Bildung

Gewerkschaft: Entlastungen für Lehrkräfte in Sachsen-Anhalt

Am Welttag des Lehrers am 5. Oktober weist die GEW in Sachsen-Anhalt auf die Belastungen der Lehrerinnen und Lehrer hin. Sie will mit der Landesregierung über einen Zehn-Punkte-Katalog zur Entlastung verhandeln.

Von dpa 05.10.2021, 17:49 • Aktualisiert: 06.10.2021, 22:57
Eva Gerth, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Sachsen-Anhalt (GEW).
Eva Gerth, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Sachsen-Anhalt (GEW). Klaus-Dietmar Gabbert/dpa/Archivbild

Magdeburg - Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert Entlastungen für Lehrkräfte und fordert die Landesregierung zu entsprechenden Verhandlungen auf. „Lehrkräfte arbeiten weit über das normale Maß hinaus. Und wir haben tatsächlich Verstöße gegen deutsche und europäische Arbeitszeitregelungen an unseren Schulen“, sagte die GEW-Landesvorsitzende Eva Gerth am Dienstag in Magdeburg. So würden etwa Pausenzeiten nicht eingehalten und in vielen Fällen die wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden überschritten.

Nötig seien aus GEW-Sicht freiwillige Arbeitszeitkonten. Wenn die Lehrkräfte über die Arbeitszeitkonten verfügen könnten, hieße das, dass sie etwa ein halbes Jahr eher in Rente gehen oder eine Auszeit nehmen könnten. Bislang könne Arbeitszeit nicht längerfristig angespart werden, Mehrstunden müssten im laufenden oder spätestens im Folgeschuljahr abgebummelt oder ausgezahlt werden. Gerth sagte, bisherige Anläufe zu Arbeitszeitkonten seien gescheitert. In anderen Bundesländern gebe es solche Regelungen nicht.

Nötig sei aus ihrer Sicht aber eine Entlastung der Kolleginnen und Kollegen, um auch angesichts des Lehrkräftemangels viele länger im Schulsystem zu halten. Bislang verlasse etwa die Hälfte der Lehrkräfte die Schulen mit dem 63. Lebensjahr, der erstmöglichen Rente.

Die GEW Sachsen-Anhalt legte einen Zehn-Punkte-Katalog vor, um Lehrerinnen und Lehrer zu entlasten. Die GEW richte ihre Forderung nach Verhandlungen direkt an Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU), sagte Gerth.

Zu den Forderungen gehört etwa, die Pflichtstundenzahl für alle Lehrkräfte um eine Stunde abzusenken. Bislang liegt sie an Grundschulen bei 27 Stunden und an weiterführenden Schulen bei 25 Stunden pro Woche. Dabei handelt es sich um die reine Unterrichtszeit. Die GEW kritisiert, dass die Zeiten beispielsweise für Vor- und Nachbereitungen, Elterngespräche und Dienstberatungen nicht normiert sind. Mehrarbeit sollte auf zwei Stunden pro Woche begrenzt werden. Seiteneinsteiger sollten im ersten halben Jahr nicht voll unterrichten müssen.

Bildungsministerin Eva Feußner erklärte, die Herausforderungen im Bildungssystem werde die Landesregierung auch in dieser Legislaturperiode durch ein abgestimmtes und in sich schlüssiges Maßnahmenbündel angehen. Die Lehreroffensive werde fortgesetzt, die Zahl der pädagogischen Mitarbeiter und Schulverwaltungsassistenten werde erhöht, Lehrer sollten so entlastet werden. „Wir werden an vielen Stellschrauben drehen - und dabei die Anregungen der GEW selbstverständlich in unsere Überlegungen einfließen lassen.“