Ehe im Wandel der Zeit

Im alten Israel gab der Bräutigam dem Brautvater den Brautpreis. Dann holte er seine künftige Frau in sein Haus, was in der ganzen Dorfgemeinschaft gefeiert wurde. Später kam im Judentum eine schriftliche Urkunde dazu.

In der griechisch-römischen Antike mussten legitime Erben einer öffentlich geschlossenen Ehe entstammen. Diese war in der Regel nur zwischen Menschen des gleichen sozialen Standes möglich. Daneben gab es eine Fülle nicht ehelicher, aber dauerhafter und allgemein akzeptierter Partnerschaften, sogenannte Konkubinate.

Als sich die junge Christenheit entwickelte, stand sie vor der Herausforderung, die vorhandenen sozialen und rechtlichen Formen von ihrem Glauben her zu beurteilen. In den ersten Jahrhunderten gab es noch Auseinandersetzungen darüber, ob bei sozialen Ehehindernissen ein Konkubinat zulässig sei oder man lieber darauf drängen sollte, die Standesunterschiede abzuschaffen. Schließlich setzte sich die Ehe als einzige Form des Zusammenlebens durch.

Wie im Judentum waren Eheschließungen auch in der Christenheit öffentliche Angelegenheit. Schon im 2. Jh. n. Chr. wurde die Zustimmung des Bischofs gefordert. Es bildeten sich gottesdienstliche Handlungen heraus.

Im frühen Mittelalter dienten Priester als Zeugen einer Eheschließung. Dabei übergab der Brautvater die Braut an der Kirchentür dem Bräutigam. Danach feierte man in der Kirche Gottesdienst. Wie schon im römischen Recht wird die Ehe durch das Einverständnis der Partner bzw. ihrer Familien begründet. Die Kirche segnet die so entstandene Beziehung, aber sie stellt sie nicht her.

Zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert wird die Ehe in einem längeren Prozess zum kirchlichen Sakrament. Nun wird die Ehe erst durch das Handeln der Kirche gültig.

Die Reformation hat sich von der Ehe als Sakrament wieder verabschiedet. Nach ihrer Erkenntnis ist sie „ein weltlich Ding“ (Martin Luther), das auch durch weltliche Instanzen geordnet werden muss. Die kirchliche Trauung wurde als Segenshandlung beibehalten.

Vom geistlichen Standpunkt aus gesehen wird eine Ehe weder von der Kirche noch vom Standesamt begründet, sondern vom Ja der Partner zueinander.

Heute ist mit der standesamtlichen Trauung das Ja der Partner öffentlich gültig. Den Partnern selbst war es zwar schon länger klar und das Zusammenleben muss sich auch danach immer wieder neu bewähren und gestaltet werden. Aber die rechtliche Geltung gibt dem Paar nun den ganzen Schutz und damit auch den gesamten Freiraum zur Gestaltung seiner Beziehung.

Magdeburg l Die Zeit der Heiratsmuffel scheint vorbei zu sein. Allein in Sachsen-Anhalt traten 2018 laut Statistischem Bundesamt 11.370 Paare (einschließlich gleichgeschlechtliche Ehen) vor den Traualtar. Das waren knapp 1000 mehr als im Jahr zuvor. Statistisch gesehen heiratet zwischen ­Arendsee und Zeitz alle 46 Minuten ein Paar.

Einen regelrechten Boom gab es in Nordrhein-Westfalen, wo sich 2018 rund 10.000 Paare mehr als 2017 ewige Treue schworen. Gefolgt von Bayern mit gut 6000 Trauungen.

Eine Hochzeit ist für jeden Dritten (34 Prozent) ein echter Liebesbeweis. Die stärkere Verbindung mit dem Partner ist laut einer bundesweiten Umfrage aber der wichtigste Grund (46 Prozent), um zu heiraten. Für weitere 30 Prozent wird man erst mit Ring am Finger zu einer richtigen Familie.

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Nach Kirche und/oder Standesamt gibt‘s üblicherweise die Hochzeitsparty. Und eine Online-Umfrage von Elite Partner unter mehr als 4000 Brautleuten im Alter zwischen 18 und 69 Jahren hat die 2018er Hitliste der Dinge ergeben, die auf der Feier auf keinen Fall passieren sollten.

Die Schreckensliste für Hochzeitsfeiern

Unangefochten auf Platz 1: Die Gäste haben keinen Spaß. Für sechs von zehn Männern und sieben von zehn Frauen ist das eine Horrorvorstellung.

Streit oder Reibereien zwischen den Gästen fürchten 56 Prozent der Bräutigame und 66 Prozent der Bräute.

Ebenfalls im Vorderfeld der Hochzeitsängste liegt die Befürchtung, dass der Tag so stressig wird, dass man ihn nicht genießen kann.

Gut für ein Drittel (Männer) und die Hälfte (Frauen) der Befragten ist die Schreckensvision, dass der Kostenplan deutlich überzogen wird.

Die größte Differenz der Geschlechter betrifft die Hochzeitsfotos. Dass diese nicht gelungen sein könnten, ist für rund fünf von zehn Frauen der Supergau. Lediglich ein gutes Viertel aller befragten Männer sieht in misslungenen Hochzeitsfotos einen Grund zum Ärgern.

In Sachen Hochzeitsnacht liegen die Partner allerdings beinahe gleichauf. Dass das Schäferstündchen, dem wohl heute nicht mehr die Bedeutung zukommt wie einst, ausfällt, sehen 40 Prozent der Frauen und 35 Prozent der Männer als einen gravierenden Makel.

Lediglich ein Fünftel der Hochzeiter wäre unzufrieden, wenn die Eheschließung bei den Gästen nicht in Erinnerung bleiben würde.

