Magdeburg l Die Gerberei-Innung gehört zu Burg wie die Ihle. Ende des 19. Jahrhunderts gab es entlang des Baches eine Vielzahl dieser Handwerksbetriebe. Die letzte Gerberei schloss 1991 ihre Türen. Der Heimatverein Burg und Umgebung e. V. kümmert sich darum, dass dieses Stück Stadtgeschichte bewahrt wird. Am Sonntag steht die Tür in der Hainstraße 12 weit offen. Zwischen 10 und 17 Uhr können sich Besucher im Hochständerhaus aus dem 15./16. Jahrhundert umsehen und sich neben alten Gerbtechniken auch über die Garnisongeschichte der Stadt sowie die ehemalige Schuhindustrie informieren.

Warum etwas auf keine Kuhhaut geht

Karin Zimmer steht im Treppenaufgang vor einer großen gegerbten Haut – einer Kuhhaut. Und sofort fällt der Satz: „Das geht doch auf keine Kuhhaut.“

Was dahinter steckt? Die phönizische Prinzessin Elissa gelangte bei der Flucht vor ihrem Bruder Pygmalion an den Golf von Tunis, wo sie Larbas, dem Häuptling des Stammes der Numidier, begegnete. Dieser versprach ihr ein Stück Land, das so groß sein sollte wie das Gebiet, das sie mit einer einzelnen Kuhhaut umspannen konnte. Ganz offensichtlich wollte der Häuptling die Prinzessin reinlegen. Doch er hatte die Rechnung ohne die kluge Frau gemacht: Denn sie schnitt die Kuhhaut in sehr dünne Streifen. Diese Streifen legte sie längs aneinander und umrundete damit ein beachtliches Stück Land, groß genug, um darauf die Burg des späteren Karthago zu errichten.

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Ob die Gerber aus Burg, einst eine der wichtigsten Innungen der Ihlestadt, diese Sage kannten, ist nicht überliefert. Fest hingegen steht die Tatsache, dass es Ende des 19. Jahrhunderts während der Blütezeit dieses Wirtschaftszweiges 19 Gerbereien entlang der Ihle gab. Denn Wasser war eine wichtige Voraussetzung.

Idee benötigte Zeit

„Zuletzt war es besonders die Schuhfabrik, die das Leder abnahm“, sagt Zimmer. Doch mit dem Ende des VEB „Roter Stern“ endete 1991 auch die Produktionsgeschichte der Chromgerberei Albrecht. Die Maschinen standen still und es dauerte einige Zeit, bis in einigen Burgern die Idee reifte, aus dem Haus in der Hainstraße ein kleines Museum zu machen.

Angefangen hat das Projekt „Historische Gerberei“ mit einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Zimmer: „Es wurde erstmal aufgeräumt und die Decken wurden hergerichtet.“ Die ABM ging zu Ende und damit vorerst auch das anspruchsvolle Vorhaben.

2001 kam wieder Leben in die Sache. Der Heimatverein übernahm die Regie. Mit viel Engagement haben sich seitdem die heute 47 Vereinsmitglieder mit finanzieller Unterstützung der Stadt des Projekts angenommen. Knapp 20 haben sich darauf spezialisiert, Interessenten die „Leder-Seite“ Burgs nahezubringen. Harald Zimmer, der Technik-Tüftler, versucht den umfangreichen Maschinenpark zum Laufen zu bringen. Doch als Einzelkämpfer sei das nicht zu schaffen, meint er. „Es wäre schön, wenn sich Elektriker und Schlosser für die Gerberei begeistern könnten und dem Verein helfen könnten.“

Aufwand zu groß

Allerdings werden sich die breiten Gerbfässer mit innenliegenden Zapfen nie wieder drehen, um die Gerbbrühe aus Chromsalzen und Alaun in die Tierhäute einzuwalken. Denn die Rückstände zu entsorgen, wäre ein außerordentlicher Aufwand. Und die Chemie in die Ihle einzuleiten, wie zur Hochzeit der Gerberei, verbietet sich von selbst. Aber ein ungiftiges „Schaudrehen“ würde den Besuch im kleinen Museum sicherlich aufwerten. Die ersten Stücke der Maschinenbau-Sammlung seien bereits 2005 im Kuhturm der Stadt gezeigt worden, so Litschke. „Zu verdanken war das unserem Heimatforscher Heinz Freye. Ohne ihn wären viele Dinge, die an diese Seite Burgs erinnern, den Bach heruntergegangen.“

Stolz zeigt der 74-Jährige auf eine Tafel, auf der es um die „Supermatic“ geht. Eine Etikettiermaschine mit dem DDR-Gütezeichen „Q“, die Anfang der 1970er Jahre in Lizenz für die Firma Krones, den renommierten Hersteller für Verpackungs- und Abfülltechnik im oberpfälzischen Neustraubling, produziert wurde.

