Forschung zu Stasi-Spitzeln im Rat des Bezirkes

Von Wolfgang Schulz

Magdeburg l Erstmals in den neuen Ländern werden in Sachsen-Anhalt Mitglieder und Mitarbeiter des ehemaligen Rates des Bezirkes Magdeburg auf ihre inoffizielle Tätigkeit für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) überprüft.

Die Bundesbehörde für die Stasi-Unterlagen genehmigte einen Forschungsantrag von Ulrich Mielke, der in Zusammenarbeit mit dem Bürgerkomitee Sachsen-Anhalt seit 1994 die Stasi-Verstrickungen von Mitarbeitern des Gesundheitswesens im einstigen Bezirk Magdeburg erforscht. Bei seinen Recherchen über die MfS-Machenschaften im Gesundheitswesen sei er wiederholt auf enge personelle Verbindungen von inoffiziellen Mitarbeitern (IM) zur einstigen "Bezirksregierung" gestoßen, sagte Mielke am Montagabend bei der Vorstellung seines neuesten Forschungsheftes über die Stasi im früheren Kreis Haldensleben.

Im Ratsgebäude habe es ein sogenanntes Aussprachezimmer gegeben, in dem sich Zuträger mit Führungsoffizieren getroffen hätten. Der Bezirksarzt, zwei seiner Stellvertreter sowie andere Ratsmitglieder und Abteilungsleiter seien bereits als IM enttarnt. Ein Mitglied des Rates des Bezirkes sei sogar ein "Offizier im besonderen Einsatz" (OibE) gewesen. Nächster Kreis in der Stasi-Aufarbeitung ist Oschersleben.