Magdeburg l Mittwochmorgen am Haltepunkt Herrenkrug in Magdeburg. Ein Lokführer entdeckt beim Blick aus dem Fenster ein totes Tier auf dem Gleis. Der hundeähnliche Körper kommt dem Fahrer verdächtig vor. Er meldet den Fund der Notfall-Leitstelle der Bahn. Bundespolizisten und Wolfsbeauftragter eilen sofort zum Fundort: Schnell steht fest, es handelt sich mit hoher Sicherheit um einen Wolf. Das Tier ist vermutlich mit einem Zug kollidiert. Noch am Mittag wird der Kadaver zur weiteren Untersuchung ins Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wirbeltierforschung gebracht.

Erster Nachweis in bebautem Gebiet

Sollte sich der Fund als Wolf bestätigen, wäre es der erste gesicherte Nachweis eines Wolfes auf dicht besiedeltem Gebiet in Magdeburg. Der Fundort liegt nur wenige Meter von der Hochschule entfernt. „Mir ist ein solcher Vorfall bislang nicht bekannt“, sagte Stadtsprecher Michael Reif. Zwar habe es Fotonachweise etwa im Stadtteil Kreuzhorst östlich der Elbe gegeben, dabei handelte es sich aber um unbesiedeltes Gebiet.

Jogger und Spaziergänger könnten sich dennoch wie üblich bewegen, so der Stadtsprecher. Die Jagdbehörde sei informiert, die Stadt beobachte die Lage. „Derzeit haben wir nicht mehr als einen toten Wolf auf dem Gleis“, so Reif. Das sei kein Grund, die Menschen zu erhöhter Aufmerksamkeit aufzurufen.

Jäger warnt vor Attacken auf Menschen

Gerd Petzoldt, Kreisjägermeister der Landeshauptstadt, sieht das anders. Mit dem Vorfall sei eine neue Qualität erreicht, sagt er. Für Petzoldt steht fest: „Es wird irgendwann Angriffe auf Menschen geben.“ Es sei nur eine Frage der Zeit, bis es dazu kommt.

Andreas Berbig, Landeswolfsbeauftragter, kann Ängste verstehen. Begegnungen von Menschen mit dem Wolf habe es in den vergangenen Jahren immer wieder gegeben, sagt er. Nie sei es dabei aber zu Angriffen gekommen. Sollten Spaziergänger auf Wölfe treffen, rät Berbig, die Tiere einzuschüchtern. Dies könne durch Händeklatschen oder Rufen geschehen. Hunde sollten unbedingt an der Leine geführt werden.

Drei Unfälle in einer Woche

Die Kollision in Magdeburg war am Mittwoch nicht der einzige Unfall mit einem Wolf. Auf der Bundesstraße  71 zwischen den Heidedörfern Letzlingen und Born stieß der Mercedes einer 31-Jährigen mit einem Wolf zusammen. Innerhalb einer Woche stieg die Zahl der Wildunfälle unter Beteiligung des Raubtiers damit auf drei. Erst vergangenen Dienstag war bei Löben (Landkreis Wittenberg) ebenfalls ein Auto mit einem Wolf zusammengestoßen.

Die Zahl der Wildunfälle mit Wölfen liegt bereits jetzt so hoch wie im gesamten Jahr 2014 und 2015. Andreas Berbig sieht die Häufung der Unfälle im Anwachsen des Bestandes der Räuber begründet. Die Zahl der Unfälle mit den Tieren sei im Vergleich zu anderen Wildarten aber verschwindend gering, betont Berbig. So gab es seit 2009 nur insgesamt 13 Wildunfälle mit Wölfen.