Magdeburg/Halle l Fast jeder hält sich wohl für intelligenter als seine Geschwister. Dass das nicht nur gesunde Geschwisterrivalität, sondern ein nachgewiesener Fakt ist, zeigt ein Forschungsbericht von Wissenschaftlern der Universitäten Leipzig und Mainz. Diese untersuchten, ob die Position, in die ein Kind geboren wird, Einfluss auf die Persönlichkeit hat. Dafür haben sie Daten von mehr als 20.000 Personen untersucht.

Das Ergebnis: Erstgeborene sind intelligenter. Und zwar genau um 1,5 Punkte des Intelligenzquotienten (IQ). Das liegt vor allem an der Vorbildrolle der Eltern, weiß Dr. Inés Brock, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin am Nathusius- Institut für Psychologie, Bildung und Beratung in Halle(Saale).

Intelligenzquotient verändert sich

"Erstgeborene und Einzelkinder orientieren sich vorrangig an den Eltern. Ihre Sprachentwicklung, die den größten Zugang zur Intelligenz bietet, ist dadurch ausgereifter", erklärt Brock. Außerdem seien Erstgeborene oft Lehrende für ihre Geschwister und stärken somit ihre Eigenintelligenz. "Geschwisterkinder orientieren sich eher an Gleichaltrigen und haben deshalb eine andere Sprachentwicklung", so Brock. Der Intelligenzquotient hat aber eine gewisse Variabilität im Laufe des Lebens. "Der IQ kann durch gute und schlechte Lebensbedingungen um wenige Punkte beeinflusst werden", hält Brock fest.

Man sollte, ihrer Meinung nach, auch nicht nur die kognitiven Fähigkeiten der Kinder betrachten. Wichtig sei auch die sogenannte "emotionale Intelligenz", die Fähigkeit eigene und fremde Gefühle wahrzunehmen und zu verstehen. Diese könne bei jüngeren Geschwistern stärker ausgeprägt sein. Das sei aber noch nicht messbar, erklärt Brock. Geschwisterkinder, ob Erst-, Mittel- oder Letztgeborene, seien allgemein für ein soziales Miteinander besser vorbereitet. Sie haben bereits im familiären Umfeld Kompetenzen wie Frustrationstoleranz erlernt und können diese im späteren Leben anwenden.