Das blaue Wunder

Fünf neue Hallenböden wurden für die Handball-Weltmeisterschaft der Frauen an sechs Standorten in Deutschland produziert.

36 Bahnen à 20 Meter Länge werden miteinander verklebt und zum Fixieren gewalzt.

30 000 Euro kostet jeder einzelne der mobilen Hallenbeläge. Die Bahnen werden in einem Werk in Frankreich produziert.

In Deutschland werden die Bahnen auf Länge geschnitten und die Linien aufgetragen. Der Aufbau dauert circa vier Stunden.

Magdeburg l 36 Bahnen à 20 Meter Länge und fünf Männer, die im Akkord einen Hallenboden für die Magdeburger Getec-Arena aufbauen. Ab Sonntag ist die Landeshauptstadt Spielstätte der Handball-Weltmeisterschaft der Frauen. Und die Internationale Handballföderation gibt vor, dass die Nationalspielerinnen einen neuen Boden bekommen. Deswegen reist Volker Möller am Freitagvormittag mit seinem Team an. Eine große Rolle nach der anderen wird abgeladen, die Bahnen auf dem Feld ausgebreitet.

Das Material aus der Kälte bekommt Zeit zum Akklimatisieren. „Der Boden muss sich erst einmal richtig legen“, erklärt der Chef des Sportbodenbau-Unternehmens. Ruhig und routiniert werden die Bahnen auf das Verkleben vorbereitet. Möller weiß aus Erfahrung: In knapp vier Stunden wird der neue Hallenboden einsatzbereit sein. Damit die Arbeiten vor Ort so schnell gehen, hat er in einer extra gemieteten Halle die Bahnen vorgeschnitten und die Linien bereits aufgetragen.

Dafür hätte in der Getec-Arena die Zeit gefehlt. Denn: Nur zwölf Stunden zuvor reihen sich noch Hunderte Stühle aneinander, wo sonst die Spieler des SC Magdeburg im Einsatz sind. Die Handballtore sind einer großen Bühne gewichen, auf der Sänger und Orchester Disney-Songs präsentieren. Kaum ist das Konzert vorbei, beginnt der Umbau. Unter Hochdruck. Alle wissen: Am Sonnabend um 12 Uhr werden die Nationalspielerinnen zum ersten Mal hier trainieren.

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Boden kommt aus Frankreich

Gegen 3 Uhr am Freitagmorgen ist nichts mehr von der Disney-Aufführung zu erkennen. Seit 1 Uhr sind die Reinigungskräfte in der Getec-Arena im Einsatz. Um 7 Uhr sind die ersten Arbeiter vor Ort und hängen die orangen WM-Banner auf.

Der spezielle, gedämpfte Boden wird in Magdeburg direkt auf dem SCM-Spielfeld verlegt. Eine Schutzabdeckung sei nicht nötig, macht der Betriebsleiter der Getec-Arena Nico Niedziella deutlich. Der neue Belag wird nicht am Boden festgeklebt, sondern nur die Bahnen untereinander fixiert.

Mit den Handballerinnen touren zurzeit fünf blaue Sportböden quer durch die Republik – alle frisch in einem Werk in Frankreich produziert. Auch die Handballtore sind nagelneu. Nur für die insgesamt fünf WM-Spiele an drei Tagen werden die Aluminium-Stangen und Netze in der Magdeburger Arena aufgebaut.

Eine WM, fünf neue Böden

Danach stehen die Tore zum Verkauf. Genau wie der Hallenboden. Rund 30 000 Euro sind die 800 Quadratmeter mobiler Hallenbelag wert. Nach den Spielen seien die gebrauchten Böden jedoch etwas günstiger zu haben, kündigt Volker Möller an. Allerdings: Drei von fünf Böden seien bereits verkauft. Während die Arbeiter mit einer kleinen Walze ein letztes Mal über den Boden fahren, um ihn zu fixieren, entstehen hinter dem Spielfeld drei Fernsehstudios. Jens Krüger, der mit seinem Logistikteam vor Ort ist, spricht von einem „gigantischen Aufwand“.

Die Turnhalle hinter den Zuschauerrängen hat sich bereits in Presse- und Medienzentrum verwandelt. Alle Sportgeräte sind verschwunden, Dutzende Arbeitsplätze aufgebaut. Auch die Arbeiten an einem langen Podest am Spielfeldrand sind fast erledigt. Dort werden ab Sonntag rund 20 Offizielle Platz nehmen. Dazwischen der Hallensprecher: Er wird während der WM-Spiele über die ganz normale Haustechnik der Arena zu hören sein. Extra angereist kommt allerdings die Technik und der rote Knopf zum Drücken, ein sogenannter Buzzer, für das neue Zeitmesssystem „Swiss Timing“.

Doch damit nicht genug: Gestern Abend ist noch der große LED-Zylinder von der Decke der Halle gewachsen, auf dem die Spielergebnisse sowie die Zeit angezeigt werden. Weitere LED-Videowände werden heute Morgen auf 40 Metern Länge auf der Südseite aufgebaut. Letzte Banner und Werbe-Aufkleber müssen auch noch angebracht werden. „Die heiße Phase beginnt jetzt erst“, sagt André Willms von der Stadt Magdeburg am Freitagmittag. Bisher liege man allerdings gut im Zeitplan.

Wenn heute um 12 Uhr die ersten Spielerinnen das Feld betreten, soll nichts mehr von dem Umbau-Stress zu sehen sein. Abends werden dann mit Probanden die Einlaufszenarien geübt. Am Sonntag wird um 11.30 Uhr das erste der fünf Magdeburger WM-Spiele angepfiffen. Wer dabei sein will: Noch sind Tickets für alle Partien zu haben.