Magdeburg l 44,9 Prozent der Auszubildenden im Land weiß in ihrem letzten Lehrjahr nicht, ob sie im Anschluss von ihrem Ausbildungsbetrieb übernommen werden. Während sich 45,7 Prozent über eine Übernahmezusage freuen können, wissen 9,4 Prozent bereits, dass sie keine Zukunft im Betrieb haben werden. Das ist eines der Ergebnisse des ersten landesweiten Ausbildungsreports des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), der gestern in Magdeburg vorgestellt wurde.

Fabian Pfister, Landesjugendsekretär der DGB-Jugend Sachsen-Anhalt, macht sich deshalb für konkretere Zukunftsperspektiven für Auszubildende stark. Vor dem Hintergrund des viel zitierten Fachkräftemangels sei die Situation unbefriedigend. Die Gewerkschaftsjugend fordert, dass alle Auszubildenden im Anschluss an ihre Ausbildung einen unbefristeten Übernahmeanspruch erhalten. Im Falle der Nicht-Übernahme sollten Azubis drei Monate im Voraus informiert werden. Eine entsprechende Frist soll im Berufsbildungsgesetz verankert werden. Solche Forderungen hält der Präsident der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände Sachsen-Anhalt (AWSA), Klemens Gutmann, für „aus der Zeit gefallen“. Gute Auszubildende hätten exzellente Chancen, übernommen zu werden. Ausbildungsbetriebe seien bestrebt, qualifizierte Arbeitskräfte zu halten.

In anderen Fällen sei es angebracht, sich frühzeitig an einen Tisch zu setzen und über Alternativen zu sprechen, so Gutmann. Das findet auch Arbeitsministerin Petra Grimm-Benne: „Ich halte es für enorm wichtig, dass Unternehmen ihren Auszubildenden frühzeitig klare Signale geben.“ Das liege auch im Interesse der Unternehmen. „Arbeitgeber müssen sich stärker bewegen, wenn es um ihre zukünftigen Fachkräfte geht. Kommt nichts oder zu wenig, werden sie im Wettbewerb um Fachkräfte das Nachsehen haben“, so Grimm-Benne.

Ein weiterer Kritikpunkt im DGB-Report: Rund jeder dritte Auszubildende (33,8 Prozent) im Land arbeitet regelmäßig länger. Das treffe trotz besonderer Schutzbestimmungen auch auf unter 18 Jahre alte Azubis zu. Jeder fünfte Minderjährige gab demnach an, regelmäßig Überstunden zu machen. Burghard Grupe, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Magdeburg, überraschen diese Zahlen. Er appelliert an die Azubis, sich bei entsprechenden Verstößen an den Ausbildungsleiter zu wenden. „Gesetzliche Vorgaben müssen unbedingt eingehalten werden“, so Grupe.

DGB-Landeschefin Susanne Wiedemeyer forderte zudem, die Zahl der Lehrstellen deutlich zu erhöhen. So seien nach offiziellen Zahlen der Arbeitsagenturen zuletzt mehr Jugendliche auf der Suche nach einer Ausbildung, als es freie Stellen gab. Burghard Grupe sieht indes in allen Branchen einen Bedarf an qualifizierten Fachkräften. „Gerade im Handwerk haben wir absoluten Lehrstellenmangel“, so der Chef der Handwerkskammer. Verbesserungsbedarf sieht Grupe bei der Berufsorientierung. Man müsse angehenden Azubis Chancen und Alternativen aufzeigen. Vielleicht lasse sich der eine oder andere damit auch für einen anderen als nur den einen Traumberuf begeistern. Meinung