Magdeburg l „Geburt ist keine Krankheit, sondern das Natürlichste von der Welt“ - das haben sowohl Ministerin Petra Grimm-Benne (SPD) als auch die Vorsitzende des Landeshebammenverbands, Petra Chluppka, ausdrücklich betont, als es am Montag um die Vorstellung der Ergebnisse einer Studie ging, die die Situation der Hebammen im Land beleuchtete. Denn die Probleme, mit denen sich die 431 Geburtshelferinnen in ihrem Arbeitsalltag herumschlagen, resultieren daraus, dass der eingangs genannte Grundsatz immer mehr aus den Augen gerate.

„Alle sagen mir, dass sie den schönsten Beruf der Welt haben“, gibt Chaluppa die Eindrücke aus den Gesprächen mit den Hebammen wieder. „Dennoch verlieren viele die Lust an ihrer Arbeit, weil die Rahmenbedingungen schlechter und die Belastungen größer werden“. Den Hebammen fehle schlichtweg Zeit. Doch die brauche es nun mal, wenn die Schwangeren, Gebärenden und jungen Mütter ihren Ansprüchen gerecht rundum gut betreut werden sollen.

Mangel an Fachkräften

Ein Grundproblem ist der Mangel an Fachkräften. Gefühlt gebe es bereits jetzt eine Unterversorgung. „Vor allem in den Kliniken und bei den freiberuflichen Hebammen fehlt es an Personal“, so die Vorsitzende des Landeshebammenverbands. Die Arbeitsbedingungen werden so zunehmend schwieriger. Teilweise müsse eine Hebamme drei, vier oder fünf Schwangere gleichzeitig im Kreißsaal betreuen. Zudem gebe es eine „dramatische Entwicklung“ bei den Kaiserschnitt-Geburten. „Die liegt inzwischen bei über 30 Prozent. Und unsere Hebammen werden so zu besseren OP-Helfern.“ Dabei liege der Fokus einer Hebamme auf der natürlichen Geburt. „Das ist unser Bereich. Wir sind dafür ausgebildet und sollten unserer Kompetenz entsprechend auch agieren dürfen. Ein Kaiserschnitt sollte ein Notausgang sein, kein Hauptausgang.“

Die vom Sozialministeriums in Auftrag gegebene und vom Berliner IGES Institut erstellte Studie belege die Erfahrungen aus der Praxis der Hebammen nun mit Zahlen: „Wir brauchen dringend mehr Personal und müssen als Land mehr eigenen Nachwuchs ausbilden“.

Der Studie zufolge gibt es derzeit 431 Hebammen in Sachsen-Anhalt. In den nächsten 15 Jahren werden allein aus Altersgründen 187 von ihnen aufhören. Vor allem in Magdeburg und Halle würde der Bedarf in Zukunft aber steigen, denn es werden hier wieder deutlich mehr Kinder geboren. Viele der im Rahmen der Studie befragten 120 Hebammen beklagten, dass zu wenig Zeit für die Betreuung der Frauen bleibe. Jede Fünfte gab an, oft ans Aufhören zu denken.

Ausbildung in Magdeburg und Halle

Ministerin Petra Grimm-Benne kündigte am Montag Konsequenzen an: In Zukunft erfolge die Ausbildung zweigleisig in Magdeburg und in Halle. Nach Vorgaben der EU soll die Ausbildung zur Hebamme künftig ein Studium sein. Der erste Jahrgang soll 2020 starten, mit je 20 Plätzen pro Standort. Zudem wird 2019 ein Modell-Projekt mit zwei hebammengeleiteten Kreißsälen gestartet, so Grimm-Benne: „Wir hoffen, dass hier wieder mehr Kinder auf natürlichem Wege geboren werden.“ Meinung