburg werden Gesamtkosten von 3,4 Millionen Euro veranschlagt. Das Projekt war im Laufe der Jahre mit Blick auf die Gemeindeentwicklung in seinem Umfang deutlich verkleinert worden. Die Synagogen-Gemeinde zu Magdeburg hat derzeit nach eigenen Angaben rund 450 Mitglieder.

Neben dem Landeszuschuss von 2,8 Millionen Euro werden 400.000 Euro durch den Förderverein „Neue Synagoge Magdeburg“ (einschließlich 100.000 Euro vom Kirchenkreis Magdeburg) und 200.000 Euro Eigenmittel der Synagogen-Gemeinde erbracht.

Den Förderverein gibt es seit 1999. Ihm stehen die frühere Superintendentin Waltraut Zachhuber und Ex-Landtagspräsident Dieter Steinecke vor.

Auch in Dessau ist der Neubau einer Synagoge geplant. Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) hat bereits zugesagt, dass das Land die Kosten für die baulichen Sicherheitsmaßnahmen übernimmt.