Auf einem Zeitstrahl sind 51 Jahre der Maschinenbau-Historie anhand des Grundstücks Bahnhofstraße 14 verewigt. Am Anfang stand der Kauf der ehemaligen Wollwäscherei durch die Schuhfabrik Hömen 1904. Das Ende des volkseigenen Maschinenbaus in Burg kam 87 Jahre später, 1991. Die Chronologie endet allerdings bereits 1955.

Kostbare Handschriften

Die Palette der Angebote zum Tag des offenen Denkmals ist bunt. So öffnet die Francisceumsbibliothek in Zerbst ihre Türen für interessierte Besucher. Zwischen 10 und 19 Uhr werden Handschriften, Illustrationen und Druckwerke aus vergangenen Jahrhunderten gezeigt – darunter viele Kostbarkeiten. Schüler des Francisceums führen in historischen Kostümen durch das Gymnasium.

Spannend dürfte auch eine Besichtigung von fünf Stationen der ehemaligen „Königlich-preußischen optischen Telegraphenlinie Berlin–Koblenz“ sein. Die Führung beginnt um 14 Uhr in Magdeburg vor der Johanniskirche. Dort befand sich die Station 14. Weiter geht es nach Ampfurth (Börde), wo die Nr. 16 auf dem Schloss- und Telegraphenturm steht. Die Nr. 18 befindet sich in Neuwegersleben (Börde). Dort kann man das Stationsgebäude mit funktionsfähiger Anlage und Museum besuchen. In Pabstdorf (Harz) endet die Führung. Geöffnet hat zudem die Station 11 in Ziegelsdorf (Jerichower Land) mit einem funktionsfähigen Signalmast.

„Wo Totholz lebendig wird ...“, heißt es in Schloss und Park Hohenerxleben im Salzlandkreis. „Kunst im Park“, so der Zauberspruch, der Holz Vogelgestalt annehmen und auf hohen Beinen durch den Wald spazieren lässt. Ein Kinder-Kunst-Projekt, das die Stiftung gemeinsam mit der Stadt Staßfurt, der Stiftung Staßfurter Waisenhaus, der Lebenshilfe Bördeland sowie dem Kultur- und Heimatverein Hohenerxleben veranstaltet.

Zahlreiche Erinnerungsstücke

Bei Führungen durch das 800 Jahre alte Schloss können Besucher auch die Stuckarbeiten, Holzschnitzereien und Deckenmalereien ansehen.

„25 Jahre Straße der Romanik und Tag des offenen Denkmals – 25 Jahre Erfolgsstory“, heißt es in Groß Ammensleben (Börde). Die Kulturhistorische Gesellschaft hat den Tag zum Anlass genommen, alte Fotos, historische Ansichten von Klosterkirche und Domäne sowie dem Magdeburger und Schäfertor zu sammeln. Die Erinnerungsstücke werden in einer Ausstellung gezeigt.

Alte Apotheke und Bartholomäuskirche

In Magdeburg laden unter anderem das Friseurmuseum, die Gedenkstätte Moritzplatz, das Gesellschaftshaus, das ehemalige SKL-Kantinengebäude und Kavalier Scharnhorst sowie die Festungsanlage Ravelin 2 ein. Der Elbseitenradschleppdampfer „Württemberg“, 1908/09 erbaut und im Zweiten Weltkrieg von Tieffliegern beschädigt, wurde 1974 bei Hochwasser auf die Elbwiesen geschleppt. Nach Komplettsanierung steht die „Württemberg“ wieder als Museumsschiff unterhalb des Albinmüller-Turms im Rotehornpark.

In Gardelegen kann der Renaissancebau von 1653, die Alte Apotheke, besucht werden, in Blankenburg die Bartholomäuskirche, die ab 1203 als Pfarrkirche genutzt wurde.

Alle offenen Denkmäler:

www.tag-des-offenen-denkmals.de/laender/st/