Magdeburg l Spitzenforschung in Neurowissenschaften und der Abwehr von Krankheiten haben im Magdeburger Uni-Klinikum eine lange Tradition. Möglich macht das auch die Forschung im zentralen Tierlabor mit 12.700 Tieren. Doch das Gebäude auf dem Campus an der Leipziger Straße ist sanierungsbedürftig. Handlungsbedarf gibt es vor allem bei der Hygiene. Nach Angaben der Universität sind Lüftung und Klimatisierung veraltet. Die Hygiene stelle eine Gefahr für die Haltung der Tiere dar, heißt es in einer Stellungnahme von Finanz- und Wissenschaftsministerium. Schon 2008 stand das Haus deshalb mit hoher Priorität im „Hochschulbau-Perspektivprogramm“ des Landes.

14,7 Millionen Euro fehlen

Andere Projekte aber schienen wichtiger, die Labor-Sanierung wurde verschoben. Nun macht das SPD-geführte Wissenschaftsministerium Druck: „Ein modernes Tierlabor ist für die medizinische Forschung in Magdeburg existenziell“, sagt Sprecher Robin Baake. Grund zur Eile könnte es in der Tat geben: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) stellt ihre Förderung im Herbst auf den Prüfstand. Es geht um zehn Millionen Euro für die nächsten vier Jahre im Forschungsbereich Immunologie. Ohne Sanierung sieht das Ministerium die Unterstützung gefährdet.

Wie das Vorhaben bezahlt werden soll, ist offen. Zwar hat der Landtag dem Eigenanteil von 2,5 Millionen Euro im Doppelhaushalt 2017/18 bereits zugestimmt. Die für das Projekt entscheidenden EU-Gelder von 14,7 Millionen Euro aber fehlen. Sie sind bereits für andere Vorhaben verplant.

EU muss im Zweifel zustimmen

Nur Umschichtungen vorhandener EU-Mittel können das Problem lösen, sagt Wolfgang Borchert, Sprecher im Finanzministerium. Dazu aber bedarf es im Zweifelsfall der Zustimmung der EU-Kommission. Wie man vorgehen kann, beraten Universität und Wissenschaftsministerium seit Wochen. Bislang ohne abschließendes Ergebnis.

Auch die Kenia-Koalition könnte der Umbau noch auf die Probe stellen. Während CDU und SPD das Vorhaben forcieren, halten sich die Grünen bedeckt. „Bisher gibt es keine Positionierung“, sagt der finanz- und wissenschaftspolitische Sprecher Olaf Meister. Weder zum Vorhaben selbst noch zu dessen Finanzierung würden der Fraktion Informationen vorliegen. Meister hat deshalb ein Gespräch mit der Leitung der Magdeburger Uni vereinbart.

Uni warnt vor Verzögerung

Dort warnt man vor den Folgen weiterer Verzögerungen: Die Möglichkeit, Tiere auf hohem Niveau zu halten, sei für die Wissenschaft essenziell, betont Hermann-Josef Rothkötter, Dekan der Medizinischen Fakultät. Ohne eine Sanierung könne man weder Neurowissenschaften noch Immunologie weiter voranbringen. Passiert nichts sieht der Dekant auf lange Sicht gar der Forschungsstandort bedroht.“