Eine Wienerin an der Spitze

Brigitte Mang wurde 1959 in Wien geboren. 1977 bis 1986 studierte sie an der Technischen Universität Wien Architektur mit den Schwerpunkten Landschaftsarchitektur, Städtebau und Gartengestaltung. Sie arbeitete jahrelang als Wissenschaftsassistentin an der TU Wien und als freischaffende Landschaftsarchitektin. Von 2004 bis 2016 war die sie Direktorin der Österreichischen Bundesgärten.

Seit 1. Februar 2017 ist die Wienerin Vorstand und Direktorin der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz.

Frau Mang, Sie haben mit Schloss Großkühnau eigentlich einen der schönsten Amtssitze in Sachsen-Anhalt. Jetzt treffen wir uns in einem drögen Gewerbegebiet in Dessau.
Brigitte Mang
: Die Stiftung zieht im August wieder nach Großkühnau. Im Schloss laufen noch Sanierungsarbeiten.

Gehört das Vorhaben bereits zum Masterplan?
Nein. Die Sanierung hatte noch mein Vorgänger Thomas Weiß in die Wege geleitet. In seiner Amtszeit wurden auch die umfangreichen Sanierungsarbeiten der Schlösser Luisium und Wörlitz durchgeführt. Das Luisium ist seit 1998 vollständig restauriert wieder geöffnet und Wörlitz kann seit 2017 in allen Etagen wieder besichtigt werden.

Was umfasst der Masterplan?
Teil 1 des Masterplans umfasst die denkmalgerechte Instandsetzung der Schlossensembles Oranienbaum und Mosigkau mit ihren Gärten. Zudem planen wir in Wörlitz ein Welterbezentrum und ein Ausstellungszentrum. In Teil 2 erfolgt dann die Instandsetzung der übrigen Liegenschaften der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz.

Schloss Mosigkau wurde als Sommersitz für Prinzessin Anna Wilhelmine von Anhalt-Dessau gebaut. Man sieht dem schönen Rokokobau an, dass dringend etwas getan werden muss.
Das Dach ist bereits 2017 saniert worden, aber wir haben dort noch viel zu tun. An den Fenstern und Fensterläden kann man den Zustand des ganzen Gebäudes ablesen. Wir richten den Blick nicht nur auf das Schloss, sondern auf das gesamte Ensemble mit den Orangerien und den Nebengebäuden, den Friedhof, alle Mauern, Skulpturen und den gesamten Garten. All das ist nie umfassend saniert worden. Wir veranschlagen jetzt 27,5 Millionen Euro.

Wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf im Gartenreich?
Wichtig ist die Fertigstellung der Fassadensanierung und der Nebengebäude des Schlosses in Oranienbaum. Dort besteht bautechnisch gesehen der größte Handlungsbedarf. Und wir treiben die Planungen für das Ausstellungszentrum der Stiftung im Haus der Fürstin in Wörlitz voran, wofür wir bereits EFRE-Mittel haben. Es ist uns wichtig, dass damit das Haus der Fürstin ganzjährig für Besucher geöffnet sein wird. Zudem konzentrieren wir uns sehr auf das Welterbe-Besucherzentrum im Gelben Haus in Wörlitz.

Wann soll das Ausstellungszentrum eröffnet werden?
Es wird zu Saisonbeginn 2022 eröffnet. Wir müssen Besuchern auch in der Wintersaison etwas anbieten.

Was planen Sie dort?
Wir wollen in einer Dauerausstellung wissenschaftlich über das Gartenreich informieren und zudem für Jahresausstellungen unsere Kunstschätze aus den Depots holen. In der ersten Ausstellung wollen wir unsere Antikensammlung präsentieren, die noch nie in dieser Form gezeigt wurde. Sie stammt aus der Zeit von Fürst Franz und Baumeister Erdmannsdorff und ist sehr beeindruckend.

Welches Fertigstellungsjahr ist für das Welterbe-Besucherzentrums realistisch?
Aufgrund der Größe des Projektes ist hier eine europaweite Ausschreibung erforderlich. In Abhängigkeit von den Finanzierungsmöglichkeiten, die bislang noch nicht vollständig zugesichert sind, könnte die Fertigstellung 2023 erfolgen.

Es gibt nicht nur Befürworter eines Welterbe-Zentrums in Wörlitz angesichts des Bauhauses mit seinem im September eröffnenden Museum mitten in Dessau. Was entgegnen Sie Kritikern?
Ich sehe unsere Planungen vielmehr als Möglichkeit, einander zu bereichern. Mir ist es wichtig, uns als Welterbe-Region zu verstehen. Wir als Gartenreich wollen im geplanten Besucherzentrum nicht allein für uns werben. Es muss gemeinsam mit dem Bauhaus, mit der Lutherstadt Wittenberg und mit dem Biosphärenreservat Mittelelbe Ziel sein, diese vier Unesco-Stätten zu vermarkten. Wo gibt es das sonst noch in Europa? Dieses Besondere müssen wir stärker kommunizieren und zwar an möglichst vielen Standorten zugleich, wie auch in Dessau, wo gegenüber vom Bauhaus-Museum die Stadtinformation einziehen soll.

Für die Vorhaben aus dem Masterplan sind 122 Millionen veranschlagt. Was ist bisher gedeckt von der Summe?
Für die vier prioritären Projekte des Masterplans Mosigkau, Oranienbaum, Welterbezentrum und Ausstellungszentrum kalkulieren wir cirka 60 Millionen Euro, die weiteren gut 60 Millionen für alle anderen noch sanierungsbedürftigen Liegenschaften. Es ist ein Plan für ein Jahrzehnt und wir müssen vieles in Jahresscheiben denken. Die Verhandlungen mit dem Land und dem Bund laufen. Das Land hat ja deutlich gesagt, dass es die Umsetzung des Masterplans unterstützen wird. Geld haben wir bisher für die Planungen des Welterbe- und des Ausstellungszentrums. Wir haben vom Deutschen Stiftungszentrum auch Gelder für Oranienbaum und können dort gut weiterarbeiten.

Ohne Geld vom Bund klappt der Masterplan nicht. Gibt es Signale aus Berlin, sich zu beteiligen?
Bei unserer 100-Jahr-Feier im Dezember gab es eine deutliche Bekundung einer weiteren Unterstützung. Wie gesagt, die Verhandlungen laufen.

Wie realistisch ist es, all die Planungen wirklich umsetzen zu können?
Ich schätze eine Umsetzung ausnehmend gut ein. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten hat ja auch Sondermittel von Berlin, vom Land Brandenburg und vom Bund bekommen. Wir sehen uns hier als Weltkulturerbe-Stätte in dieser Liga. Ich bin sehr optimistisch.

Vorausgesetzt, die Gelder fließen – wie wird sich das Dessau-Wörlitzer Gartenreich in einem Jahrzehnt präsentieren?
Wir wollen unbedingt die vier großen Projekte durchziehen und alles Weitere intensiv vorantreiben. Dann hätten wir alle fünf Schlösser und Schloss­ensembles von Grund auf saniert. Das hergerichtete Wörlitzer Schloss ist Besuchermagnet und wird es auch bleiben. Wir wollen es aber schaffen, dass die Besucher das Gartenreich als Kulturlandschaft viel stärker als bisher in seiner Gänze erleben wollen, einen Besuch in Oranienbaum, dem Luisium anschließen oder in Mosigkau, und nicht nach dem Besuch des Wörlitzer Schlosses meinen, alles gesehen zu haben.