Dessau-Roßlau l Im Prozess vor dem Dessauer Landgericht bei dem sich ein 39 Jahre alter Angeklagter wegen der Tötung seines sieben Wochen alten Sohns Noël verantworten muss, hat es Montagvormittag eine unerwartete Wendung gegeben. In ihren Plädoyers haben alle Prozessbeteiligten  einschließlich der Staatsanwaltschaft  Freispruch beantragt. Staatsanwältin Manuela Naujok sagte, dass sie „erhebliche Zweifel an der Schuld" des Angeklagten habe.

Rippenbrüche und Schädelbruch

Mario R. war angeklagt worden, am 7. Januar 2014 das Baby derart misshandelt zu haben, dass es in der elterlichen Wohnung starb. Rechtsmediziner hatten sowohl ältere Verletzungen wie Rippenbrüche bei Noël festgestellt, als auch einen dreifachen Schädelbruch. Gestorben war das Baby an einem sogenannten Schütteltrauma. Mario R. hatte die Tat von Anfang an bestritten und von einem „möglicherweise tragischen Unfall" gesprochen, an den er sich allerdings nicht erinnern könne.

Die 2. Große Strafkammer hatte im Verlaufe des Prozesses darauf hingewiesen, dass es sich eventuell nicht nur um Körperverletzung mit Todesfolge sondern sogar um Totschlag handeln könnte.

Am 9. März hatte der Chefarzt des Landeskrankenhauses Uchtspringe in seinem psychiatrischen Gutachten festgestellt, dass der Angeklagte trotz seiner mehrfach therapierten Alkoholabhängigkeit voll schuldfähig ist.

Mutter könnte in Fokus geraten

Sollte die Kammer am Mittwoch zu dem Schluss kommen, dass R. mangels Beweise freizusprechen ist, könnte die Staatsanwaltschaft überlegen, ob sie den zweiten Erwachsenen aus dem direkten Umfeld des toten Babys genauer unter die Lupe nimmt. Das wäre Noëls Mutter, die am Todestag ihres Babys geschlafen haben will, bis sie vom Angeklagten mit der Nachricht geweckt wurde, dass es dem Kind schlecht gehe. Die Anklagebehörde muss dann prüfen, ob es einen Anfangsverdacht gegen die Dessauerin gibt.