Eine schwerwiegende Frage ist vor jeder Trauung, wo sich das Ja-Wort gegeben werden soll. Und dabei liegen außergewöhnliche Orte im Trend. Wer es zwischen Himmel und Erde liebt, kann die Ringe in der Wuppertaler Schwebebahn tauschen.

Garten der Sinne als Vorspiel

Auch die „Gärten der Sinne“ im saarländischen Merzig sind ein bundesweit beliebter Trauungsort. Unter freiem Himmel, inmitten eines romantischen Gartens und in elf aufeinanderfolgenden Gartenzimmern kann man seiner Hochzeit einen außergewöhnlichen Rahmen verleihen.

Die Feengrotten in Saalfeld (Thüringen) haben eine lange Warteliste, wenn es ums Heiraten geht. 100 Brautpaare geben sich unter der Erde jährlich das Ja-Wort.

Im Herzen Ostfrieslands, in Remels, kann man sich in der mehr als 200 Jahre alten Windmühle trauen lassen. Der zweigeschossige Galerie-Holländer wurde 1803 erbaut.

Wer auf der Sababurg in Hofgeismar im Landkreis Kassel (Hessen) heiratet, fühlt sich wie im Märchen. Die ursprüngliche Zappaborgck entstand 1334 zum Schutz der Pilger.

Doch auch in Sachsen-Anhalt gibt es besondere Trauungsorte.

Ein Schaufelraddampfer bringt „Mississippi-Flair“ auf den Arendsee (Kreis Salzwedel). Seit einigen Jahren können sich Verliebte auf dem „einzigen schwimmenden Standesamt des Landes“ – der „Queen Arendsee“ – trauen lassen. Die Termine sind außerordentlich beliebt und dementsprechend nachgefragt.

225 Stufen bis zum Bund der Ehe

Paare, die bereit sind, 225 Stufen für das Ja-Wort nach oben zu steigen, können eine Hochzeit zwischen den Hausmannstürmen der Stadt Halle feiern. Die beiden schlanken Türme der Marktkirche verbindet ein schmaler Steg. So ist nach Stadtangaben ein unvergesslicher Ausblick in mehr als 43 Metern Höhe garantiert.

Das Schloss Luisium mit seinem angrenzenden Park gehört zum Unesco-Welterbe und liegt im Gartenreich Dessau-Wörlitz. Das Kleinod klassizistischer Architektur ließ Fürst Franz von Anhalt-Dessau im 18. Jahrhundert für seine Gemahlin Louise errichten. In jedem Jahr heiraten 30 bis 40 Paare in dem historischen Gebäude.

Er ist der höchste Berg Norddeutschlands, und seit drei Jahren besitzt der Brocken auch ein Standesamt. Auf einer überdachten Aussichtsplattform können Verliebte im Sommer wie im Winter „Ja“ zueinander sagen. Die Termine seien rar, sagte die zuständige Standesbeamtin in Wernigerode.

Im Industriecharme der selbsternannten „Stadt aus Eisen“ bei Gräfenhainichen können sich Verliebte im Schalterraum einer ehemaligen Tagebaustätte standesamtlich trauen lassen. Beliebt seien nach Veranstalterangaben die Brautpaarfotos vor der Kulisse der tonnenschweren Bagger. Auf dem heutigen Veranstaltungsareal „Ferropolis“ wurde einst Kohle abgebaut.

Und seit dem vergangenen Jahr kann man in Magdeburg Zooluft schnuppern, wenn man unter den Blicken von Elefanten die Ringe tauscht.

Auch wenn sich das die meisten Paar in den Tagen der ersten Verliebtheit kaum vorstellen können (oder verdrängen), eine Ehe ohne Reibungspunkte gibt es nicht. Und auch die Frage nach den häufigsten Konflikten zwischen Paaren zeigt, dass Streit wegen „schlechter Angewohnheiten“ bei vier von zehn Befragten an der Spitze liegt.

Haushalt ist großer Streitpunkt

Fast ebenso viele ärgern unterschiedliche Auffassungen von Ordnung und Sauberkeit.

Wer im Haushalt was macht, darüber streitet ein Viertel der Befragten.

Gleichauf (19 Prozent) liegen „Kommentare beim Autofahren“ und die Frage, wie viel Freiheiten der Partner hat und in diesem Zusammenhang, wie viel man ohne den anderen unternehmen kann. Zum Beispiel Kneipentouren und Kegelabende mit Freunden oder Mädelsabende und Treffen mit der besten Freundin.

Stellen sich die Differenzen innerhalb der Ehe als zu groß heraus, bleibt zumeist nur der Schlussstrich – sprich Scheidung. In Sachsen-Anhalt beendeten 2018 3479 Paare ihre eheliche Beziehung. Laut Statisik alle zweieinhalb Stunden. Die Haltbarkeitszeit nach der Trauung lag bei durchschnittlich 14,5 Jahren.

Schaut man zurück auf das Jahr 1980, wurden je 100 Eheschließungen knapp 33 Ehen geschieden. 2018 waren es knapp 31. Das Superjahr der Scheidungen in Sachsen-Anhalt war 2002. Vor 18 Jahren kamen statistisch gesehen auf 100 Hochzeiten 63 Scheidungen.

Scheidungshochburgen in Sachsen-Anhalt sind Halle mit 425 Trennungen von Tisch und Bett (2018), gefolgt von Magdeburg mit 378 Scheidungen, dem Harzkreis (365) und Anhalt-Bitterfeld (320).

Im Jerichower Land landeten im vergangenen Jahr hingegen nur 378 Ehen vor Gericht. Gefolgt vom Altmarkkreis Salzwedel (145) und dem Landkreis Wittenberg (146).