Magdeburg (dpa) l Der Trend zu legaler wie illegaler Pyrotechnik hält aus Sicht des Landeskriminalamts (LKA) in Sachsen-Anhalt an. Er sei über das Jahr 2015 hinweg gewachsen. "Die vorgefundenen und sichergestellten Gegenstände werden immer größer, auch die Mengen", sagte LKA-Sprecher Andreas von Koß der Deutschen Presse-Agentur in Magdeburg. Die Mehrheit der pyrotechnischen Gegenstände, die die Polizei beschäftigten, kämen aus Osteuropa. Zunehmend sei aber auch Pyrotechnik aus Spanien, Italien oder Österreich dabei.

Insgesamt habe es in diesem Jahr bislang mehr als 140 Fälle illegaler Sprengstoffexplosionen gegeben, im Vorjahr seien es halb so viele Fälle (71) gewesen. Dabei handele es sich um Taten, bei denen Sprengstoff eingesetzt wurde und Leib und Leben anderer Menschen sowie fremde Sachen von bedeutendem Wert in Gefahr waren. Auf das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion steht eine Freiheitsstrafe von nicht unter einem Jahr. Die Aufklärungsquote liegt bei rund 30 Prozent.

Mehr Einsätze fürs LKA

Im LKA kümmert sich eine Gruppe von Entschärfern um unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen. Insgesamt hatten sie bis zum 9. Dezember 589 Einsätze, 2014 waren es insgesamt 538. Die meisten Einsätze hatten mit Pyrotechnik zu tun, 2015 waren das 450 und 2014 knapp 400.

Den Tätern geht es demnach nicht nur um die Wucht der Detonation – sie wollen zerstören. Zigarettenautomaten waren in diesem Jahr zunehmend Ziel. 2014 waren noch 54 dieser Automaten gesprengt worden. In diesem Jahr waren es schon deutlich mehr als 90 Fälle. "Hier kommen überwiegend sogenannte Polenböller zum Einsatz, also illegale Pyrotechnik", sagte von Koß. Diese sei auf den polnischen und tschechischen Märkten in Grenznähe einfach zu kaufen und werde dann illegal nach Deutschland gebracht. Auch der Internethandel boome.

Auf der LKA-Liste mit angegriffenen Zielen stehen auch eine Paketstation, die Briefkastenanlage eines Mehrfamilienhauses, ein Auto, die Außenscheibe eines Schwimmbades, ein Kleidercontainer, drei Fahrkartenautomaten der Bahn und ein Telefonverteiler der Telekom. Dabei ist der Einsatz der illegalen Pyrotechnik nicht ungefährlich: Die Wirkung der Sprengsätze sei um ein Vielfaches größer als die eines üblichen Blitzknallers. "Wenn solche Böller in der Hand oder auch nur in unmittelbarer Körpernähe explodieren, sind schwerste oder sogar lebensgefährliche Verletzungen nicht ausgeschlossen. Dies haben Tests hinreichend belegt", sagte der LKA-Sprecher.